Interim ban on deportation due to family separation

BVerfG 2 BvR 1392/10Bverfg / 2. Senat 1. KammerJul 14, 2010Granted

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Omnilex summary

The Federal Constitutional Court granted interim relief in a constitutional complaint case concerning deportation to Turkey. It held that the complaint was not manifestly inadmissible or unfounded and that the balance of consequences favored suspending removal because deportation would separate the family and create serious, irreparable harm. The City of H. (Aliens Authority) was therefore temporarily barred from carrying out the deportation threatened in its order of 2 March 2010.

Omnilex headnote

Art. 32 Abs. 1 BVerfGG; interim relief in constitutional complaint proceedings against deportation: An interim order is issued where, on a summary review, the constitutional complaint is neither manifestly inadmissible nor manifestly unfounded and the balance of consequences favors temporary protection. In deportation cases, the imminent separation of the family may constitute a serious disadvantage that is difficult to reverse; this may outweigh the disadvantages of a brief continued stay in Germany (consid. 2 ff.).

Full text

BVerfG — 2 BvR 1392/10, Einstweilige Anordnung

Entscheidungsdatum: 2010-07-14

Aktenzeichen: 2 BvR 1392/10

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2010:rk20100714.2bvr139210

Dokumenttyp: Einstweilige Anordnung

Normen: Art 19 Abs 4 GG, Art 6 Abs 1 GG, § 58 AufenthG 2004, § 60 AufenthG 2004, § 32 Abs 1 BVerfGG

Vorinstanz: vorgehend Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, 20. Mai 2010, Az: 11 ME 129/10, Beschlussvorgehend VG Hannover, 9. April 2010, Az: 13 B 1300/10, Beschlussnachgehend BVerfG, 21. Februar 2011, Az: 2 BvR 1392/10, Stattgebender Kammerbeschluss

Spruchkörper: 2. Senat 1. Kammer

Titelzeile

Erlass einer einstweiligen Anordnung - Vorläufige Untersagung der Abschiebung aufgrund von mit einer Trennung der familiären Lebensgemeinschaft verbundenen Nachteile

Tenor

Der Stadt H. (Ausländerbehörde) wird einstweilen bis zur Entscheidung über die Verfassungsbeschwerde untersagt, die in ihrem Bescheid vom 2. März 2010 angedrohte Abschiebung des Beschwerdeführers in die Türkei zu vollziehen.

Gründe

1 Der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung ist zulässig und begründet.

2 1. Nach § 32 Abs. 1 BVerfGG kann das Bundesverfassungsgericht im Streitfall einen Zustand durch einstweilige Anordnung vorläufig regeln, wenn dies zur Abwehr schwerer Nachteile oder aus einem anderen wichtigen Grund zum gemeinen Wohl dringend geboten ist. Dabei haben die Gründe, die für die Verfassungswidrigkeit des angegriffenen Hoheitsakts vorgetragen werden, grundsätzlich außer Betracht zu bleiben, es sei denn, die Verfassungsbeschwerde erwiese sich von vornherein als unzulässig oder offensichtlich unbegründet. Bei offenem Ausgang des Verfassungsbeschwerdeverfahrens muss das Bundesverfassungsgericht die Folgen, die eintreten würden, wenn eine einstweilige Anordnung nicht erginge, die Verfassungsbeschwerde aber Erfolg hätte, gegenüber den Nachteilen abwägen, die entstünden, wenn die begehrte einstweilige Anordnung erlassen würde, der Verfassungsbeschwerde der Erfolg aber zu versagen wäre (vgl. BVerfGE 88, 25 <35>; 89, 109 <110 f.>; stRspr).

3 2. Nach vorläufiger Prüfung kann nicht festgestellt werden, dass die vom Beschwerdeführer erhobene Verfassungsbeschwerde unzulässig oder offensichtlich unbegründet ist.

4 Der Beschwerdeführer rügt, den Anforderungen an die Begründung einer Verfassungsbeschwerde genügend, die Versagung vorläufigen gerichtlichen Rechtsschutzes sei mit Art. 6 Abs. 1 und Art. 19 Abs. 4 GG nicht vereinbar, weil er familiären Beistandes bedürfe und seine Integration in die hiesigen Verhältnisse nicht hinreichend berücksichtigt worden sei. Dies bedarf weiterer Klärung.

5 Die danach gebotene Abwägung führt zum Erlass der einstweiligen Anordnung. Dem Beschwerdeführer droht durch den Vollzug der Abschiebung angesichts der Trennung der familiären Lebensgemeinschaft ein schwerer und nicht ohne Weiteres wieder gutzumachender Nachteil. Demgegenüber wiegen etwaige Nachteile, die durch den auf überschaubare Zeit verlängerten Aufenthalt des Beschwerdeführers in Deutschland entstehen, weniger schwer.

6 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Keywords

interim reliefdeportationfamily lifebalancing of consequencesconstitutional complaintalien lawirreparable harm

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Key legal question

Whether an interim injunction should suspend the threatened deportation pending the constitutional complaint.

Extracted holding

Yes. The application for interim relief was admissible and justified, because the balance of consequences favored temporary protection against removal.

Extracted reasoning

The constitutional complaint did not appear inadmissible or manifestly unfounded. If deportation were carried out, the resulting separation of the family would cause a serious and difficult-to-repair disadvantage; the disadvantages of a short additional stay in Germany were less weighty.

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