142.51
(BGIAA)
vom 20. Juni 2003 (Stand am 15. Juni 2025)
1. Abschnitt: Allgemeine Bestimmungen
Art. 1 Gegenstand
- Dieses Gesetz führt ein Informationssystem ein, das der Bearbeitung von Personendaten aus dem Ausländer- und dem Asylbereich dient.
- Die Artikel 9a , 92a , 101, 102, 102c –102e , 109k –109m und 111a –111d des Ausländer- und Integrationsgesetzes vom 16. Dezember 2005(AIG), die Artikel 96–99, 102–102a bisund 102b –102e des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998(AsylG) sowie Artikel 44 des Bürgerrechtsgesetzes vom 20. Juni 2014(BüG) bleiben vorbehalten.
Art. 2 Führung des Informationssystems
Das Staatssekretariat für Migration (SEM)führt das Informationssystem zur Erfüllung seiner gesetzlichen Aufgaben.
Art. 3 Zweck des Informationssystems
- Das Informationssystem dient der einheitlichen Bearbeitung der Daten zur Identität von Ausländerinnen und Ausländern einschliesslich von Personen aus dem Asylbereich.
- Es unterstützt das SEM bei der Erfüllung der folgenden Aufgaben im Ausländerbereich:
- die Verwaltung der Dossiers der registrierten Personen;
- die Ausstellung von Ausländerausweisen, schweizerischen Reisedokumenten und Bewilligungen zur Wiedereinreise für registrierte Personen, einschliesslich solcher mit biometrischen Daten;
- die Kontrolle der Einreise- und Aufenthaltsvoraussetzungen der Ausländerinnen und Ausländer im Rahmen der Vorschriften des AIG, des Abkommens vom 21. Juni 1999zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (Freizügigkeitsabkommen), des Abkommens vom 21. Juni 2001zur Änderung des EFTA-Übereinkommens, der Schengen-Assoziierungsabkommen sowie der Dublin-Assoziierungsabkommen; die Schengen- und die Dublin-Assoziierungsabkommen sind im Anhang aufgeführt;
- die Ausstellung und Kontrolle von Visa;
dbis. die Ausstellung und Kontrolle von Reisegenehmigungen nach der Verordnung (EU) 2018/1240(ETIAS-Reisegenehmigungen);
e. die Zuteilung von Kontingenten auf die Kantone;
f. die Organisation von Massnahmen zur Förderung der Integration der Ausländerinnen und Ausländer;
g. die Erfüllung der Aufgaben nach dem BüG;
h. die Bearbeitung von Personendaten über Entfernungs- und Fernhaltemassnahmen;
i. die Umsetzung des Freizügigkeitsabkommens und des Abkommens vom 21. Juni 2001 zur Änderung des EFTA-Übereinkommens;
j. die Erleichterung der Verfahren mittels elektronischen Zugriffs auf die Dossiers im Ausländerbereich des SEM;
k. die Erfüllung der Aufgaben nach dem Entsendegesetz vom 8. Oktober 1999.
- Es unterstützt das SEM bei der Erfüllung der folgenden Aufgaben im Asylbereich:
- die Verwaltung der Dossiers der registrierten Personen;
- die Ausstellung von Ausländerausweisen, schweizerischen Reisedokumenten und Bewilligungen zur Wiedereinreise für registrierte Personen, einschliesslich solcher mit biometrischen Daten;
- die Beschaffung von Reisepapieren und die Organisation der Ausreise im Rahmen von Aus- und Wegweisungsverfahren;
- die Vergütung der Sozialhilfekosten der Kantone gemäss AsylG;
- die Organisation von Massnahmen zur Förderung der Integration von Personen aus dem Asylbereich;
- die Evaluation von sozialpolitischen Massnahmen, die das SEM unterstützt;
- die Umsetzung der Rückerstattungspflicht und der Sicherheitsleistungen nach den Artikeln 85–87 des AsylG;
- die Bestimmung des Staates, der nach den Dublin-Assoziierungsabkommen für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig ist;
- die Erleichterung des Asylverfahrens mittels elektronischen Zugriffs auf die Dossiers der Asylsuchenden;
- die Bearbeitung von Personendaten über Entfernungs- und Fernhaltemassnahmen.
- Es dient ferner der Erstellung von Statistiken, der Verfahrens- und Vollzugskontrolle und der Führung des Rechnungswesens.
4bis. Zu Kontrollzwecken und für die Erstellung von Statistiken über die gegenüber Ausländerinnen und Ausländern verfügten Entfernungs- und Fernhaltemassnahmen nach dem AsylG, dem AIG, dem Freizügigkeitsabkommen, dem Strafgesetzbuch (StGB)und dem Militärstrafgesetz vom 13. Juni 1927(MStG) werden folgende Daten im Informationssystem erfasst:
- Verfügungen nach Artikel 68a Absätze 1 und 2 AIG, sowie die Wegweisungen gegenüber EU-EFTA Staatsangehörigen;
- die Anordnung einer Landesverweisung nach den Artikeln 66a oder 66a bisStGB oder den Artikeln 49a oder 49a bisMStG (Landesverweisung);
- der Aufschub des Vollzugs einer Landesverweisung;
- die Aufhebung des Aufschubs des Vollzugs einer Landesverweisung;
- der Verzicht auf die Anordnung einer obligatorischen Landesverweisung nach Artikel 66a Absätze 2 und 3 StGB oder Artikel 49a Absätze 2 und 3 MStG;
- bei einer in der Schweiz angeordneten Landesverweisung, das effektive oder das von der Vollzugsbehörde festgelegte Ausreisedatum sowie die Angabe des Ausreisegrundes: Ausschaffung, Auslieferung, Überstellung zum Zwecke des Sanktionsvollzugs im Ausland;
- begangene Straftaten;
- die freiwillige oder zwangsweise Ausreise;
- der Staat, in den die ausländische Person zwangsweise rückgeführt wird;
- die Gründe für die Entfernungs- und Fernhaltemassnahme.
4ter. Die Daten nach Absatz 4biswerden automatisch aus VOSTRA übertragen, sofern sie nicht in ZEMIS schon enthalten sind.
- Die AHV-Nummernach Artikel 50c des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1946über die Alters- und Hinterlassenenversicherung dient dem elektronischen Datenaustausch zwischen amtlichen Personenregistern.
Art. 4 Inhalt des Informationssystems
- Das Informationssystem enthält:
a. Daten zur Identität der registrierten Personen;
abis. Gesichtsbild, Fingerabdrücke und Unterschrift (biometrische Daten);
b. Daten zu den spezifischen Aufgaben des SEM nach Artikel 3 Absätze 2 und 3;
c. …
d. ein Subsystem mit den Dossiers der Verfahren im Ausländer- und Asylbereich in elektronischer Form;
e. Audioaufzeichnungen für Sprachgutachten im Asylbereich;
f. den Vermerk «Medizinalfall», um die Asylsuchenden auf die Kantone zu verteilen.
g. die Erwähnung allfälliger Behinderungen, Prothesen oder Implantate, wenn die betreffende Person darum ersucht.
- Im Informationssystem können besonders schützenswerte Personendaten nach Artikel 5 Buchstabe c des Datenschutzgesetzes vom 25. September 2020(DSG) bearbeitet werden, sofern dies zur Erfüllung der Aufgaben nach Artikel 3 dieses Gesetzes unerlässlich ist.
Art. 5 Verantwortlichkeit
- Das SEM ist für die Sicherheit des Informationssystems und die Rechtmässigkeit der Bearbeitung der Personendaten verantwortlich.
- …
Art. 6 Auskunfts- und Berichtigungsrecht
- Begehren um Auskunft über Personendaten (Art. 25 DSG) und um Berichtigung (Art. 41 Abs. 2 Bst. a DSG) sind an das SEM zu richten.
- Beschwerden richten sich nach Artikel 41 DSG; sie sind beim SEM einzureichen.
2. Abschnitt: Bearbeitung von Daten
Art. 7 Zuständige Behörden
- Das SEM bearbeitet Personendaten im Informationssystem in Zusammenarbeit mit den in Artikel 9 Absatz 1 Buchstaben e, f und m–o sowie Absatz 2 Buchstaben e und m–o aufgeführten Behörden oder Stellen und unter Mitwirkung der Kantone.
- Es vergewissert sich, ob die von ihm bearbeiteten Personendaten richtig sind (Art. 6 Abs. 5 DSG).
- Nach der Vereinbarung vom 6. November 1963zwischen der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein über die Handhabung der Fremdenpolizei für Drittausländer im Fürstentum Liechtenstein und über die fremdenpolizeiliche Zusammenarbeit werden die zuständigen Behörden des Fürstentums Liechtenstein im Bereich der Fremdenpolizei wie kantonale Behörden behandelt.
- Der Bundesrat regelt, welche Personendaten die Behörden nach Absatz 1 im Informationssystem bearbeiten können.
Art. 7a Biometrische Daten
- Folgende Behörden oder Stellen können zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben biometrische Daten direkt ins Informationssystem eingeben:
- das SEM;
- Dritte, die vom SEM mit der Feststellung der Identität von asylsuchenden oder schutzbedürftigen Personen in den Empfangs- und Verfahrenszentren betraut sind;
- die Ausweise ausstellenden Behörden;
- die Behörden, die vom SEM mit der Erfassung biometrischer Daten im Zusammenhang mit Reisedokumenten betraut sind;
- die kantonalen Migrationsbehörden.
- Die Erfassung biometrischer Daten und deren Übermittlung an die mit der Ausfertigung der Ausweise oder Reisedokumente betrauten Stellen können teilweise oder ganz Dritten übertragen werden.
- Folgende Behörden oder Stellen können zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben die biometrischen Daten im Informationssystem bearbeiten:
- das SEM;
- Dritte, die vom SEM mit der Sicherheit in den Empfangs- und Verfahrenszentren betraut sind;
- die Ausweise oder Reisedokumente ausstellenden Behörden;
- die kantonalen Migrationsbehörden;
- das Grenzwachtkorps;
- die kantonalen und kommunalen Polizeibehörden;
- das SIRENE-Büro von fedpol;
- der Nachrichtendienst des Bundes.
- Die Behörden übermitteln den mit der Ausfertigung der Ausweise oder Reisedokumente betrauten Stellen die zur Erfüllung ihres Auftrags erforderlichen Daten.
Art. 8 Daten über Beschwerden
Die für die Behandlung von Beschwerden aus dem Ausländer- und dem Asylbereich zuständigen Bundesbehörden übermitteln dem SEM regelmässig in elektronischer Form die Daten über den Eingang und die Erledigung von Beschwerden.
Art. 8a Übermittlung von Daten an das Informationssystem für die Durchführung der Rückkehr
Folgende Daten können automatisch an das Informationssystem für die Durchführung der Rückkehr nach Artikel 109f AIGübermittelt werden:
- der Name und Vorname, das Geschlecht, das Geburtsdatum, der Geburtsort, die Staatsangehörigkeit, die Ethnie, die Religion, die Muttersprache, der Zivilstand und die Adresse der Ausländerin oder des Ausländers sowie der Name der Eltern;
- die biometrischen Daten;
- der Teil des elektronischen Dossiers betreffend die Rückkehr nach Artikel 4 Absatz 1 Buchstabe d;
- Ort, Dauer und Art der Inhaftierung.
3. Abschnitt: Zugriff auf das Informationssystem
Art. 9 Abrufverfahren
- Das SEM kann die von ihm oder in seinem Auftrag im Informationssystem bearbeiteten Daten des Ausländerbereichs folgenden Behörden oder Stellen durch ein Abrufverfahren zugänglich machen:
a. den kantonalen und kommunalen Ausländerbehörden, den kantonalen und kommunalen Polizeibehörden, den kantonalen Sozialhilfe-, Arbeitsmarkt- und Bürgerrechtsbehörden für ihre Aufgaben im Ausländerbereich sowie den kantonalen und kommunalen Polizeibehörden zur Personenidentifikation;
abis. den für den Vollzug der Landesverweisung nach Artikel 66a oder 66a bisdes Strafgesetzbuchs (StGB)oder Artikel 49a oder 49a bisdes Militärstrafgesetzes vom 13. Juni 1927(MStG) zuständigen Behörden;
b. …
c. den Bundesbehörden im Bereich der inneren Sicherheit ausschliesslich zur Personenidentifikation bei:
1. dem polizeilichen Nachrichtenaustausch,
2. sicherheits-und gerichtspolizeilichen Ermittlungen,
3. Auslieferungsverfahren,
4. Rechts- und Amtshilfe,
5. der stellvertretenden Strafverfolgung und Strafvollstreckung,
5bis. der Überstellung verurteilter Personen,
5ter. dem stellvertretenden Straf- und Massnahmenvollzug,
6. der Bekämpfung der Geldwäscherei, des Drogenhandels und des organisierten Verbrechens,
6bis. der Bekämpfung des Missbrauchs von Vorläuferstoffen für explosionsfähige Stoffe;
7. der Kontrolle von Ausweisschriften,
8. Nachforschungen nach vermissten Personen,
9. der Kontrolle der Eingaben im automatisierten Polizeifahndungssystem nach Artikel 15 des Bundesgesetzes vom 13. Juni 2008über die polizeilichen Informationssysteme des Bundes (BPI);
d. den Beschwerdeinstanzen des Bundes für die Instruktion der bei ihnen eingegangenen Beschwerden;
e. den Grenzposten der kantonalen Polizeibehörden und dem Grenzwachtskorps zur Durchführung der Personenkontrolle und zur Erteilung von Ausnahmevisa;
f. den schweizerischen Auslandvertretungen und Missionen zur Prüfung der Visumgesuche und zur Erfüllung ihrer Aufgaben im Bereich des Schweizer Bürgerrechts;
g. dem Staatssekretariat und der Politischen Direktion des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (Departement) zur Prüfung und zum Entscheid über Visumgesuche im Zuständigkeitsbereich des Departements;
h. der zentralen Ausgleichsstelle zur Abklärung von Leistungsgesuchen sowie zur Zuteilung und Überprüfung der AHV-Nummer;
i. den kantonalen Steuerbehörden für ihre Aufgaben bei der Erhebung der Quellensteuer;
j. den Zivilstandsämtern und ihren Aufsichtsbehörden: zur Personenidentifikation im Zusammenhang mit Zivilstandsereignissen, für die Vorbereitung einer Eheschliessung oder Eintragung der Partnerschaft sowie zur Verhinderung der Umgehung des Ausländerrechts nach Artikel 97a Absatz 1 des Zivilgesetzbuchesund Artikel 6 Absatz 2 des Partnerschaftsgesetzes vom 18. Juni 2004;
k. der Zeugenschutzstelle des Bundes gemäss dem Bundesgesetz vom 23. Dezember 2011über den ausserprozessualen Zeugenschutz zur Erfüllung ihrer Aufgaben;
l. dem Nachrichtendienst des Bundes:
1. zur Personenidentifikation für das frühzeitige Erkennen und Verhindern von Bedrohungen für die innere oder äussere Sicherheit nach Artikel 6 Absatz 1 Buchstabe a des Nachrichtendienstgesetzes vom 25. September 2015(NDG),
2. zur Erfüllung seiner Aufgaben bei Überprüfungen im Zusammenhang mit der Gefährdung der inneren oder äusseren Sicherheit nach Artikel 14 Buchstabe d BüG, nach dem AIGund dem AsylG,
3. zur Prüfung von Fernhalte- und Entfernungsmassnahmen nach dem AIG;
m. der mit der Ausfertigung der Reisedokumente beauftragten Stelle;
n. den von den Kantonen bezeichneten Behörden oder Stellen, zur Entgegennahme von Gesuchen um Ausstellung von Reisedokumenten;
o. den von den Kantonen bezeichneten Behörden oder Stellen, zur Erfassung des Gesichtsbilds und der Fingerabdrücke im Zusammenhang mit der Ausstellung von Reisedokumenten.
p. dem Bundesamt für Polizei zur Prüfung von Fernhalte- und Entfernungsmassnahmen nach dem AIG.
- Das SEM kann die von ihm oder in seinem Auftrag im Informationssystem bearbeiteten Daten des Asylbereichs folgenden Behörden oder Stellen durch ein Abrufverfahren zugänglich machen:
- den kantonalen und kommunalen Ausländerbehörden, den kantonalen und kommunalen Polizeibehörden, den kantonalen Sozialhilfe- und Arbeitsmarktbehörden für ihre Aufgaben im Asylbereich sowie den kantonalen und kommunalen Polizeibehörden zur Personenidentifikation;
- den für den Vollzug der Landesverweisung nach Artikel 66a oder 66a bisStGB oder Artikel 49a oder 49a bisMStG zuständigen Behörden;
- den Bundesbehörden im Bereich der inneren Sicherheit:
1. ausschliesslich zur Personenidentifikation in den Bereichen des polizeilichen Nachrichtenaustausches, der sicherheits- und gerichtspolizeilichen Ermittlungen, bei Auslieferungsverfahren, bei Rechts- und Amtshilfe, bei der stellvertretenden Strafverfolgung und Strafvollstreckung, bei der Bekämpfung der Geldwäscherei, des Drogenhandels und des organisierten Verbrechens, bei der Bekämpfung des Missbrauchs von Vorläuferstoffen für explosionsfähige Stoffe, bei der Kontrolle von Ausweisschriften, bei Nachforschungen nach vermissten Personen, bei der Kontrolle der Eingaben im automatisierten Polizeifahndungssystem nach Artikel 15 BPI sowie der Begutachtung der Asylunwürdigkeit nach Artikel 53 AsylG,
2. zur Erfüllung ihrer Aufgaben nach Artikel 99 AsylG;
d. den Beschwerdeinstanzen des Bundes für die Instruktion der Beschwerden nach dem AsylG;
e. den Grenzposten der kantonalen Polizeibehörden und dem Grenzwachtkorps zur Durchführung der Personenkontrolle und Erteilung von Ausnahmevisa;
f. der Eidgenössischen Finanzkontrolle zur Wahrung der Finanzaufsicht;
g. der zentralen Ausgleichsstelle zur Abklärung von Leistungsgesuchen sowie zur Zuteilung und Überprüfung der AHV-Nummer;
h. den kantonalen Steuerbehörden für ihre Aufgaben bei der Erhebung der Quellensteuer;
i. den Zivilstandsämtern und ihren Aufsichtsbehörden: zur Personenidentifikation im Zusammenhang mit Zivilstandsereignissen, für die Vorbereitung einer Eheschliessung oder Eintragung der Partnerschaft sowie zur Verhinderung der Umgehung des Ausländerrechts nach Artikel 97a Absatz 1 des Zivilgesetzbuches und Artikel 6 Absatz 2 des Partnerschaftsgesetzes vom 18. Juni 2004;
j. der Zeugenschutzstelle des Bundes gemäss dem Bundesgesetz vom 23. Dezember 2011 über den ausserprozessualen Zeugenschutz zur Erfüllung ihrer Aufgaben;
k. den Visumbehörden zur Überprüfung, ob eine Visumgesuchstellerin oder ein Visumgesuchsteller ein Asylverfahren durchläuft oder durchlaufen hat;
l. dem Nachrichtendienst des Bundes ausschliesslich zur Personenidentifikation für das frühzeitige Erkennen und Verhindern von Bedrohungen für die innere oder äussere Sicherheit nach Artikel 6 Absatz 1 Buchstabe a NDG sowie zur Erfüllung seiner Aufgaben bei Überprüfungen im Zusammenhang mit der Gefährdung der inneren oder äusseren Sicherheit nach Artikel 14 Buchstabe d BüG, nach dem AIG und dem AsylG.
m. der mit der Ausfertigung der Reisedokumente beauftragten Stelle;
n. den von den Kantonen bezeichneten Behörden oder Stellen, zur Entgegennahme von Gesuchen um Ausstellung von Reisedokumenten;
o. den von den Kantonen bezeichneten Behörden oder Stellen, zur Erfassung des Gesichtsbilds und der Fingerabdrücke im Zusammenhang mit der Ausstellung von Reisedokumenten.
Art. 10 Gewährung des Zugriffes
- Der Entscheid über die Gewährung des Zugriffs zum Informationssystem an die in Artikel 9 aufgeführten Behörden obliegt demSEM.…
- Die Mitarbeitenden der zugriffsberechtigten Behörden erhalten auf Antrag hin ausschliesslich auf diejenigen Daten Zugriff, die sie zur Erfüllung ihrer Aufgabe nach Artikel 9 benötigen.
Art. 11 Gewährung des Zugriffs an beauftragte Dritte
- Beauftragen dasSEModer die nach Artikel 7 Absatz 1 am Informationssystem beteiligten Behörden einen Dritten auf Grund einer gesetzlichen Ermächtigung mit der Erfüllung von Aufgaben nach dem AIG, dem AsylGoder dem BüG, so kann das nach Artikel 3 Absatz 2 oder 3 zuständige Bundesamt diesem Dritten durch ein Abrufverfahren den Zugriff auf diejenigen im Informationssystem bearbeiteten Personendaten gewähren, welche dieser zur Erfüllung seiner gesetzlichen Aufgaben benötigt.
- DasSEMkontrolliert, ob die beauftragten Dritten die anwendbaren Vorschriften über den Datenschutz und die Informatiksicherheit einhalten.
- Der Bundesrat regelt die Einzelheiten.
4. Abschnitt: Bekanntgabe von Daten
Art. 12 Rückübernahme durch Kantone
- Das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement kann die zuständigen kantonalen Behörden zum Zwecke der Rationalisierung ermächtigen, Daten von Personen, für die sie nach dem AIG, dem AsylGoder dem BüGzuständig sind, in ihre eigenen Informationssysteme zu übernehmen.
- Das Gesuch ist beimSEMeinzureichen.
Art. 13 Bekanntgabe von elektronischen Datensätzen oder Listen
- DasSEMkann die von ihm oder in seinem Auftrag im Informationssystem bearbeiteten Personendaten aus dem Ausländerbereich folgenden Behörden oder Organisationen zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben in Form von elektronischen Datensätzen oder Listen bekanntgeben:
- den Behörden nach Artikel 9 Absatz 1;
- der für die Führung der Statistik gemäss dem Bundesstatistikgesetz vom 9. Oktober 1992zuständigen Bundesbehörde;
- den beauftragten Dritten nach Artikel 11.
- DasSEMkann die von ihm oder in seinem Auftrag im Informationssystem bearbeiteten Personendaten aus dem Asylbereich folgenden Behörden oder Organisationen zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben in Form von elektronischen Datensätzen oder Listen bekanntgeben:
- den Behörden nach Artikel 9 Absatz 2;
- der für die Führung der Statistik gemäss dem Bundesstatistikgesetz vom 9. Oktober 1992 zuständigen Bundesbehörde;
- den beauftragten Dritten nach Artikel 11;
- der Schweizerischen Flüchtlingshilfe zur Koordination der den zugelassenen Hilfswerken nach dem AsylGübertragenen Aufgaben;
- den mit der Führung der Sicherheitskonti nach dem AsylG beauftragten Dritten für die Erfüllung ihrer Aufgaben;
- der Schweizerischen Ausgleichskasse und den kantonalen Ausgleichskassen für ihre Aufgaben im Bereich der Finanzierung der AHV-Mindestbeiträge für nicht erwerbstätige Asylsuchende.
Art. 14 Bekanntgabe im Einzelfall
Das SEM kann auf schriftliches und begründetes Gesuch hin im Einzelfall weiteren Behörden diejenigen Personendaten aus dem Informationssystem bekanntgeben, die diese zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben benötigen.
Art. 15 Bekanntgabe ins Ausland
Die Bekanntgabe von Personendaten ins Ausland richtet sich nach den Artikeln 16 und 17 DSG, den Artikeln 102c –102e, 109k, 109l und 111a –111d AIGsowie den Artikeln 97, 98, 102a bis, 102b und 102c AsylG.
5. Abschnitt: Vollzugsbestimmungen
Art. 16 Aufsichtspflicht der kantonalen Datenschutzbehörden
Die kantonalen Datenschutzbehörden überwachen in ihrem Zuständigkeitsbereich die Einhaltung des Datenschutzes.
Art. 17 Ausführungsbestimmungen
Der Bundesrat erlässt die Ausführungsbestimmungen. Er regelt insbesondere:
- die Kategorien der bearbeiteten Personendaten und die Zugriffsrechte (Einsichts- und Bearbeitungsrechte);
- die technischen und organisatorischen Schutzmassnahmen gegen unbefugtes Bearbeiten;
- die Aufbewahrungsdauer der Daten;
- die Anonymisierung und die Vernichtung der Personendaten nach Ablauf der Aufbewahrungsdauer.
6. Abschnitt: Schlussbestimmungen
Art. 18 Änderung bisherigen Rechts
…
Art. 18a Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 11. Dezember 2009
Bis zu ihrer Aufhebung zum Zeitpunkt der Einführung des neuen nationalen Visumsystems lauten die Artikel 4 Absatz 1 Buchstabe c und 8a wie folgt:…
Art. 19 Referendum und Inkrafttreten
- Dieses Gesetz untersteht dem fakultativen Referendum.
- Der Bundesrat bestimmt das Inkrafttreten.Datum des Inkrafttretens: 29. Mai 2006
Anhang(Art. 3 Abs. 2 Bst. c)
1. Schengen-Assoziierungsabkommen
Die Schengen-Assoziierungsabkommen umfassen:
- Abkommen vom 26. Oktober 2004zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Europäischen Union und der Europäischen Gemeinschaft über die Assoziierung dieses Staates bei der Umsetzung, Anwendung und Entwicklung des Schengen-Besitzstands (SAA);
- Abkommen vom 26. Oktober 2004in Form eines Briefwechsels zwischen dem Rat der Europäischen Union und der Schweizerischen Eidgenossenschaft über die Ausschüsse, die die Europäische Kommission bei der Ausübung ihrer Durchführungsbefugnisse unterstützen;
- Übereinkommen vom 17. Dezember 2004zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Republik Island und dem Königreich Norwegen über die Umsetzung, Anwendung und Entwicklung des Schengen-Besitzstands und über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in der Schweiz, in Island oder in Norwegen gestellten Asylantrags;
- Abkommen vom 28. April 2005zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und dem Königreich Dänemark über die Umsetzung, Anwendung und Entwicklung derjenigen Teile des Schengen-Besitzstands, die auf Bestimmungen des Titels IV des Vertrags zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft basieren;
- Protokoll vom 28. Februar 2008zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Europäischen Union, der Europäischen Gemeinschaft und dem Fürstentum Liechtenstein über den Beitritt des Fürstentums Liechtenstein zum Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Europäischen Union und der Europäischen Gemeinschaft über die Assoziierung der Schweizerischen Eidgenossenschaft bei der Umsetzung, Anwendung und Entwicklung des Schengen-Besitzstands.
2. Dublin-Assoziierungsabkommen
Die Dublin-Assoziierungsabkommen umfassen:
- Abkommen vom 26. Oktober 2004zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asylantrags (DAA);
- Übereinkommen vom 17. Dezember 2004zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Republik Island und dem Königreich Norwegen über die Umsetzung, Anwendung und Entwicklung des Schengen-Besitzstands und über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in der Schweiz, in Island oder in Norwegen gestellten Asylantrags;
- Protokoll vom 28. Februar 2008zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Europäischen Gemeinschaft und dem Fürstentum Liechtenstein zum Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asylantrags;
- Protokoll vom 28. Februar 2008zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Europäischen Gemeinschaft und dem Fürstentum Liechtenstein über den Beitritt des Fürstentums Liechtenstein zum Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asylantrags.