Non-admission complaint inadmissible; no fundamental significance

BSG B 14 AS 45/10 BBsg / Division 14Jul 15, 2010Dismissed

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Omnilex summary

The claimant challenged the denial of SGB II benefits based on failure to submit complete bank statements and sought legal aid for a non-admission complaint. The Federal Social Court held that no statutory ground for admission of revision was apparent: the case had no fundamental significance, no divergence was shown, and no relevant procedural defect was identifiable. In addition, the complaint was not substantiated in time. Legal aid was therefore refused, and the complaint was dismissed as inadmissible. No extrajudicial costs were reimbursed.

Omnilex headnote

§ 160a Abs. 1 S. 1, Abs. 2 SGG; § 160 Abs. 2 Nr. 1–3 SGG; § 73a SGG i.V.m. § 114 ZPO: A non-admission complaint requires timely substantiation and the assertion of one of the exhaustively enumerated grounds for admission. Legal aid for such proceedings is to be refused where the intended complaint lacks sufficient prospects of success. Fundamental significance exists only where a clarification of a beyond-the-case legal question is still required and capable of being decided in revision; no such significance arises where the decisive issue has already been settled by the highest court. A divergence presupposes a deviation from a controlling abstract legal proposition of the specified higher courts; a mere disagreement in result is insufficient. A reviewable procedural defect must be specifically shown and capable of affecting the decision.

Full text

BSG — B 14 AS 45/10 B, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-07-15

Aktenzeichen: B 14 AS 45/10 B

ECLI: ECLI:DE:BSG:2010:150710BB14AS4510B0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 160a Abs 1 S 1 SGG, § 160 Abs 2 Nr 1 SGG, § 9 Abs 1 SGB 2, § 66 Abs 1 S 1 SGB 1, § 60 Abs 1 S 1 Nr 3 SGB 1

Vorinstanz: vorgehend SG Köln, 15. Februar 2008, Az: S 31 AS 126/07, Urteilvorgehend Landessozialgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, 3. März 2010, Az: L 12 AS 15/08, Urteil

Spruchkörper: 14. Senat

Titelzeile

Sozialgerichtliches Verfahren - Nichtzulassungsbeschwerde - grundsätzliche Bedeutung der Rechtssache - Grundsicherung für Arbeitsuchende - Nachweis der Hilfebedürftigkeit - Pflicht zur Vorlage von Kontoauszügen

Tenor

Der Antrag des Klägers auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe unter Beiordnung des Rechtsanwalts T. wird abgelehnt.

Die Beschwerde des Klägers gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des Landessozialgerichts Nordrhein-Westfalen vom 3. März 2010 wird als unzulässig verworfen.

Außergerichtliche Kosten des Beschwerdeverfahrens sind nicht zu erstatten.

Gründe

1 I. Der Kläger wendet sich gegen die Versagung der Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch Zweites Buch (SGB II) wegen der Nichtvorlage von Kontoauszügen.

2 Der im Jahre 1972 geborene Kläger ist Kirchenmusiker und lebt gemeinsam mit seinem im Jahre 1936 geborenen Vater in dessen Wohnung. Am 17.5.2006 beantragte er Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts bei der Beklagten. Im Mai 2006 forderte die Beklagte den Kläger auf, eine Vielzahl im Einzelnen benannter Unterlagen vorzulegen. Der Kläger legte diese Unterlagen teilweise vor, ua Verdienstbescheinigungen und Verdienstabrechnungen. Durch Schreiben vom 22.6.2006 forderte die Beklagte den Kläger sodann auf, weitere Unterlagen, insbesondere die vollständige und fortlaufende Dokumentation der Kontoauszüge der letzten sechs Monate, vorzulegen. Der Kläger kam dem nicht nach. Die Beklagte lehnte daraufhin mit Bescheid vom 30.6.2006 den Antrag des Klägers ab und stütze sich auf § 66 Abs 1 Satz 1 Sozialgesetzbuch Erstes Buch. Der Widerspruch, die Klage und die Berufung blieben ohne Erfolg (Widerspruchsbescheid vom 15.3.2007; Urteil des Sozialgerichts Köln vom 15.2.2008, Urteil des Landessozialgerichts Nordrhein-Westfalen vom 3.3.2010) . Zur Begründung seines Urteils hat das LSG ausgeführt, es folge im Wesentlichen der Rechtsprechung des erkennenden Senats (Hinweis auf das Urteil vom 19.9.2008 - B 14 AS 45/07 R) , in dem das Bundessozialgericht (BSG) im Einzelnen die Voraussetzungen für die Rechtmäßigkeit der Aufforderung zur Vorlage von Kontoauszügen von Empfängern für Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem SGB II formuliert habe.

3 Gegen dieses Urteil wendet sich der Kläger mit seiner Nichtzulassungsbeschwerde, mit der er zugleich Prozesskostenhilfe (PKH) beantragt hat.

4 II. Der Antrag auf Bewilligung von PKH ist nicht begründet. PKH ist nur zu bewilligen, wenn die beabsichtigte Rechtsverfolgung hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet (§ 73a Abs 1 Satz 1 Sozialgerichtsgesetz iVm § 114 Zivilprozessordnung) . An der erforderlichen Erfolgsaussicht fehlt es hier. Es ist nicht zu erkennen, dass ein zugelassener Prozessbevollmächtigter (§ 73 Abs 4 SGG) in der Lage wäre, die von dem Kläger angestrebte Nichtzulassungsbeschwerde erfolgreich zu begründen.

5 Hinreichende Aussicht auf Erfolg böte die Rechtsverfolgung nur, wenn einer der drei in § 160 Abs 2 SGG abschließend aufgeführten Zulassungsgründe mit Erfolg geltend gemacht werden könnte; denn nur diese Gründe können zur Zulassung der Revision führen. Ein solcher Zulassungsgrund ist nicht erkennbar.

6 Der Rechtssache kommt keine grundsätzliche Bedeutung zu (§ 160 Abs 2 Nr 1 SGG) . Es ist - auch unter Berücksichtigung des Vorbringens des Klägers - nicht erkennbar, dass die Rechtssache eine Rechtsfrage aufwirft, die - über den Einzelfall hinaus - aus Gründen der Rechtseinheit oder Fortbildung des Rechts einer Klärung durch das Revisionsgericht bedürftig und fähig ist (vgl BSG SozR 1500 § 160 Nr 17 und § 160a Nr 7, 11, 13, 31, 39, 59 und 65; Meyer-Ladewig/Keller/Leitherer, SGG, 9. Aufl 2008, § 160a RdNr 14 ff; Krasney/Udsching, Handbuch des sozialgerichtlichen Verfahrens, 5. Aufl 2008, IX, RdNr 56 ff) . Der erkennende Senat hat in seinem Urteil vom 19.9.2008 (BSGE 101, 260 = SozR 4-1200 § 60 Nr 2) im Einzelnen die Voraussetzungen für die Rechtmäßigkeit der Vorlagepflicht von Kontoauszügen bzw Kontounterlagen durch Empfänger der Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem SGB II geklärt. Das vorliegende Verfahren lässt nicht erkennen, dass es noch ungeklärte Rechtsfragen aufwerfen könnte.

7 Die Entscheidung des LSG weicht des Weiteren nicht von einer Entscheidung des BSG, des Gemeinsamen Senats der obersten Gerichtshöfe des Bundes oder des Bundesverfassungsgerichts ab, weshalb eine Divergenzrüge keine Aussicht auf Erfolg verspricht (§ 160 Abs 2 Nr 2 SGG) .

8 Schließlich ist nicht ersichtlich, dass der Kläger einen Verfahrensmangel geltend machen könnte, auf dem die angefochtene Entscheidung beruhen kann (§ 160 Abs 2 Nr 3 Halbs 1 SGG; vgl hierzu im Einzelnen Krasney/Udsching, aaO, RdNr 87 ff) .

9 Die vom Prozessbevollmächtigten des Kläger eingelegte Beschwerde ist unzulässig, weil sie nicht innerhalb der bis zum 30.6.2010 verlängerten Frist begründet worden ist (§ 160a Abs 2 Satz 1 und 2 SGG). Die Beschwerde musste daher in entsprechender Anwendung von § 169 durch Beschluss verworfen werden.

10 Die Kostenentscheidung beruht auf entsprechender Anwendung des § 193 Abs 1 SGG.

Keywords

non-admission complaintfundamental significancelegal aidbank statementsSGB IIinadmissibilityprocedural defectcosts

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Key legal question

Whether legal aid should be granted for the intended non-admission complaint

Extracted holding

Legal aid was refused because the intended complaint had no sufficient prospect of success.

Extracted reasoning

A successful complaint would require a statutory ground for admission of revision; none was identifiable.

Key legal question

Whether the complaint against denial of leave to appeal was admissible

Extracted holding

The complaint was inadmissible because it was not substantiated within the extended time limit.

Extracted reasoning

The complaint brief was filed too late under the statutory time limit, so the court had to dismiss it by order.

Key legal question

Whether the case had fundamental significance under the SGG

Extracted holding

No fundamental significance existed.

Extracted reasoning

The legal questions about the duty to submit bank statements had already been clarified in earlier BSG case law and raised no unresolved general issue.

Key legal question

Whether there was a divergence from higher-court case law or a procedural defect

Extracted holding

No divergence or relevant procedural defect was shown.

Extracted reasoning

The LSG did not depart from decisions of the BSG, the Joint Senate, or the Federal Constitutional Court, and no reviewable procedural error was apparent.

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