No divergence from mere misapplication; suspension of limitation upon application

BFH IX B 129/11Bfh / Division 9Jun 26, 2012Dismissed

Summary

The BFH rejected the taxpayer’s complaint against non-admission. It held that no divergence was shown because a mere incorrect application of established case-law or other subsumption errors do not amount to a divergence. It further held that the legal issue raised about causality under § 171(4) AO was not decisive, because causality must be assessed as of the date the application is received; the taxpayer’s timely objection against the refusal of interim relief also showed continued pursuit of the suspension request, so limitation had not expired.

Regest

§ 115 Abs. 2 Nr. 2 FGO; divergence and development of law in non-admission complaints; a merely incorrect application of established legal principles to the specific facts, or other subsumption errors, does not constitute a divergence within the meaning of the law. For § 171 Abs. 4 Satz 1 AO, the causality of an application depends on the date of receipt of the application; subsequent developments do not negate the suspension effect if the applicant’s continued interest is otherwise evident (consid. 2).

Full text

BFH — IX B 129/11, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2012-06-26

Aktenzeichen: IX B 129/11

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 171 Abs 4 S 1 AO, § 193 Abs 2 Nr 2 AO, § 115 Abs 2 Nr 2 FGO, § 116 Abs 3 S 3 FGO

Vorinstanz: vorgehend Finanzgericht Baden-Württemberg, 21. Juni 2011, Az: 4 K 576/10, Urteil

Spruchkörper: 9. Senat

Titelzeile

NZB: fehlerhafte Rechtsanwendung keine Divergenz; Ablaufhemmung bei Aussetzungsantrag

Leitsatz

  1. NV: Eine (vermeintlich) fehlerhafte Umsetzung von Rechtsprechungsgrundsätzen auf die Besonderheiten des Einzelfalles und bloße Subsumtionsfehler des FG reichen zur Annahme einer Divergenz nicht aus.

  2. NV: Hinsichtlich der erforderlichen Kausalität eines Antrags nach § 171 Abs. 4 Satz 1 AO ist auf den Tag des Antragseingangs abzustellen.

Gründe

1 Die Beschwerde hat keinen Erfolg. Zum Teil (s. 1.) entspricht ihre Begründung nicht den Darlegungsanforderungen nach § 116 Abs. 3 Satz 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO); im Übrigen ist der geltend gemachte Zulassungsgrund nicht gegeben (s. 2.).

2 1. Die Erforderlichkeit einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung (§ 115 Abs. 2 Nr. 2 2. Alt. FGO) wurde schon mangels Gegenüberstellung tragender Erwägungen der angefochtenen Entscheidung und (vermeintlicher) Divergenzentscheidungen nicht hinreichend i.S. von § 116 Abs. 3 Satz 3 FGO dargelegt (vgl. etwa BFH-Beschlüsse vom 11. Dezember 2002 IX B 124/02, BFH/NV 2003, 495; vom 28. März 2011 III B 144/09, BFH/NV 2011, 1144). Insbesondere reichen weder die (vermeintlich) fehlerhafte Umsetzung von Rechtsprechungsgrundsätzen auf die Besonderheiten des Einzelfalles noch bloße Subsumtionsfehler des Finanzgerichts (FG) aus (vgl. BFH-Beschlüsse vom 16. April 2002 X B 140/01, BFH/NV 2002, 1046; vom 3. Februar 2012 IX B 126/11, BFH/NV 2012, 741). Eine Abweichung im Grundsätzlichen ist vorliegend auch nicht erkennbar, zumal das FG --wie auch die Klägerin und Beschwerdeführerin (Klägerin) selbst einräumt-- seiner Entscheidung die einschlägige Rechtsprechung zugrunde gelegt und lediglich deren "Grundsätze nicht zutreffend auf den vorliegenden Fall angewendet" hat.

3 2. Die Erforderlichkeit einer Entscheidung des BFH zur Fort-bildung des Rechts (§ 115 Abs. 2 Nr. 2 1. Alt. FGO) ist nicht gegeben. Die aufgeworfene Frage, ob durch die Ablehnung des von der Klägerin gestellten Antrages gleichermaßen wie bei einem erfolgreichen Antrag auf Aussetzung der Vollziehung (AdV) der Prüfungsanordnung die Kausalität der Antragstellung unterbrochen wurde, ist nicht entscheidungserheblich. Denn hinsichtlich der erforderlichen Kausalität eines Antrags nach § 171 Abs. 4 Satz 1 der Abgabenordnung (AO) ist auf den Tag des Antragseingangs abzustellen (BFH-Urteile vom 17. März 2010 IV R 54/07, BFHE 229, 20, BStBl II 2011, 7; vom 1. Februar 2012 I R 18/11, BFH/NV 2012, 825). Im Übrigen hat die Klägerin innerhalb der Rechtsbehelfsfrist und unmittelbar vor dem neu angesetzten Prüfungstermin Einspruch gegen die Ablehnung der AdV eingelegt und damit ihr weiter bestehendes Interesse an der beantragten Aussetzung der Prüfungsanordnung bekundet. Daher konnte das FG zu dem Ergebnis gelangen, dass gemäß § 171 Abs. 4 Satz 1 AO keine Festsetzungsverjährung eingetreten ist.

Keywords

divergencenon-admission complaintsubsumsion errorsuspension of limitationtax auditinterim relief