Late constitutional complaint inadmissible; legal error usually no excuse

BVerfG 1 BvR 539/13Bverfg / 1. Senat 1. KammerMar 25, 2013Dismissed

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Omnilex summary

The Federal Constitutional Court did not accept the constitutional complaint against a Federal Administrative Court order. The complaint was filed after the one-month period, which began upon notification of the challenged decision to the complainants' former counsel on 2012-12-06 and expired on 2013-01-07; the filing reached the Court only on 2013-01-13. Reinstatement under § 93(2) BVerfGG was refused because the complainants' legal mistake about the start of the deadline did not excuse the omission.

Omnilex headnote

§ 93 Abs. 1 S. 1, S. 2 BVerfGG; § 93 Abs. 2 S. 1 BVerfGG: Fristbeginn der Verfassungsbeschwerde bei Zustellung oder formloser Mitteilung der angegriffenen Entscheidung an den früheren Prozessbevollmächtigten; die Monatsfrist endet mit Ablauf desjenigen Tages des Folgemonats, der dem Bekanntgabetag entspricht, verschiebt sich jedoch bei Sonn- oder Feiertag auf den nächsten Werktag. Wiedereinsetzung setzt voraus, dass der Beschwerdeführer ohne Verschulden an der Fristwahrung gehindert war. Ein Rechtsirrtum über den Fristbeginn entschuldigt regelmäßig nicht; nur ausnahmsweise entfällt das Verschulden, wenn trotz zumutbarer Sorgfalt keine zeitnahe Klärung möglich war (vgl. consid. 2–5).

Full text

BVerfG — 1 BvR 539/13, Nichtannahmebeschluss

Entscheidungsdatum: 2013-03-25

Aktenzeichen: 1 BvR 539/13

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2013:rk20130325.1bvr053913

Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss

Normen: § 93 Abs 1 S 1 BVerfGG, § 93 Abs 1 S 2 BVerfGG, § 93 Abs 2 S 1 BVerfGG

Vorinstanz: vorgehend BVerwG, 19. November 2012, Az: 4 BN 15/12, Beschluss

Spruchkörper: 1. Senat 1. Kammer

Titelzeile

Nichtannahmebeschluss: Wegen Nichteinhaltung der Frist des § 93 Abs 1 S 1 BVerfGG unzulässige Verfassungsbeschwerde – Rechtsirrtum als Grund für Fristversäumung bei der Beurteilung eines Antrags auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand regelmäßig unbeachtlich

Gründe

1 Die Verfassungsbeschwerde ist nicht zur Entscheidung anzunehmen, weil die Voraussetzungen nach § 93a Abs. 2 BVerfGG hierfür (vgl. dazu BVerfGE 90, 22 <24 ff.>) nicht vorliegen.

2 1. Die Verfassungsbeschwerde ist unzulässig, weil die Beschwerdeführer die Frist des § 93 Abs. 1 Satz 1 BVerfGG zur Erhebung der Verfassungsbeschwerde nicht eingehalten haben. Für den Fristbeginn ist gemäß § 93 Abs. 1 Satz 2 BVerfGG auf die Zustellung oder formlose Mitteilung der Entscheidung und damit im vorliegenden Fall auf die Bekanntgabe des mit der Verfassungsbeschwerde angegriffenen Beschlusses des Bundesverwaltungsgerichts am 6. Dezember 2012 an die damaligen Prozessbevollmächtigten der Beschwerdeführer abzustellen (vgl. nur BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 9. April 2008 - 2 BvR 454/08 -, juris Rn. 2). Die Frist endete infolgedessen, da der 6. Januar 2013 ein Sonntag war, mit Ablauf des 7. Januar 2013. Die Verfassungsbeschwerde ging beim Bundesverfassungsgericht erstmals per Fax am 13. Januar 2013 ein.

3 2. Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gemäß § 93 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG ist den Beschwerdeführern nicht zu gewähren. Denn sie waren nicht ohne Verschulden verhindert, die Frist des § 93 Abs. 1 Satz 1 BVerfGG einzuhalten.

4 Zur Begründung ihres Wiedereinsetzungsantrages tragen die Beschwerdeführer vor, sie hätten nicht gewusst, dass der Zugang der Entscheidung bei ihren damaligen Prozessbevollmächtigten ausschlaggebend für die Monatsfrist sei; sie verweisen insoweit auch auf § 93 Abs. 1 Satz 4 BVerfGG.

5 Ein Rechtsirrtum, wie ihn die Beschwerdeführer damit geltend machen, rechtfertigt nur in Ausnahmefällen die Annahme fehlenden Verschuldens (vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 27. September 2002 - 2 BvR 855/02 -, juris Rn. 6). Ein solcher liegt hier nicht vor. Von einem sorgfältigen Beschwerdeführer wäre zu erwarten gewesen, dass er den Zeitpunkt der Bekanntgabe an seinen (ehemaligen) Prozessbevollmächtigten jedenfalls auch als maßgeblichen Zeitpunkt für den Fristbeginn in Betracht gezogen und dann Rechtsrat, insbesondere eines Rechtsanwaltes eingeholt hätte. Es ist weder vorgetragen worden noch wäre es glaubhaft, dass die Beschwerdeführer nicht kurzfristig eine Klärung hinsichtlich des zutreffenden Fristbeginns hätten erreichen können.

6 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Keywords

constitutional complaintdeadlinereinstatementlegal mistakeinadmissibilitynotificationcounsel

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Key legal question

Whether the constitutional complaint was filed within the one-month time limit under § 93(1) BVerfGG

Extracted holding

No. The decisive date was the notification to the complainants' former counsel on 2012-12-06; the deadline expired on 2013-01-07, while the complaint was first received on 2013-01-13.

Extracted reasoning

Under § 93(1) sentence 2 BVerfGG, the period starts upon service or informal notification of the challenged decision. Because 6 January 2013 fell on a Sunday, the deadline moved to 7 January 2013.

Key legal question

Whether reinstatement in the previous position should be granted under § 93(2) BVerfGG

Extracted holding

No. The complainants were not without fault in missing the deadline.

Extracted reasoning

A legal mistake about the relevant start of the time limit justifies absence of fault only in exceptional cases. Here, a careful complainant would at least have considered notification to former counsel as the relevant starting point and obtained legal advice; no prompt clarification obstacle was shown.

Key legal question

Whether the constitutional complaint should be admitted for decision under § 93a(2) BVerfGG

Extracted holding

No. The complaint did not satisfy the requirements for acceptance for decision.

Extracted reasoning

Because the complaint was untimely and reinstatement was refused, the conditions for acceptance were not met.

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