No decision beyond the latest claim in oral hearing

BFH IX B 16/13Bfh / Division 9Apr 9, 2013Dismissed

Summary

The BFH dismissed the complaint against the Fiscal Court of Cologne. The court held that an auxiliary request raised during the proceedings was not preserved in the oral hearing, where the only decisive request was the quantified claim actually made. Since no objections were raised to the hearing record, the FG was bound by that final request and did not exceed the claim. The alleged violation of the duty to consider the file was also unfounded, as it only attacked the court’s evaluation of the evidence and record.

Regest

§ 96 Abs. 1 S. 2 FGO; § 92 Abs. 3 FGO; where a claimant, after having raised an auxiliary request during the proceedings, does not maintain it in the oral hearing, only the request actually made in the hearing is decisive. The court may not go beyond the claim as last delimited in the oral hearing. If no objections are raised to the record, its contents are authoritative under § 94 FGO in conjunction with § 164 ZPO. A mere disagreement with the court’s assessment of the file does not establish a violation of § 96 Abs. 1 S. 1 FGO.

Full text

BFH — IX B 16/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-04-09

Aktenzeichen: IX B 16/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 92 Abs 3 FGO, § 94 FGO, § 96 Abs 1 S 1 FGO, § 96 Abs 1 S 2 FGO, § 164 ZPO

Vorinstanz: vorgehend FG Köln, 28. November 2012, Az: 10 K 3432/10, Urteil

Spruchkörper: 9. Senat

Titelzeile

Kein Überschreiten des Klageantrags

Leitsatz

  1. NV: Hat der Kläger einen im Verlauf des finanzgerichtlichen Verfahrens hilfsweise gestellten Antrag in der mündlichen Verhandlung nicht aufrechterhalten, ist allein der in der mündlichen Verhandlung gestellte Antrag maßgebend .

  2. NV: Das FG darf über das zuletzt in der mündlichen Verhandlung eingegrenzte Klagebegehren nicht hinausgehen .

Gründe

1 Die Beschwerde hat keinen Erfolg. Die vom Kläger und Beschwerdeführer (Kläger) gerügten Verfahrensverstöße liegen nicht vor.

2 Das Finanzgericht (FG) hat § 96 Abs. 1 Satz 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) nicht verletzt. Das Gericht darf über das Klagebegehren nicht hinausgehen. Zwar hatte der Kläger im Verlauf des finanzgerichtlichen Verfahrens "höchst hilfsweise" einen weiteren Antrag --zur Berücksichtigung von geleisteten Vorsteuerbeträgen als Werbungskosten-- gestellt, in der mündlichen Verhandlung hat er jedoch --ausweislich der Niederschrift-- ausdrücklich einen bezifferten Klageantrag gestellt und seinen "Hilfsantrag" mithin nicht aufrechterhalten. Einwände gegen die Richtigkeit der Niederschrift wurden nicht erhoben (§ 94 FGO i.V.m. § 164 der Zivilprozessordnung). Maßgebend ist damit allein der Antrag des Klägers in der mündlichen Verhandlung (vgl. § 92 Abs. 3 FGO; s. auch Urteil des Bundesfinanzhofs vom 14. Juni 1994 IX R 36/89, BFH/NV 1995, 218; Lange in Hübschmann/Hepp/Spitaler --HHSp--, § 96 FGO Rz 182). Das FG durfte insoweit über das zuletzt in der mündlichen Verhandlung eingegrenzte Klagebegehren nicht hinausgehen (§ 96 Abs. 1 Satz 2 FGO; s. Schallmoser in HHSp, § 92 FGO Rz 59).

3 Der sinngemäß gerügte Verstoß gegen § 96 Abs. 1 Satz 1 FGO liegt nicht bereits deshalb vor, weil das FG den ihm vorliegenden Akteninhalt nicht entsprechend den klägerischen Vorstellungen gewürdigt hat.

Keywords

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