Nachnotified FFH site; full review right and procedural preclusion

BVerwG 9 B 10/16Bverwg / Division 9Sep 15, 2016Dismissed

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Omnilex summary

The Federal Administrative Court dismissed the complaint against non-admission of revision. It held that the asserted question on the full judicial review right of an owner affected by an expropriation-like planning approval does not justify revision, because the right is rooted in property protection and not conditioned on the absence of material preclusion. The alleged lack of findings on causation and the Water Framework Directive was treated as a challenge to substantive legal assessment, not as a procedural defect. Costs were imposed on the complainant.

Omnilex headnote

§ 132 Abs. 2 Nr. 1, Nr. 3 VwGO; Vollüberprüfungsanspruch des durch enteignungsrechtliche Vorwirkung eines Planfeststellungsbeschlusses Betroffenen und Abgrenzung zur materiellen Präklusion; der Anspruch auf umfassende tatsächliche und rechtliche Kontrolle folgt aus Art. 14 GG und besteht unabhängig von Präklusionsregelungen. Eine unterlassene Subsumtion oder fehlende Erörterung der Kausalität eines Richtlinienverstoßes begründet grundsätzlich keinen Verfahrensmangel nach § 108 Abs. 1 Satz 2 VwGO, sondern betrifft die materielle Rechtsanwendung. Die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision ist daher abzuweisen, wenn lediglich die Sachentscheidung des Berufungsgerichts angegriffen wird.

Full text

BVerwG — 9 B 10/16, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-09-15

Aktenzeichen: 9 B 10/16

ECLI: ECLI:DE:BVerwG:2016:150916B9B10.16.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: Art 4 Abs 1 S 4 FFHRL, Art 4 Abs 2 FFHRL, Art 4 Abs 5 FFHRL, Art 6 Abs 2 FFHRL, Art 6 Abs 3 FFHRL, Art 6 Abs 4 FFHRL, § 32 Abs 2 BNatSchG, § 32 Abs 3 BNatSchG

Vorinstanz: vorgehend OVG Lüneburg, 14. August 2015, Az: 7 KS 150/12, Urteil

Spruchkörper: 9. Senat

Titelzeile

Nachgemeldetes FFH-Gebiet; Vollüberprüfungsanspruch und materielle Präklusion

Gründe

1 Die auf die Revisionszulassungsgründe der grundsätzlichen Bedeutung (§ 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO) und des Verfahrensmangels (§ 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO) gestützte Beschwerde hat keinen Erfolg.

2 1. Der Rechtssache kommt keine grundsätzliche Bedeutung im Sinne von § 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO zu.

3 Die Frage,

Kann ein durch die enteignungsrechtliche Vorwirkung eines Planfeststellungsbeschlusses betroffener Kläger im Lichte der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs zur Präklusion (vgl. Urteil vom 15. Oktober 2015, C-137/14) weiterhin einen Vollprüfungsanspruch geltend machen?,

verhilft der Beschwerde nicht zum Erfolg. Sie lässt sich auf der Grundlage der vorliegenden Rechtsprechung beantworten, ohne dass es der Durchführung eines Revisionsverfahrens bedürfte. Das Bundesverwaltungsgericht hat den sogenannten Vollüberprüfungsanspruch des durch einen Planfeststellungsbeschluss mit enteignungsrechtlicher Vorwirkung betroffenen Eigentümers aus der verfassungsrechtlichen Eigentumsgarantie hergeleitet. Der betroffene Bürger könne eine umfassende gerichtliche Prüfung in tatsächlicher und in rechtlicher Hinsicht verlangen (BVerwG, Urteil vom 21. März 1986 - 4 C 48.82 - BVerwGE 74, 109 <110 f.>). Weder in dieser Entscheidung noch in späteren Entscheidungen hat das Bundesverwaltungsgericht den Vollüberprüfungsanspruch des Eigentümers in einen Zusammenhang mit der materiellen Präklusion gestellt, geschweige denn hat es ihn an das Vorliegen von Präklusionsregelungen geknüpft. Entscheidend ist für das Gericht die Herleitung aus der Eigentumsgarantie und dem für die förmliche Enteignung geltenden Gemeinwohlerfordernis (vgl. BVerwG, Urteile vom 26. April 2007 - 4 C 12.05 - BVerwGE 128, 358 Rn. 29 und vom 14. November 2012 - 9 C 14.11 - BVerwGE 145, 96 Rn. 10). Insofern verfehlt die Beschwerde die für die Begründung des Vollüberprüfungsanspruchs maßgeblichen Erwägungen in der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, wenn sie der Auffassung ist, mit dem Wegfall der Präklusion durch das Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 15. Oktober 2015 - C-137/14 [ECLI:EU:C:2015:683] - ginge die Rügebefugnis eines Eigentumsbetroffenen deutlich über die Erfordernisse des Art. 14 Abs. 3 GG hinaus.

4 2. Die Revision ist auch nicht deshalb zuzulassen, weil ein Verfahrensmangel geltend gemacht wird und vorliegt, auf dem die Entscheidung beruhen kann (§ 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO).

5 Einen Verstoß gegen die Urteilsbegründungspflicht (§ 108 Abs. 1 Satz 2 VwGO) sieht die Beschwerde darin, dass das Oberverwaltungsgericht es versäumt habe, in seinem Urteil festzustellen, ob die fehlende Ermittlung und Einordnung des gegenwärtigen Gewässerzustands durch die Beklagte und der damit einhergehende Verstoß gegen Art. 4 der Richtlinie 2000/60/EG (Wasserrahmenrichtlinie) kausal für die Inanspruchnahme des klägerischen Eigentums war. Das angegriffene Urteil enthalte insoweit keinerlei Feststellungen. Diese Rüge greift nicht durch. Zwar trifft es zu, dass das Urteil - anders als in dem Parallelverfahren BVerwG 9 A 13.16 - hinsichtlich der Kausalität der Inanspruchnahme keinerlei Ausführungen enthält und auch im Übrigen nicht darlegt, warum der Verstoß gegen die Wasserrahmenrichtlinie subjektive Rechte des Klägers verletzt. Dies führt aber nicht auf einen Verfahrensfehler. Der Sache nach rügt die Beschwerde die Rechtsanwendung des Oberverwaltungsgerichts als fehlerhaft. Fehler bei der Rechtsanwendung sind aber dem sachlichen und nicht dem Verfahrensrecht zuzuordnen.

6 3. Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 2 VwGO, die Streitwertfestsetzung auf § 47 Abs. 1 und 3, § 52 Abs. 1 GKG.

Keywords

full judicial reviewmaterial preclusionproperty protectionplan approvalreason-giving dutyWater Framework Directiveenvironmental law

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Key legal question

Whether the case raises a question of fundamental importance regarding the owner’s full judicial review right despite material preclusion.

Extracted holding

No. The owner’s full review right is derived from property protection and the common-interest requirement for formal expropriation, not from the absence or presence of preclusion rules.

Extracted reasoning

The court held that its case law has never tied the full review right to procedural preclusion. The complaint misread the role of the ECJ’s preclusion judgment and overstated the effect of the abolition of preclusion on the owner’s right to challenge the measure.

Key legal question

Whether the appellate judgment suffered from a procedural defect because it did not expressly assess causation between the missing water-status assessment, the Water Framework Directive breach, and the taking of the claimant’s property.

Extracted holding

No. The challenge concerns alleged errors in substantive legal assessment, not a procedural defect.

Extracted reasoning

Although the appellate judgment did not address causation in detail, this omission, if anything, concerns the correctness of the legal reasoning. Such errors belong to substantive law, not to the procedural duty to give reasons.

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