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BGH 1 StR 242/17 ΓÇó Ignoring defense counsel’s adopted statement under § 261 StPO
BGH 1 StR 242/17Bgh / Criminal Chamber IJun 22, 2017Annulled
The Federal Court of Justice upheld the accused’s revision against a Stuttgart Regional Court judgment for attempted homicide. It found a procedural error under § 261 StPO because the trial court stated that the accused had not made a factual statement, although the trial protocol showed that defense counsel had read a prepared statement which the accused expressly adopted. The judgment was therefore set aside with findings of fact, and the case was remitted to another Schwurgericht chamber for a fresh trial and decision, including appeal costs.
§ 261 StPO, § 267 StPO; disregard of a defense counsel’s statement expressly adopted by the accused in the main hearing: if the trial court proceeds on the basis that the accused remained silent as to the merits, although the protocol shows that counsel read out a prepared statement which the accused made his own, this constitutes a violation affecting the judgment. The reviewing court may not speculate whether the omitted statement would have influenced the findings; the evaluation of evidence is reserved to the trial court (consid. 2-4). The judgment is to be quashed and the matter remitted for a new hearing and decision before a different chamber.
Entscheidungsdatum: 2017-06-22
Aktenzeichen: 1 StR 242/17
ECLI: ECLI:DE:BGH:2017:220617B1STR242.17.0
Dokumenttyp: Beschluss
Normen: § 261 StPO, § 267 StPO
Vorinstanz: vorgehend LG Stuttgart, 20. Januar 2017, Az: 1 Ks 116 Js 71490/16
Spruchkörper: 1. Strafsenat
Strafverfahren: Nichtberücksichtigung einer zu Eigen gemachten Erklärung des Verteidigers in der Hauptverhandlung als Einlassung des Angeklagten
Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Stuttgart vom 20. Januar 2017 mit den Feststellungen aufgehoben.
Die Sache wird zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Schwurgerichtskammer des Landgerichts zurückverwiesen.
1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen versuchten Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Die auf die Verletzung formellen und materiellen Rechts gestützte Revision des Angeklagten hat mit einer Verfahrensrüge Erfolg.
2 Die Rüge der Verletzung des § 261 StPO führt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils. Das Landgericht hat zum Einlassungsverhalten des Angeklagten ausgeführt, dass er sich lediglich bei der Eröffnung des Haftbefehls nach seiner Festnahme „nicht geständig“ eingelassen habe, ohne den Inhalt seiner Erklärung darzulegen. Ausdrücklich wird festgestellt, dass er sich in der Hauptverhandlung zur Sache nicht eingelassen habe (UA S. 24).
3 Demgegenüber macht die Revision - bestätigt durch das Hauptverhandlungsprotokoll vom 19. Januar 2017 - geltend, dass der Verteidiger am vierten Hauptverhandlungstag eine schriftlich vorbereitete Erklärung abgegeben habe, wobei sich der Angeklagte diese Erklärung ausdrücklich zu Eigen gemacht habe.
4 Mit dieser Sachdarstellung hat die Verfahrensrüge Erfolg. Dem Senat ist es verwehrt, Überlegungen darüber anzustellen, ob der Inhalt der als Anlage zum Protokoll genommenen und von der Revision mitgeteilten Erklärung des Angeklagten sich auf die Feststellungen des Urteils ausgewirkt hätte, wenn diese von der Strafkammer in ihre Erwägungen einbezogen worden wäre, weil die Beweiswürdigung allein dem Tatgericht obliegt.
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