E-mail filing requires qualified electronic signature at the BSG

BSG B 1 KR 19/16 SBsg / Division 1Feb 22, 2017Dismissed

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Omnilex summary

The claimant challenged the LSG's dismissal of his complaint against the SG's refusal to grant legal aid, filing a further complaint with the BSG by simple e-mail. The BSG held that filings to the court cannot be made effectively by ordinary e-mail when the pleading must replace a signed written document. Because the claimant's submission lacked the required qualified electronic signature under the SGG and the BSG's electronic filing regulation, the complaint was inadmissible and dismissed.

Omnilex headnote

§ 65a Abs. 1 SGG; § 65a Abs. 1 S. 3 SGG; § 2 Nr. 3 SigG 2001; § 2 Abs. 3 ERVVOBSG: Ein der schriftlichen Form gleichstehendes elektronisches Dokument ist beim BSG nur wirksam, wenn es mit einer qualifizierten elektronischen Signatur übermittelt wird. Eine einfache E-Mail genügt nicht. Das Formerfordernis ist zwingend; von ihm kann auch dann nicht abgesehen werden, wenn Urheberschaft und Erklärungswille aus den Umständen hinreichend sicher hervorgehen (vgl. consid. 2-4).

Full text

BSG — B 1 KR 19/16 S, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2017-02-22

Aktenzeichen: B 1 KR 19/16 S

ECLI: ECLI:DE:BSG:2017:220217BB1KR1916S0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 65a Abs 1 S 1 SGG, § 65a Abs 1 S 3 SGG, § 2 Nr 3 SigG 2001, § 2 Abs 3 ERVVOBSG

Vorinstanz: vorgehend SG Hannover, 17. November 2016, Az: S 11 KR 737/15vorgehend Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen, 21. Dezember 2016, Az: L 4 KR 647/16 B, Beschluss

Spruchkörper: 1. Senat

Titelzeile

Sozialgerichtliches Verfahren - elektronischer Rechtsverkehr beim BSG - Übermittlung eines Rechtsbehelfs per E-Mail - qualifizierte elektronische Signatur

Tenor

Die Beschwerde des Klägers gegen den Beschluss des Landessozialgerichts Niedersachsen-Bremen vom 21. Dezember 2016 wird als unzulässig verworfen.

Gründe

1 I. Das LSG hat die Beschwerde des Klägers gegen den Beschluss des SG vom 17.11.2016, mit dem dieses seinen Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe abgelehnt hatte, mit Beschluss vom 21.12.2016 als unzulässig verworfen. Hiergegen hat der Kläger am 29.12.2016 beim BSG "sofortige Beschwerde" eingelegt.

2 II. Die Beschwerde ist als unzulässig zu verwerfen. Selbst statthafte Rechtsbehelfe - woran es hier fehlt - können beim BSG nicht per einfacher E-Mail wirksam eingelegt werden. Die vom Kläger per einfacher E-Mail eingelegte "sofortige Beschwerde" erfüllt nicht die Voraussetzungen des § 65a SGG für die wirksame Einlegung eines Rechtsmittels durch ein elektronisches Dokument. Eine an das BSG gerichtete Beschwerdeschrift bedarf vielmehr einer hierfür zugelassenen qualifizierten elektronischen Signatur.

3 Rechtsschutzbegehren sind grundsätzlich an das BSG schriftlich oder zur Niederschrift des Urkundsbeamten der Geschäftsstelle zu erheben (vgl BSG SozR 4-1500 § 90 Nr 1 RdNr 4, mwN auch zu den Anforderungen an die Schriftform) , soweit das SGG nicht Schriftform fordert (so zB § 160a Abs 1 S 3; § 164 Abs 1 S 1 SGG; § 202 S 1 und 2 SGG iVm § 17a Abs 4 S 3 GVG und § 575 Abs 1 S 1 ZPO; § 202 S 1 und 3 SGG iVm § 74 S 3 GWB und § 575 Abs 1 S 1 ZPO) . § 65a Abs 1 SGG lässt - anstelle der Schriftform - die Übermittlung von elektronischen Dokumenten nach Maßgabe von Rechtsverordnungen des Bundes oder des jeweiligen Landes zu. Für Dokumente, die einem schriftlich zu unterzeichnenden Schriftstück gleichstehen, ist eine qualifizierte elektronische Signatur nach § 2 Nr 3 Gesetz über Rahmenbedingungen für elektronische Signaturen (<Signaturgesetz - SigG> idF durch Art 1 Gesetz über Rahmenbedingungen für elektronische Signaturen und zur Änderung weiterer Vorschriften vom 16.5.2001, BGBl I 876) vorzuschreiben (§ 65a Abs 1 S 3 SGG) . Für das BSG hat die Verordnung über den elektronischen Rechtsverkehr beim BSG (ERVVOBSG vom 18.12.2006, BGBl I 3219, geändert durch VO vom 14.12.2015, BGBl I 2339) die Übermittlung elektronischer Dokumente zugelassen. § 2 Abs 3 ERVVOBSG bestimmt hierfür: Die für Dokumente, die - wie hier die Beschwerde - einem schriftlich zu unterzeichnenden Schriftstück gleichstehen, erforderliche qualifizierte elektronische Signatur muss dem Profil ISIS-MTT entsprechen und das ihr zugrunde liegende Zertifikat muss durch das Gericht, das mit einer automatisierten Überprüfung andere Stellen beauftragen kann, prüfbar sein (vgl BSG Beschluss vom 30.1.2017 - B 1 KR 14/16 S - für SozR vorgesehen; vgl auch BSG Beschluss vom 13.9.2016 - B 5 RS 30/16 B - Juris, für SozR 4-1500 § 65a Nr 2 vorgesehen; zu vergleichbaren Anforderungen ab 1.1.2016 beim BFH vgl BFH Beschluss vom 19.5.2016 - I E 2/16 - BFH/NV 2016, 1303 = Juris RdNr 7 mwN zur Abgrenzung zur früheren Rechtslage und Rspr) .

4 Hieran fehlt es. Der Kläger erfüllt mit seiner an das BSG übermittelten einfachen E-Mail vom 29.12.2016 nicht diese Voraussetzungen. Der erkennende Senat kann vom Formerfordernis einer qualifizierten elektronischen Signatur auch nicht ausnahmsweise absehen, selbst wenn sich aus den E-Mails oder begleitenden Umständen die Urheberschaft und der Wille, das elektronische Dokument in den Verkehr zu bringen, hinreichend sicher ergibt (vgl Hauck in Hennig, SGG, Stand 1.9.2016, § 65a RdNr 15 mwN).

Keywords

electronic filingqualified electronic signatureadmissibilitysimple emailsocial court procedurelegal aid

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Key legal question

Whether a complaint to the BSG filed by simple e-mail is effective without a qualified electronic signature.

Extracted holding

No. A document replacing written form before the BSG must be transmitted as an electronic document with a qualified electronic signature; simple e-mail is insufficient.

Extracted reasoning

Section 65a SGG permits electronic filing only under the applicable regulations. For documents equivalent to a signed written pleading, a qualified electronic signature is required. The ERVVOBSG governs filings to the BSG and demands an ISIS-MTT-compliant qualified signature whose certificate must be verifiable by the court.

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