Withdrawal of appeal after pronouncement was effective

BPatG 35 W (pat) 454/08Federal Patent Court / Division 35Jun 2, 2010Granted

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Omnilex summary

In a utility model cancellation appeal, the Bundespatentgericht held that the respondent’s withdrawal of its appeal, filed after the oral pronouncement of the appeal decision but before formal finality, was effective. The previously pronounced dismissal therefore became moot. The court ordered the respondent to bear the costs of the appeal proceedings and admitted a legal complaint because the timing of an appeal withdrawal after pronouncement was considered a question of fundamental importance.

Omnilex headnote

§ 18 GebrMG, § 73 PatG; withdrawal of appeal after pronouncement of the appeal decision: In utility model cancellation appeal proceedings, an appeal may still be withdrawn after the decision has been pronounced, provided formal finality has not yet occurred. The pronouncement does not in itself preclude withdrawal; decisive is the absence of res judicata. The appeal withdrawal renders the pronounced decision devoid of effect. By analogy to § 269 ZPO, the withdrawing party bears the costs caused by the appeal. The question is of fundamental significance and may justify admission of the legal complaint (consid. 6 ff., 11 f.).

Full text

BPatG — 35 W (pat) 454/08, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-06-02

Aktenzeichen: 35 W (pat) 454/08

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 18 GebrMG, § 73 PatG, § 269 ZPO

Spruchkörper: 35. Senat

Titelzeile

Gebrauchsmusterbeschwerdeverfahren – Löschungsverfahren - "Beschwerderücknahme nach Verkündung" – zur Möglichkeit der Rücknahme der Beschwerde nach Verkündung der Beschwerdeentscheidung bis zum Eintritt der formellen Rechtskraft

Leitsatz

Beschwerderücknahme nach Verkündung

Die Rücknahme der Beschwerde ist im Gebrauchsmusterlöschungs-Beschwerdeverfahren nach Verkündung der Beschwerdeentscheidung bis zum Eintritt der formellen Rechtskraft möglich. (im Anschluss an Busse, PatG 6. Aufl. § 79 Rdn. 58; Bühring, GebrMG, 7. Aufl., § 18 Rdn. 67; Benkard GebrMG 10. Aufl. § 18 Rdn. 4c; entgegen Benkard, a. a. O., § 73 Rdn. 58, Ströbele/Hacker, MarkenG, § 66 Rdn. 11).

Tenor

In der Beschwerdesache

betreffend das Gebrauchsmuster 20 2004 020 574

hier: Entscheidung über Wirksamkeit der Beschwerderücknahme

hat der 35. Senat (Gebrauchsmuster-Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts am 2. Juni 2010 unter Mitwirkung des Vorsitzenden Richters Müllner sowie der Richter Dipl.-Ing. Sandkämper und Dr.-Ing. Baumgart

beschlossen:

  1. Es wird festgestellt, dass der in der mündlichen Verhandlung vom 6. Mai 2010 verkündete Beschluss durch die Rücknahme der Beschwerde der Antragsgegnerin gegenstandslos geworden ist.

  2. Die Antragsgegnerin trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens.

  3. Die Rechtsbeschwerde wird zur Frage der Wirksamkeit der Beschwerderücknahme nach Entscheidungsverkündung zugelassen.

Gründe

I.

1 Die Antragsgegnerin war Inhaberin des deutschen Gebrauchsmusters 20 2004 020 574 mit der Bezeichnung "Brenngutkühler" mit dem Anmeldetag 5. April 2004.

2 Auf den Löschungsantrag vom 17. November 2005 der Antragstellerin hat die Gebrauchsmusterabteilung I das Gebrauchsmuster durch Beschluss vom 3. Juni 2008 gelöscht und die Kosten der Antragsgegnerin auferlegt.

3 Hiergegen hat die Antragsgegnerin Beschwerde erhoben.

4 Anschließend an die mündliche Verhandlung vor dem Bundespatentgericht am 6. Mai 2010 hat der Senat den Beschluss verkündet, dass die Beschwerde der Antragsgegnerin kostenpflichtig zurückgewiesen wird.

5 Mit Schriftsatz vom 25. Mai 2010 hat die Antragsgegnerin ihre Beschwerde zurückgenommen.

II.

6 Die Rücknahme der Beschwerde durch die Antragsgegnerin mit Schriftsatz vom 25. Mai 2010 ist wirksam.

7 Nach bisher wohl herrschender Meinung ist die Rücknahme der Beschwerde nur möglich solange die Beschwerdeentscheidung noch nicht ergangen ist (BGH GRUR 1969, 562 Appreturmittel; BGH GRUR 1988, 364 Epoxidation, Benkard, PatG, 10. Aufl. § 73 Rn. 58; Ströbele/Hacker, § 66 MarkenG Rn. 114).

8 Der Senat kommt aber auf Grund der in der Argumentation überzeugenden Darlegung bei Busse, PatG 6. Aufl., § 79, Rn. 8 zu der Auffassung, dass eine Rücknahme der Beschwerde bis zum Eintritt der Rechtskraft der Beschwerdeentscheidung im Gebrauchsmuster-Löschungsverfahren möglich ist (vgl. auch Bühring, GebrMG, 7. Aufl. § 18 Rn. 67 mit ausdrücklichem Hinweis auf Busse a. a. O. sowie auf BGH GRUR 2000, 688 - Graustufenbild; Benkard, GebrMG, § 18 Rdn. 4c).

9 Wie Busse (a. a. O.) ausführt, wäre die Antragsgegnerin anderenfalls auch im vorliegenden Fall gezwungen, ein unzulässiges oder zumindest wenig aussichtsreiches Beschwerdeverfahren einzuleiten, nur um sich die Möglichkeit einer Beschwerderücknahme zu eröffnen.

10 Die herrschende Meinung berücksichtigt nach der Rechtsauffassung des Senats auch nicht die Tatsache, dass Entscheidungen des Deutschen Patent- und Markenamtes ungeachtet ihrer formalen Ausgestaltung als "Beschluss" als rechtsgestaltende Verwaltungsakte einzustufen sind (vgl. BVerwGE 8, 350 = GRUR 1959, 435). Ungeachtet gewisser, im Wesentlichen historisch zu erklärender und gelegentlich überbewerteter justizförmiger Besonderheiten des Verfahrens, ist die Tätigkeit der Mitglieder des DPMA keine richterliche Tätigkeit (vgl. Busse, a. a. O. vor § 34 Rn. 84, 85). Damit entspricht aber auch die Beschwerde als Rechtsbehelf gegen die Entscheidung einer Verwaltungsbehörde ihrem Wesen nach einer anfechtenden Klage vor einem für öffentlich-rechtliche Streitigkeiten zuständigen Gericht. Diese Klagen können in allen Fällen bis zur Rechtskraft des Urteils zurückgenommen werden (vgl. § 92 VwGO; § 102 SGG; § 72 FGO).

11 Die Zurücknahme der Beschwerde hat die Verpflichtung zur Folge, die durch die Beschwerde entstandenen Kosten zu tragen (entspr. ZPO § 269 Abs. 2). Diese Wirkung war gemäß ZPO § 269 Abs. 4 durch Beschluss auszusprechen.

12 Die Rechtsbeschwerde war zuzulassen, da es sich bei der Frage der Wirksamkeit einer Beschwerderücknahme nach Entscheidungsverkündung im Gebrauchsmuster-Löschungsverfahren um eine Rechtsfrage grundsätzlicher Bedeutung handelt.

Keywords

utility modelappeal withdrawalformal finalitycostsadministrative decisionpronouncementres judicatalegal complaintfundamental importance

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether an appeal in a utility model cancellation case can be withdrawn after pronouncement of the appeal decision but before formal finality.

Extracted holding

Yes. The withdrawal remained effective until the decision became formally final, so the pronounced appeal dismissal became moot.

Extracted reasoning

The court departed from the previously prevailing view and held that, by analogy to withdrawal of actions against administrative decisions, an appeal against a DPMA cancellation decision may be withdrawn until the appeal judgment is formally final. The pronouncement itself does not bar withdrawal.

Key legal question

Who bears the costs after the effective withdrawal of the appeal?

Extracted holding

The respondent must bear the costs caused by the appeal.

Extracted reasoning

Withdrawal of the appeal triggers the cost consequence by analogy to Section 269(2) ZPO, and this had to be expressly ordered.

Key legal question

Whether legal complaint should be admitted on the question of post-pronouncement withdrawal.

Extracted holding

Yes, because the question has fundamental importance.

Extracted reasoning

The court considered the effectiveness of an appeal withdrawal after pronouncement in utility model cancellation proceedings to be a question of fundamental legal significance.

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