Non-admission complaint dismissed: no fundamental significance, no publicity breach

BFH IX B 126/16Bfh / Division 9Feb 21, 2017Dismissed

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Omnilex summary

The BFH rejected the taxpayer’s complaint against non-admission of the revision. It held that the alleged fundamental question about profit-making intent in a long-term vacancy of a rented flat was already settled in BFH case law. It also found the asserted procedural defect, namely a violation of the publicity principle because the oral hearing took place by video conference, insufficiently substantiated since no prior objection to the restriction of publicity had been shown and no concrete exclusion of the public had been alleged. Costs were imposed on the taxpayer.

Omnilex headnote

§ 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO; grundsätzliche Bedeutung setzt eine klärungsbedürftige und klärungsfähige Rechtsfrage voraus; ist die Rechtsfrage durch die Rechtsprechung des BFH geklärt, fehlt es an der Revisionszulassung. § 115 Abs. 2 Nr. 3, § 119 Nr. 5 FGO; eine Rüge der Verletzung des Öffentlichkeitsgrundsatzes ist nur schlüssig, wenn dargelegt wird, dass die behauptete Beschränkung bereits in der mündlichen Verhandlung gerügt wurde oder weshalb dies nicht möglich war, und wenn konkrete Umstände zur Beeinträchtigung der Öffentlichkeit vorgetragen werden. Bei Durchführung der Verhandlung per Videokonferenz genügt eine bloße pauschale Beanstandung nicht.

Full text

BFH — IX B 126/16, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2017-02-21

Aktenzeichen: IX B 126/16

ECLI: ECLI:DE:BFH:2017:B.210217.IXB126.16.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 91a FGO, § 115 Abs 2 Nr 1 FGO, § 115 Abs 2 Nr 3 FGO, § 119 Nr 5 FGO, § 21 Abs 1 S 1 Nr 1 EStG 2009, § 21 Abs 1 S 1 Nr 1 EStG 2002, EStG VZ 2005, EStG VZ 2006, EStG VZ 2007, EStG VZ 2008, EStG VZ 2009, EStG VZ 2010, EStG VZ 2011, EStG VZ 2012, EStG VZ 2013

Vorinstanz: vorgehend Hessisches Finanzgericht, 22. September 2016, Az: 12 K 1635/15, Urteil

Spruchkörper: 9. Senat

Titelzeile

Grundsätzliche Bedeutung - Verfahrensfehler

Leitsatz

  1. NV: Die Frage, ob und wann bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung bei einem längerfristigen Leerstand einer Wohnung von einer Überschusserzielungsabsicht des Steuerpflichtigen auszugehen und wie diese darzulegen ist, ist in der Rechtsprechung des BFH geklärt .

  2. NV: Die Rüge des Revisionsgrundes der Verletzung der Öffentlichkeit ist nur dann schlüssig erhoben, wenn vorgetragen wird, dass die behaupteten Beschränkungen der Öffentlichkeit bereits in der mündlichen Verhandlung gerügt worden sind bzw. weshalb dies nicht möglich war.

Tenor

Die Beschwerde der Klägerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Hessischen Finanzgerichts vom 22. September 2016 12 K 1635/15 wird als unbegründet zurückgewiesen.

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Klägerin zu tragen.

Gründe

1 Die Beschwerde hat keinen Erfolg.

2 Der von der Klägerin und Beschwerdeführerin (Klägerin) vorgebrachte Zulassungsgrund der grundsätzlichen Bedeutung (§ 115 Abs. 2 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung --FGO--, dazu unter 1.) sowie der geltend gemachte Verfahrensfehler (§ 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO, dazu unter 2.) liegen nicht vor.

3 1. Der von der Klägerin angeführte Zulassungsgrund der grundsätzlichen Bedeutung der Rechtssache (§ 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO) ist nicht gegeben.

4 Eine Rechtssache hat grundsätzliche Bedeutung, wenn die für die Beurteilung des Streitfalls maßgebliche Rechtsfrage das Interesse der Allgemeinheit an der einheitlichen Entwicklung und Handhabung des Rechts berührt. Die Rechtsfrage muss klärungsbedürftig und in dem angestrebten Revisionsverfahren klärungsfähig sein (Gräber/Ratschow, Finanzgerichtsordnung, 8. Aufl., § 115 Rz 23, m.w.N.).

5 Daran fehlt es hier. Die Frage, ob und wann bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung bei einem längerfristigen Leerstand einer Wohnung von einer Überschusserzielungsabsicht des Steuerpflichtigen auszugehen und wie diese darzulegen ist, ist in der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) geklärt (vgl. u.a. BFH-Urteile vom 11. Dezember 2012 IX R 14/12, BFHE 239, 453, BStBl II 2013, 279; vom 13. Januar 2015 IX R 46/13, BFH/NV 2015, 668, und vom 16. Februar 2016 IX R 1/15, BFH/NV 2016, 1261).

6 2. Soweit die Klägerin einen Verfahrensfehler (§ 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO) in Gestalt eines Verstoßes gegen den Öffentlichkeitsgrundsatz (§ 119 Nr. 5 FGO) rügt, weil die mündliche Verhandlung per Videokonferenz (§ 91a FGO) durchgeführt wurde, führt dies ebenfalls nicht zur Zulassung der Revision. Die Rüge des Revisionsgrundes der Verletzung der Öffentlichkeit ist nur dann schlüssig erhoben, wenn vorgetragen wird, dass die behaupteten Beschränkungen der Öffentlichkeit bereits in der mündlichen Verhandlung gerügt worden sind bzw. weshalb dies nicht möglich war (vgl. Gräber/Ratschow, a.a.O., § 119 Rz 32, m.w.N.). Zudem sind dem Vortrag der Klägerin auch keine konkreten Umstände zu entnehmen, wonach die Öffentlichkeit an der Teilnahme an der mündlichen Verhandlung in den Räumlichkeiten des Finanzgerichts gehindert war und dort das gesamte Prozessgeschehen nicht anhand der Bild- und Tonübertragung mitverfolgen konnte (zum Grundsatz der Öffentlichkeit bei einer Videokonferenz, vgl. Gräber/Herbert, a.a.O., § 91a Rz 7).

7 3. Von einer weiter gehenden Begründung wird gemäß § 116 Abs. 5 Satz 2 FGO abgesehen. Die Kostenentscheidung beruht auf § 135 Abs. 2 FGO.

Keywords

non-admission complaintfundamental significanceprocedural defectpublic hearingvideo conferencerental incomevacancycosts

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Key legal question

Whether the case had fundamental significance because of questions on profit-making intent in long-term rental vacancy

Extracted holding

No. The legal question is already clarified in BFH case law and therefore does not justify leave to appeal.

Extracted reasoning

A matter has fundamental significance only if the relevant legal question is open, of general importance, and capable of clarification in the intended appeal. The question concerning profit-making intent in long-term vacancy is settled by BFH precedent.

Key legal question

Whether there was a procedural defect due to a violation of the public hearing principle because the oral hearing was held by video conference

Extracted holding

No. The complaint was not sufficiently substantiated.

Extracted reasoning

A publicity-violation complaint is only properly raised if the appellant states that the restriction was objected to during the hearing or explains why this was impossible; the appellant also failed to show concrete obstacles to public attendance and participation via audio-visual transmission.

Key legal question

Allocation of costs for the non-admission complaint proceedings

Extracted holding

The taxpayer must bear the costs of the complaint proceedings.

Extracted reasoning

Cost allocation follows from the unsuccessful complaint.

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