Untimely non-admission complaint; no legal aid without prospects of success

BSG B 2 U 287/09 BBsg / Division 2Feb 5, 2010Dismissed

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Omnilex summary

The BSG dealt with a claimant’s non-admission complaint against an LSG judgment after his counsel had withdrawn. The claimant timely requested legal aid and appointment of counsel, but he did not submit the required declaration of personal and financial circumstances within the extended time limit. The Court held that legal aid was unavailable because the complaint had no sufficient prospects of success: it had not been properly substantiated by an authorized representative within the deadline, and reinstatement was not possible because the claimant was not without fault. As a result, the request for counsel was also denied and the complaint was dismissed as inadmissible.

Omnilex headnote

§ 73a Abs. 1 SGG i.V.m. § 114 ZPO; non-admission complaint and legal aid: legal aid presupposes sufficient prospects of success. If the complaint is not substantiated within the statutory time limit by an authorized representative, it is inadmissible. Reinstatement under § 67 Abs. 1 SGG is excluded where the appellant, despite seeking legal aid, fails within the time limit to submit both the application and the prescribed declaration of personal and financial circumstances under § 117 Abs. 2, 4 ZPO without sufficient excuse. The same applies where counsel withdraws before expiry of the substantiation period (consid. 3-4). Appointment of counsel under § 121 ZPO follows only upon granted legal aid.

Full text

BSG — B 2 U 287/09 B, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-02-05

Aktenzeichen: B 2 U 287/09 B

ECLI: ECLI:DE:BSG:2010:050210BB2U28709B0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 73a Abs 1 SGG, § 114 ZPO, § 67 Abs 1 SGG, § 160a Abs 2 SGG, § 117 Abs 2 ZPO, § 117 Abs 4 ZPO

Vorinstanz: vorgehend SG Stendal, 15. Februar 2005, Az: S 6 U 72/03, Urteilvorgehend Landessozialgericht Sachsen-Anhalt, 24. September 2009, Az: L 6 U 39/05, Urteil

Spruchkörper: 2. Senat

Titelzeile

Sozialgerichtliches Verfahren - Nichtzulassungsbeschwerde - Versäumung der Begründungsfrist - Niederlegung der Vertretung des Prozessbevollmächtigten - Antrag auf Prozesskostenhilfe - hinreichende Aussicht auf Erfolg - keine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand - Verschulden - Erklärung über wirtschaftliche und persönliche Verhältnisse

Gründe

1 Gegen die Nichtzulassung der Revision in dem vorbezeichneten Urteil des Landessozialgerichts Sachsen-Anhalt hat der Kläger durch seine früheren Prozessbevollmächtigten zwar form- und fristgerecht Beschwerde eingelegt, das Rechtsmittel bisher aber nicht begründet; die Prozessbevollmächtigten haben vielmehr mit Schreiben vom 17.12.2009 die Niederlegung der Vertretung des Klägers angezeigt. Mit Schreiben vom 28.12.2009, beim Bundessozialgericht (BSG) eingegangen am 30.12.2009, hat der Kläger sinngemäß die Bewilligung von Prozesskostenhilfe und die Beiordnung eines Rechtsanwalts beantragt. Die Erklärung über seine persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse hat er nicht vorgelegt.

2 Der Antrag des Klägers auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe ist abzulehnen.

3 Nach § 73a des Sozialgerichtsgesetzes (SGG) iVm § 114 der Zivilprozessordnung (ZPO) kann einem Beteiligten für das Verfahren vor dem BSG nur dann Prozesskostenhilfe bewilligt werden, wenn die beabsichtigte Rechtsverfolgung hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet. Diese Voraussetzung ist nicht erfüllt. Die Nichtzulassungsbeschwerde des Klägers bietet keine Aussicht auf Erfolg. Sie ist unzulässig, weil sie innerhalb der bis zum 4.1.2010 verlängerten Frist nicht durch einen zugelassenen Prozessbevollmächtigten (vgl § 74 Abs 4 SGG) begründet worden ist. Die Begründung durch einen zugelassenen Prozessbevollmächtigten könnte auch nicht mehr nachgeholt werden, weil dem Kläger Wiedereinsetzung wegen Versäumnis der Begründungsfrist nicht gewährt werden könnte. Er ist nicht ohne Verschulden an der Einhaltung dieser Frist gehindert gewesen (§ 67 Abs 1 SGG) . Ein Beschwerdeführer ist im Falle des Unvermögens zur Bestreitung der Kosten der Prozessführung nur dann ohne sein Verschulden an der Einhaltung der Beschwerdefrist gehindert, wenn er innerhalb dieser Frist sowohl das Prozesskostenhilfegesuch als auch die auf dem vorgeschriebenen Vordruck abzugebende Erklärung über seine persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse in der gesetzlich vorgeschriebenen Form (§ 73a Abs 1 SGG iVm § 117 Abs 2 und 4 ZPO) eingereicht hat (BSG SozR 1750 § 117 Nr 1, 3 und 4; BGH VersR 1981, 884; BFH NV 1989, 802; BVerfG SozR 1750 § 117 Nr 2 und 6) . Entsprechendes muss gelten, wenn die Nichtzulassungsbeschwerde zwar fristgerecht durch einen zugelassenen Prozessbevollmächtigten eingelegt worden ist, dieser jedoch vor Ablauf der Begründungsfrist die Vertretung des Beschwerdeführers niedergelegt hat. In diesem Falle ist der Beschwerdeführer nur dann ohne sein Verschulden an der Einhaltung der Begründungsfrist gehindert, wenn er bis zu deren Ablauf den Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe gestellt und die auf dem vorgeschriebenen Vordruck abgegebene Erklärung über seine persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse eingereicht hat, sofern er daran nicht ebenfalls ohne Verschulden gehindert gewesen ist (BSG Beschluss vom 6.6.1989 - 1 BA 33/89) .

4 Der Kläger hat zwar innerhalb der bis zum 4.1.2010 verlängerten Frist zur Begründung der Nichtzulassungsbeschwerde die Bewilligung von Prozesskostenhilfe beantragt. Die erforderliche Erklärung über seine persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse hat er hingegen nicht innerhalb dieser Frist vorgelegt, ohne dass dafür ein ausreichender Entschuldigungsgrund ersichtlich wäre.

5 Da dem Kläger Prozesskostenhilfe nicht zusteht, ist auch der Antrag auf Beiordnung eines Rechtsanwalts abzulehnen (§ 73a Abs 1 Satz 1 SGG iVm § 121 ZPO).

6 Die vom Kläger eingelegte Beschwerde kann ebenfalls keinen Erfolg haben.

7 Nach § 160a Abs 2 Satz 2 SGG hätte die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision innerhalb der bis zum 4.1.2010 verlängerten Frist durch einen beim BSG zugelassenen Prozessbevollmächtigten (§ 73 Abs 4 SGG) begründet werden müssen. Da dies nicht geschehen ist, muss das Rechtsmittel als unzulässig verworfen werden (§ 160a Abs 4 Satz 1 Halbs 2 iVm § 169 SGG) .

8 Die Kostenentscheidung beruht auf § 197a Abs 1 SGG iVm § 161 Abs 1, § 154 Abs 2 Verwaltungsgerichtsordnung, die Festsetzung des Streitwerts auf § 47 Abs 1 Satz 2, § 52 Abs 3 Gerichtskostengesetz.

Keywords

legal aidnon-admission complaintdeadlinereinstatementwithdrawal of counselinadmissibilityfinancial declarationsocial court procedure

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether legal aid should be granted for the non-admission complaint despite the missing statement of personal and financial circumstances.

Extracted holding

No. The complaint had no sufficient prospects of success because it was already inadmissible, and the required declaration was not filed within the relevant period without adequate excuse.

Extracted reasoning

Under § 73a SGG in conjunction with § 114 ZPO, legal aid requires sufficient prospects of success. The non-admission complaint was not properly substantiated within the extended deadline. Wiedereinsetzung was unavailable because the claimant was not without fault; where a party seeks legal aid, both the application and the prescribed declaration must be filed within the time limit.

Key legal question

Whether counsel should be appointed in connection with the legal aid request.

Extracted holding

No, because legal aid was not granted.

Extracted reasoning

Appointment of counsel follows only if legal aid is granted under § 73a SGG in conjunction with § 121 ZPO.

Key legal question

Whether the non-admission complaint itself is admissible after expiry of the statement deadline.

Extracted holding

No. The complaint had to be substantiated by an admitted representative within the extended deadline; this did not occur, so the remedy had to be rejected as inadmissible.

Extracted reasoning

§ 160a Abs. 2 Satz 2 SGG requires substantiation by an authorized representative. Since that did not happen, the complaint was to be dismissed as inadmissible under § 160a Abs. 4 Satz 1 Halbs. 2 i.V.m. § 169 SGG.

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