Leave to appeal granted on restitution of a parcel

BVerwG 8 B 73/14, 8 B 73/14 (8 C 10/15)Bverwg / Division 8Aug 11, 2015Granted

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Omnilex summary

The Federal Administrative Court granted leave to appeal in a restitution dispute over a parcel in Leipzig. The claimant company challenged the dismissal of its Vermögensgesetz claim, arguing that the lower court had erred in treating § 1 Abs. 8a VermG as excluding restitution. The court found that the case raises a potentially clarifiable question of fundamental significance concerning the effect of the 1948 SBZ implementation rules on the relationship between list A and list B enterprises. The complaint succeeded on that basis, so the revision was admitted.

Omnilex headnote

§ 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO; fundamental significance of a restitution dispute concerning the scope of the 1948 SBZ implementation rules to SMAD Order No. 64: A revision may be admitted where the case raises a clarifiable abstract question whether, in the presence of one enterprise branch listed in list A and another in list B, the expropriation of the list-A branch also extends to the list-B branch, or whether further indications are required for a deliberate differentiated treatment by the Soviet authority. The admissibility threshold is met where the legal question is capable of determination in revision and is not confined to the individual facts (consid. II/3).

Full text

BVerwG — 8 B 73/14, 8 B 73/14 (8 C 10/15), Beschluss

Entscheidungsdatum: 2015-08-11

Aktenzeichen: 8 B 73/14, 8 B 73/14 (8 C 10/15)

ECLI: ECLI:DE:BVerwG:2015:110815B8B73.14.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 1 Abs 8a VermG, § 132 Abs 2 Nr 1 VwGO

Vorinstanz: vorgehend VG Dresden, 18. Juni 2014, Az: 6 K 432/12, Urteil

Spruchkörper: 8. Senat

Titelzeile

Revisionszulassung; Rückübertragung eines Flurstückes

Gründe

I

1 Die Klägerin, die 1883 unter der Firma V. AG H. im Handelsregister eingetragen wurde, begehrt die Rückübertragung des 8 552 qm großen Flurstücks ... der Gemarkung L. nach dem Vermögensgesetz. Verfügungsberechtigte ist die beigeladene Stadt L., die im Grundbuch von L. (Blatt ...) als Eigentümerin des in Rede stehenden Flurstücks eingetragen ist. Die Klägerin besaß 1945 neben Produktionsstätten in O. und B. eine unselbstständige Betriebsstätte in L., L. Straße ..., die vom Unternehmenssitz in H. aus geführt wurde. Ihre Aktien standen 1945 zu 70 % im Eigentum der britischen Firma R. Ltd. in London. Das Vermögen der Klägerin wurde durch den SMAD-Befehl Nr. 124 vom 30. Oktober 1945 beschlagnahmt. Am 29. Dezember 1949 wurde das Grundstück in L. "im Zuge der Durchführung des Volksentscheides vom 30. Juni 1946" in Sachsen als Volkseigentum auf das Grundbuchblatt ... von L. eingetragen. Rechtsträger war zunächst die Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) B., ab 1952 der VEB J.

2 Den Antrag der Klägerin vom 2. Oktober 1990, soweit er sich auf die Rückübertragung des Flurstücks ... bezieht, lehnte der Beklagte mit Bescheid vom 27. Februar 2012 ab und stellte fest, dass ein Anspruch auf Ausgleichsleistung nicht bestehe. Die Rückübertragung sei gemäß § 1 Abs. 8a VermG ausgeschlossen. Die dagegen gerichtete Klage hat das Verwaltungsgericht mit dem aufgrund der mündlichen Verhandlung vom 18. Juni 2014 ergangenen Urteil abgewiesen und die Revision nicht zugelassen. Mit ihrer Beschwerde begehrt die Klägerin die Zulassung der Revision wegen grundsätzlicher Bedeutung der Rechtssache (§ 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO) und wegen geltend gemachter Verfahrensverstöße (§ 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO).

II

3 Die Beschwerde hat Erfolg. Der Rechtssache kommt hinsichtlich der von der Klägerin aufgeworfenen Rechtsfragen

"Wenn in einem Land der früheren SBZ (hier: Sachsen) zwei Betriebe eines Unternehmens gelegen sind, von denen einer in Liste B (L.) und der andere in Liste A (B.) eingetragen war, erfasste die Enteignung des Betriebs in Liste A nach Ziff. 2 Abs. 2 der Ersten Verordnung vom 28.04.1948 zur Ausführung des SMAD-Befehls Nr. 64 (Richtlinie Nr. 1) auch den in Liste B verzeichneten Betrieb?

Insbesondere: Müssen in einem solchen Fall entsprechend den Ausführungen auf Seite 6 des erstinstanzlichen Urteils zusätzlich zu der unterschiedlichen Zuordnung der Betriebe in die Listen A und B weitere Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass eine differenzierende Behandlung der beiden Betriebe seitens der SMA gewollt war?

Oder müssen im Gegenteil im Falle einer unterschiedlichen Zuordnung durch eine SMA besondere Anhaltspunkte für einen Irrtum o.ä. der SMA vorliegen, um annehmen zu können, dass eine bewusst differenzierende Entscheidung nicht vorliegt?“

die geltend gemachte grundsätzliche Bedeutung zu (§ 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO). In dem Revisionsverfahren kann voraussichtlich die damit sinngemäß aufgeworfene Frage geklärt werden, ob mit der von der Deutschen Wirtschaftskommission erlassenen Ersten Verordnung zur Ausführung des SMAD-Befehls Nr. 64 (Richtlinien Nr. 1) vom 28. April 1948 im Interesse eines raschen Wiederaufbaus und im Einvernehmen mit der Besatzungsmacht nicht nur wie in dem vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 3. Juni 1999 - 7 C 35.98 - (Buchholz 428 § 1 Abs. 8 VermG Nr. 4) entschiedenen Fall der Einschätzung des Unternehmenseigentümers als "Kriegs-" oder "Naziverbrecher" durch ein Land der SBZ (im Wege der Erstreckung der Enteignung) der Vorrang vor der abweichenden Einschätzung eines anderen Landes gegeben wurde, sondern ob pauschal auch alle individuellen Entscheidungen zur Verschonung einzelner Zweigbetriebe solcher Personen wieder rückgängig gemacht werden sollten.

4 Die vorläufige Streitwertfestsetzung für das Revisionsverfahren beruht auf § 47 Abs. 1, § 52 Abs. 1, § 63 Abs. 1 Satz 1 GKG.

Keywords

restitutionfundamental significanceleave to appealproperty actSBZexpropriationbranch enterpriseadministrative litigation

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the appeal should be allowed for fundamental significance concerning the effect of SBZ list A and list B classifications on expropriation under the SMAD regime.

Extracted holding

The complaint had merit because the case raises a legally significant question that can be clarified in revision.

Extracted reasoning

The court saw a potentially answerable question whether the 1948 implementation rules meant that an expropriation of one branch under list A also extended to another branch listed in list B, and whether special indications are needed to assume a deliberate differentiated treatment or instead an error by the Soviet authorities.

Key legal question

Whether the lower court proceedings showed a reviewable procedural defect.

Extracted holding

The court did not base its decision on procedural defects; the complaint succeeded on fundamental significance alone.

Extracted reasoning

The order expressly relies on § 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO and only notes the alleged procedural violations as an additional ground asserted by the claimant.

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