Rundfunk fee exemption for low-income second-device users

BVerwG 6 B 79/09Bverwg / Division 6Jan 13, 2010Dismissed

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Omnilex summary

The Federal Administrative Court dismissed the defendant's complaint against the OVG judgment that had upheld the annulment of a radio fee assessment. The Court held that the asserted issue concerning § 5 Abs. 1 S. 2 RGebStV related to non-reviewable Land law because the assessment concerned an earlier period before the provision became revisable. It also found that no sufficiently substantiated unresolved federal constitutional question under Art. 5 Abs. 1 S. 2 GG had been shown. The Court reiterated that constitutionally unobjectionable interpretations of fee rules that reduce revenue do not violate the financing guarantee of public broadcasting.

Omnilex headnote

Art. 5 Abs. 1 S. 2 GG; § 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO, § 133 Abs. 3 S. 3 VwGO: A complaint based on fundamental importance fails where the disputed application of a Staatsvertrag provision concerns irrevisable Land law because the relevant period predates the provision's revisibility. A merely divergent view of the statutory income concept does not establish an unresolved question of federal law. The financing guarantee of public broadcasting does not require courts, in cases of ambiguity, to construe fee provisions uniformly in favor of fee liability; constitutionally unobjectionable interpretations causing fee losses are permissible, and any resulting gaps are for the legislature to address (consid. 3-5).

Full text

BVerwG — 6 B 79/09, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-01-13

Aktenzeichen: 6 B 79/09

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: Art 5 Abs 1 S 2 GG, § 5 Abs 1 S 2 RdFunkGebStVtr ND

Vorinstanz: vorgehend OVG Lüneburg, 26. August 2009, Az: 4 LC 460/07, Urteil

Spruchkörper: 6. Senat

Titelzeile

Rundfunkgebührenpflicht; Finanzierungsgarantie

Gründe

1 Die allein auf die Grundsatzrüge (§ 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO) gestützte Beschwerde bleibt ohne Erfolg.

2 Der Beklagte wendet sich gegen das die Aufhebung seines Rundfunkgebührenbescheids durch das Verwaltungsgericht bestätigende Urteil des Oberverwaltungsgerichts. Mit Bescheid vom 3. Dezember 2004 setzte der Beklagte gegen die Klägerin für den Zeitraum von September 2003 bis Mai 2004 Rundfunkgebühren in Höhe von 145,35 € zzgl. Säumniszuschläge in Höhe von 5,11 € fest. Dem dagegen gerichteten Anfechtungsbegehren hat das Berufungsgericht im Ergebnis entsprochen. Eine Rundfunkgebührenpflicht im Rahmen des § 5 Abs. 1 Satz 1 RGebStV bestehe nach dessen Satz 2 nicht für Zweitgeräte, die von Personen zum Empfang bereit gehalten würden, welche mit dem Rundfunkteilnehmer in häuslicher Gemeinschaft lebten und deren Einkommen den einfachen Sozialhilferegelsatz nicht überstiegen. Dies sei bei der im väterlichen Haushalt lebenden Klägerin der Fall gewesen, denn sie habe im fraglichen Zeitraum als Auszubildende zur Hotelfachfrau ein Einkommen erzielt, welches den einfachen Sozialhilferegelsatz, der damals für Haushaltsangehörige vom Beginn des 19. Lebensjahres an bei 237 € gelegen habe, nicht überschritten habe.

3 Die Nichtzulassungsbeschwerde des Beklagten bleibt ohne Erfolg, denn die Frage der richtigen Anwendung von § 5 Abs. 1 Satz 2 RGebStV berührt im vorliegenden Rechtsstreit noch irrevisibles - d.h. im Revisionsverfahren nicht klärungsfähiges (§ 137 Abs. 1 VwGO) - Landesrecht. Die Bestimmungen dieses Staatsvertrages wurden erst durch § 10 RGebStV i.d.F. des Neunten Rundfunkänderungsstaatsvertrages mit Wirkung vom 1. März 2007 für revisibel erklärt (s. Gesetz vom 26. Januar 2007, Nds. GVBl S. 54). Die Revisibilität gilt noch nicht für das Staatsvertragsrecht, das für die hier umstrittene Rundfunkgebührenpflicht hinsichtlich eines in der Vergangenheit abgeschlossenen Zeitraums maßgeblich ist. Denn unter den in § 10 RGebStV nunmehr als revisibel bezeichneten "Bestimmungen dieses Staatsvertrags" sind die Bestimmungen des Rundfunkgebührenstaatsvertrags in der Fassung zu verstehen, die dieser durch Art. 7 des Neunten Rundfunkänderungsstaatsvertrags erhalten hat, nicht hingegen das - hier noch maßgebliche - bisherige Gebührenstaatsvertragsrecht (vgl. Beschlüsse vom 5. April 2007 - BVerwG 6 B 15.07 - Buchholz 422.2 Rundfunkrecht Nr. 42 Rn. 4 und vom 18. Juni 2008 - BVerwG 6 B 1.08 - Buchholz 422.2 Rundfunkrecht Nr. 44 = NVwZ-RR 2008, 704 Rn. 4). Die dieser Rechtsprechung widersprechenden Ausführungen des Beklagten in der Beschwerdebegründung geben dem Senat zu einer abweichenden Beurteilung keinen Anlass.

4 Eine in der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts bislang ungeklärte Rechtsfrage des Bundesrechts, etwa zur Auslegung des Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG mit Blick auf die Finanzierungsgarantie des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, wird in der Beschwerdebegründung nicht hinreichend dargelegt (§ 133 Abs. 3 Satz 3 VwGO). Dass der Beklagte ein vom Urteil des Oberverwaltungsgerichts abweichendes Verständnis des rundfunkgebührenrechtlichen Einkommensbegriffs für verfassungsrechtlich geboten hält, reicht nicht aus.

5 Abgesehen davon ist in der Senatsrechtsprechung geklärt, dass ein Verstoß gegen Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG nicht vorliegt, wenn eine rechtsstaatlich unbedenkliche Auslegung rundfunkgebührenrechtlicher Bestimmungen zu Gebührenausfällen führt. Es ist Aufgabe des Gesetzgebers, hierauf erforderlichenfalls zu reagieren. Ein verfassungsrechtlicher Grundsatz des Inhalts, dass das Rundfunkgebührenrecht von den Gerichten im Zweifel stets im Sinne des Bestehens der Gebührenpflicht auszulegen ist, besteht nicht (vgl. Urteil vom 29. April 2009 - BVerwG 6 C 28.08 - juris Rn. 23). Diese Erwägungen kommen ebenfalls zum Zuge, wenn die gerichtliche Auslegung mit einer Erhöhung des Verwaltungsaufwands auf Seiten der Rundfunkanstalten verbunden ist.

Keywords

radio feefundamental importancerevisibilitypublic broadcasting financingincome thresholdconstitutional interpretation

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Key legal question

Whether the complaint raised a fundamental question justifying leave to appeal regarding § 5 Abs. 1 S. 2 RGebStV

Extracted holding

No; the applicability of § 5 Abs. 1 S. 2 RGebStV here concerns non-reviewable Land law in revocation proceedings for a past period.

Extracted reasoning

The Staatsvertrag provision became reviewable only from 2007 onward; the disputed assessment concerned an earlier period, so the alleged issue was not capable of revision in this case.

Key legal question

Whether a new federal constitutional question under Art. 5 Abs. 1 S. 2 GG was sufficiently substantiated

Extracted holding

No; the complaint did not adequately identify an unresolved federal-law question.

Extracted reasoning

Mere disagreement with the OVG's understanding of the income concept under fee law is insufficient to establish a fundamental federal question.

Key legal question

Whether the court must interpret fee law in favor of fee liability to protect public broadcasting financing

Extracted holding

No such constitutional rule exists.

Extracted reasoning

Established case law holds that constitutionally unobjectionable interpretations causing revenue losses do not violate Art. 5 Abs. 1 S. 2 GG; the legislature must react if necessary.

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