Election complaint inadmissible; abuse fee imposed

BVerfG 2 BvC 9/11Bverfg / Division 2Oct 4, 2011Inadmissible

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Omnilex summary

The complainant challenged the validity of the 17th Bundestag election and also criticized how the Bundestag handled her objection. The Federal Constitutional Court denied legal aid and the requested assistant, then held the election complaint inadmissible because no accession declarations from 100 eligible voters were attached, the complaint impermissibly targeted committee handling rather than election validity, and the grounds were insufficiently substantiated. Because the filing was obviously inadmissible, the Court imposed an abuse fee of EUR 1,000.

Omnilex headnote

Art. 41 Abs. 1 GG, § 48 Abs. 1 BVerfGG; election review complaint is admissible only as a challenge to the validity of the Bundestag election and requires accession declarations of one hundred eligible voters. The complaint must substantiate an election defect in compliance with § 23 Abs. 1 sentence 2 and § 48 Abs. 1 half-sentence 2 BVerfGG; mere conjecture or references to unrelated proceedings do not suffice. Where a complaint is filed in manifest disregard of these admissibility requirements, the Federal Constitutional Court may impose an abuse fee under § 34 Abs. 2 BVerfGG (consid. 8-13).

Full text

BVerfG — 2 BvC 9/11, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2011-10-04

Aktenzeichen: 2 BvC 9/11

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: Art 38 Abs 1 S 1 GG, Art 41 Abs 1 GG, § 22 Abs 1 S 4 BVerfGG, § 23 Abs 1 S 2 BVerfGG, § 34 Abs 2 BVerfGG, § 48 Abs 1 Halbs 2 BVerfGG

Spruchkörper: 2. Senat

Titelzeile

Verwerfung einer Wahlprüfungsbeschwerde: Unstatthaftigkeit, unzureichende Substantiierung sowie mangelnder Beitritt von hundert Wahlberechtigten gem § 48 Abs 1 BVerfGG - Ablehnung von PKH mangels Erfolgsaussichten, Ablehnung der Zulassung eines Beistandes - Auferlegung einer Missbrauchsgebühr iHv 1000 Euro

Tenor

Der Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe wird abgelehnt, weil die beabsichtigte Rechtsverfolgung ohne Aussicht auf Erfolg ist.

Der Antrag auf Zulassung eines Beistandes wird zurückgewiesen.

Die Wahlprüfungsbeschwerde wird verworfen.

Der Beschwerdeführerin wird eine Missbrauchsgebühr in Höhe von 1.000 € (in Worten: eintausend Euro) auferlegt.

Gründe

I.

1 Die Beschwerde betrifft die Gültigkeit der Wahl zum 17. Deutschen Bundestag am 27. September 2009.

2 Mit Schreiben vom 8. Oktober 2009 legte die Beschwerdeführerin Einspruch gegen die Wahl zum 17. Deutschen Bundestag ein. Zur Begründung nahm sie Bezug auf das Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht mit dem Aktenzeichen 1 BvR 1472/09.

3 Mit am 13. Januar 2010 beim Bundesverfassungsgericht eingegangenem Schreiben rügt die Beschwerdeführerin die Untätigkeit des Deutschen Bundestages hinsichtlich ihres Wahleinspruchs. Sie beantragt, die angefochtene Bundestagswahl für nichtig zu erklären und eine Wiederholung der Wahl anzuordnen. Außerdem erstrebt sie die Feststellung, dass der Wahlprüfungsausschuss des Deutschen Bundestages in verfassungsrechtlich erheblicher Weise verfahrensfehlerhaft gehandelt habe, indem er über die Wahlprüfungsbeschwerde nicht in angemessener Zeit entschieden habe. Die Beschwerdeführerin beruft sich auf ihre Rechte aus Art. 3 Abs. 1, Art. 103 Abs. 1 GG.

4 Mit Beschluss vom 10. Februar 2011 wies der Deutsche Bundestag den Wahleinspruch als unsubstantiiert zurück. Der Vortrag der Beschwerdeführerin lasse keinen Verstoß gegen wahlrechtliche Vorschriften erkennen. Die Wahlbeanstandung gehe nicht über unbelegte Vermutungen und bloße Andeutungen der Möglichkeit von Wahlfehlern hinaus.

5 Mit Schreiben vom 12. März 2011 bittet die Beschwerdeführerin unter Bezugnahme auf den Bundestagsbeschluss darum, dem verfassungsgerichtlichen Verfahren Fortgang zu geben. Außerdem beantragt sie, ihr Herrn Dr. rer. nat. G. als Beistand beizuordnen. Hinsichtlich der Wahlanfechtung trägt die Beschwerdeführerin vor, es gehe um Menschenrechtsverletzungen seit 1966 sowie um eine gerichtsbekannte Anhörung aus dem Jahre 1970.

II.

6 Der Antrag auf Zulassung eines Beistandes wird zurückgewiesen, weil auch unter Berücksichtigung des Vorbringens der Beschwerdeführerin keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die Zulassung objektiv sachdienlich und subjektiv notwendig ist (vgl. § 22 Abs. 1 Satz 4 BVerfGG; BVerfGE 68, 360 <361>).

III.

7 Die Wahlprüfungsbeschwerde ist unzulässig.

8 Sie ist bereits nicht wirksam erhoben, weil es an den nach § 48 Abs. 1 BVerfGG erforderlichen Beitrittserklärungen von einhundert Wahlberechtigten fehlt. Die Beschwerdeführerin hat keine Beitrittserklärungen beigefügt.

9 Soweit die Beschwerdeführerin die Sachbehandlung durch den Wahlprüfungsausschuss des Deutschen Bundestages rügt, ist die Wahlprüfungsbeschwerde auch unstatthaft. Zulässiger Gegenstand eines Wahlprüfungsverfahrens kann nur die Gültigkeit der Wahl zum Deutschen Bundestag sein (vgl. Art. 41 Abs. 1 GG, § 48 Abs. 1 BVerfGG).

10 Die Wahlprüfungsbeschwerde entspricht zudem nicht den Begründungsanforderungen nach § 23 Abs. 1 Satz 2, § 48 Abs. 1 Halbsatz 2 BVerfGG, weil die Beschwerdeführerin einen Wahlfehler nicht darlegt (vgl. BVerfGE 48, 271 <280>; 58, 175 f.; 79, 173 f.).

IV.

11 Die Auferlegung einer Missbrauchsgebühr beruht auf § 34 Abs. 2 BVerfGG. Nach dieser Vorschrift kann das Bundesverfassungsgericht eine Gebühr bis zu 2.600 € auferlegen, wenn die Einlegung einer Wahlprüfungsbeschwerde - wie hier - einen Missbrauch darstellt.

12 Aufgabe des Bundesverfassungsgerichts ist es, grundsätzliche Verfassungsfragen zu entscheiden, die für das Staatsleben und die Allgemeinheit von Bedeutung sind und - wo nötig - die Grundrechte des Einzelnen durchzusetzen. Das Bundesverfassungsgericht ist nicht gehalten, hinzunehmen, dass es bei der Erfüllung dieser Aufgaben durch - wie hier - an gravierenden Zulässigkeitsmängeln leidende Beschwerden behindert wird (stRspr; vgl. nur BVerfGK 3, 219 <221 f.>).

13 Der Beschwerdeführerin war zuzumuten, vor Einlegung der Wahlprüfungsbeschwerde deren Zulässigkeitsvoraussetzungen zu ermitteln. Angesichts des eindeutigen Wortlauts des § 48 Abs. 1 BVerfGG hätte sich die Unzulässigkeit der Wahlprüfungsbeschwerde der Beschwerdeführerin geradezu aufdrängen müssen. Im Hinblick darauf ist die verhängte Missbrauchsgebühr auch der Höhe nach angemessen.

14 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Keywords

election reviewadmissibilitysubstantiationaccession declarationslegal aidassistantabuse feeBundestag election

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the request for legal aid should be granted

Extracted holding

Legal aid was denied because the intended proceeding had no prospect of success.

Extracted reasoning

The complaint was inadmissible and therefore offered no realistic chance of success.

Key legal question

Whether a person may be admitted as assistant/counsel

Extracted holding

Admission of the proposed assistant was refused because it was neither objectively expedient nor subjectively necessary.

Extracted reasoning

No sufficient reasons showed that the assistance was required for the proceedings.

Key legal question

Whether the election complaint was admissibly filed despite lacking 100 supporting voters

Extracted holding

The complaint was not validly filed because the required accession declarations from one hundred eligible voters were missing.

Extracted reasoning

Section 48(1) BVerfGG requires those accession declarations; none were attached.

Key legal question

Whether the complaint could challenge the Bundestag committee’s handling of the objection

Extracted holding

That part of the complaint was inadmissible because the only permissible subject of an election review complaint is the validity of the Bundestag election itself.

Extracted reasoning

A review of the committee’s procedural handling is not a valid object of election review under Art. 41(1) GG and § 48(1) BVerfGG.

Key legal question

Whether the complaint was sufficiently substantiated

Extracted holding

The complaint also failed the substantiation requirements because no election error was specifically set out.

Extracted reasoning

Under § 23(1) sentence 2 and § 48(1) second half-sentence BVerfGG, a complainant must plead an election defect; mere assertions and references are insufficient.

Key legal question

Whether an abuse fee should be imposed

Extracted holding

An abuse fee of EUR 1,000 was imposed because filing the complaint despite obvious admissibility defects constituted abuse.

Extracted reasoning

The Court may impose a fee under § 34(2) BVerfGG; the clear wording of § 48(1) BVerfGG made the inadmissibility obvious.

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