Residence permit is not a basis notice for child benefit correction

BFH V B 136/14Bfh / Division 5Jun 10, 2015Dismissed

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Omnilex summary

The Federal Fiscal Court rejected the family benefit office’s non-admission complaint. It held that a residence permit under the Residence Act is not a basis notice within the meaning of § 171(10) AO and therefore cannot justify retroactive correction of child benefit under § 175 AO. The court relied on settled case law that such immigration decisions have only factual binding effect for the child-benefit authority. As the relevant legal question was already settled, neither fundamental significance nor divergence justified admitting the revision. The family benefit office was ordered to bear the costs.

Omnilex headnote

§ 171 Abs. 10 AO, § 175 AO; a residence-title decision under the Residence Act is not a Grundlagenbescheid for child-benefit proceedings. Its effect is limited to factual binding effect (Tatbestandswirkung) vis-à-vis the family benefits authority; it does not replace the authority’s own assessment and does not permit retroactive correction of an unlawfully granted benefit. A Grundlagenbescheid exists only where the legislature expressly orders binding effect for downstream proceedings. Where the legal question is settled by case law, a complaint for admission of revision lacks fundamental significance and is dismissed; costs follow § 135 Abs. 2 FGO.

Full text

BFH — V B 136/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2015-06-10

Aktenzeichen: V B 136/14

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 171 Abs 10 AO, § 175 AO, § 16 AufenthG, § 17 AufenthG, § 62 Abs 2 Nr 2 EStG 2009, EStG VZ 2010, § 182 Abs 1 AO

Vorinstanz: vorgehend Hessisches Finanzgericht, 25. September 2014, Az: 12 K 920/11, Urteil

Spruchkörper: 5. Senat

Titelzeile

Ausländerrechtlicher Aufenthaltstitel kein Grundlagenbescheid für Kindergeldfestsetzung

Leitsatz

NV: Die Änderung eines von der Ausländerbehörde erteilten Aufenthaltstitels stellt keinen Grundlagenbescheid dar, der eine rückwirkende Korrektur von Anfang an unzutreffend festgesetzten Kindergeldes nach den §§ 175, 171 Abs. 10 AO rechtfertigen würde .

Tenor

Die Beschwerde der Beklagten wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Hessischen Finanzgerichts vom 25. September 2014 12 K 920/11 wird als unbegründet zurückgewiesen.

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Beklagte zu tragen.

Tatbestand

1 I. Streitig ist im Rahmen einer Nichtzulassungsbeschwerde die Berechtigung der Familienkasse, zu Unrecht ausgezahltes Kindergeld nach § 175 der Abgabenordnung (AO) rückwirkend zurückzufordern. Der Kläger und Beschwerdegegner (Kläger) ist Ausländer, der zum Zwecke der Fortbildung zum Facharzt im Inland zunächst eine Aufenthaltsgenehmigung nach § 16 des Aufenthaltsgesetzes (AufenthG) für ein Studium und später nach § 17 AufenthG für die Fortbildung erhalten hatte. Auf Antrag des Klägers bewilligte der Beklagte und Beschwerdeführer (die Familienkasse --FamK--) entgegen § 62 Abs. 2 Nr. 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) Kindergeld. Nachdem nach Zuständigkeitswechsel die neu zuständig gewordene FamK den Fehler bemerkt hatte, forderte sie das Kindergeld unter Berufung auf § 175 AO zurück. Die hiergegen eingelegte Klage vor dem Finanzgericht (FG) hatte Erfolg. Zur Begründung führte das FG aus, dass § 175 AO nicht einschlägig sei, weil es sich bei der ausländerrechtlichen Aufenthaltsberechtigung nicht um einen nach § 175 AO zu berücksichtigenden Grundlagenbescheid handele und im Übrigen die Änderung von § 16 zu § 17 AufenthG nach § 62 Abs. 2 Nr. 2 EStG ohne kindergeldrechtliche Auswirkung sei. Hiergegen wendet sich die FamK mit der auf grundsätzliche Bedeutung sowie Divergenz gestützten Nichtzulassungsbeschwerde.

Entscheidungsgründe

2 II. Die Beschwerde ist unbegründet.

3 1. Die von der FamK bezeichnete Rechtsfrage, ob es sich bei einem Aufenthaltstitel nach dem AufenthG um einen Grundlagenbescheid i.S. des § 171 Abs. 10 AO handelt, ist nicht von grundsätzlicher Bedeutung.

4 a) Es ist jedoch in der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) bereits geklärt, dass es bei einem ausländerrechtlichen Aufenthaltstitel bei Angabe der Art der Aufenthaltsberechtigung nicht um einen den Vertrauensschutz verdrängenden Grundlagenbescheid i.S. des § 171 Abs. 10 AO handelt. Die ausländerrechtliche Festsetzung erzeugt lediglich Tatbestandswirkung und hindert eine eigenständige Überprüfung des ausländerrechtlichen Status durch die Kindergeldstelle (BFH-Beschluss vom 20. Februar 1998 VI B 205/97, BFH/NV 1998, 963; BFH-Urteil vom 25. Juli 2007 III R 55/02, BFHE 218, 356, BStBl II 2008, 758 unter Bezug auf das Urteil des Bundessozialgerichts vom 2. Oktober 1997 14 REg 1/97, SozR 3-1200 § 14 Nr. 24). Denn es ist nicht Zweck eines ausländerrechtlichen Statusbescheides, der Auswertung in einem kindergeldrechtlichen Folgebescheid zu dienen. Grundlagenbescheide, die bezwecken, in verfahrensrechtlich gestufter und abschichtender Weise die notwendigen Entscheidungen verbindlich vorzugeben, um auf dieser Grundlage die Folgebescheide erlassen zu können ohne Rücksicht auf einen Vertrauensschutz, liegen nur vor, wenn die Bindungs-wirkung durch das Gesetz selbst ausdrücklich angeordnet wird (Beschluss des Großen Senates des BFH vom 11. April 2005 GrS 2/02, BFHE 209, 399, BStBl II 2005, 679, Rz 37).

5 b) Im Übrigen hat der BFH auch für den Fall, in dem Kindergeld in der irrigen Annahme eines unzureichenden Aufenthaltstitels versagt worden ist, lediglich eine Anpassung an die materielle Richtigkeit für die Zukunft für möglich gehalten (BFH-Beschluss vom 30. Oktober 2009 III B 175/08, BFH/NV 2010, 600). In dem vorliegenden umgekehrten Fall, in dem die Familienkasse irrtümlich von einem ausreichenden Aufenthaltstitel ausgegangen ist und Kindergeld zu Unrecht gewährt wurde, kann nichts anderes gelten.

6 2. Da sonst geklärt ist, dass es sich bei dem Aufenthaltstitel nach dem AufenthG nicht um einen Grundlagenbescheid handelt, der zu einer Korrektur nach § 175 AO berechtigt, kommt es auf die weitere Frage, ob das FG bei den Rechtsfolgen des --hier nicht vorliegenden-- Grundlagenbescheides von der Rechtsprechung des BFH abgewichen ist (vgl. hierzu BFH-Urteil vom 29. Juni 2005 X R 31/04, BFH/NV 2005, 1749), nicht an.

7 3. Die Kostenentscheidung beruht auf § 135 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung.

Keywords

child benefitbasis noticeresidence permitretroactive correctiontax procedurebinding effectcosts

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether a residence permit under the Residence Act is a basis notice under § 171(10) AO allowing retroactive correction of child benefit under §§ 175, 171(10) AO.

Extracted holding

A residence permit issued by the immigration authority is not a basis notice within the meaning of § 171(10) AO and does not permit retroactive correction of child benefit already wrongly granted.

Extracted reasoning

The residence-status determination has only binding factual effect for the child-benefit authority; it is not intended to serve as a basis notice for downstream tax proceedings. A basis notice exists only where the law expressly attaches binding effect to the prior decision.

Key legal question

Whether the complaint raised a matter of fundamental significance or divergence warranting admission of the revision.

Extracted holding

No admissible reason for admission was shown because the legal question was already settled in case law.

Extracted reasoning

BFH case law already clarifies that an immigration residence-title decision is not a basis notice; therefore the asserted questions do not justify admission of the revision.

Key legal question

Who bears the costs of the non-admission complaint proceedings.

Extracted holding

The appellant family benefit office must bear the costs.

Extracted reasoning

The cost decision follows from the procedural defeat of the complaint.

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