Immigration detention application must state required duration

BGH V ZB 74/17Bgh / Civil Chamber VMar 31, 2017Granted

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Omnilex summary

The Federal Court of Justice granted interim relief and suspended enforcement of the immigration detention order. It held that the suspension request was admissible by analogy to Section 64(3) FamFG. On summary review, the detention application was likely invalid because it failed to sufficiently justify the required duration of detention under Section 417(2) sentence 2 no. 4 FamFG in light of the principle that detention must be kept to the shortest possible period under Section 62(1) sentence 2 AufenthG. The defect was not cured on appeal because the detainee was not personally heard by the appellate court.

Omnilex headnote

§ 417 Abs. 2 Satz 2 Nr. 4 FamFG; § 62 Abs. 1 Satz 2 AufenthG; unzureichende Darlegung der erforderlichen Haftdauer im Haftantrag; die beantragte Dauer der Freiheitsentziehung ist unter Berücksichtigung des Gebots der Beschränkung auf die kürzest mögliche Dauer konkret, einzelfallbezogen und nicht nur formelhaft zu begründen. Allgemeine Hinweise auf organisatorische Abläufe, etwa die erfahrungsgemäße Dauer der Flugbuchung und die Koordination von Sicherheitsbegleitern, genügen nicht. Ein Mangel des Haftantrags kann im Beschwerdeverfahren nur geheilt werden, wenn der Betroffene hierzu persönlich angehört wird; bleibt dies aus, wirkt die ergänzende Darlegung nicht heilend. Der Antrag auf Aussetzung der Vollziehung ist in entsprechender Anwendung von § 64 Abs. 3 FamFG zulässig.

Full text

BGH — V ZB 74/17, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2017-03-31

Aktenzeichen: V ZB 74/17

ECLI: ECLI:DE:BGH:2017:310317BVZB74.17.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 62 Abs 1 S 2 AufenthG, § 417 Abs 2 S 2 Nr 4 FamFG

Vorinstanz: vorgehend LG Hamburg, 7. März 2017, Az: 329 T 12/17vorgehend AG Hamburg, 17. Januar 2017, Az: 219g XIV 13/17nachgehend BGH, 20. September 2017, Az: V ZB 74/17, Beschluss

Spruchkörper: 5. Zivilsenat

Titelzeile

Abschiebungshaft: Begründung der für erforderlich gehaltenen Haftdauer im Haftantrag

Tenor

Die Vollziehung der mit Beschluss des Amtsgerichts Hamburg vom 17. Januar 2017 gegen den Betroffenen angeordneten und durch Beschluss des Landgerichts Hamburg - Zivilkammer 29 - vom 7. März 2017 aufrechterhaltenen Sicherungshaft wird einstweilen ausgesetzt.

Gründe

1 Der Aussetzungsantrag ist in entsprechender Anwendung des § 64 Abs. 3 FamFG zulässig (vgl. Senat, Beschluss vom 14. Oktober 2010 - V ZB 261/10, InfAuslR 2011, 26 Rn. 8). Er ist auch begründet, weil nach der gebotenen summarischen Prüfung davon auszugehen ist, dass die Rechtsbeschwerde Erfolg haben wird. Der Haftantrag der beteiligten Behörde dürfte unzulässig gewesen und eine Heilung nicht eingetreten sein.

2 Die beteiligte Behörde hatte in dem Haftantrag unter anderem die erforderliche Dauer der Freiheitsentziehung darzulegen (§ 417 Abs. 2 Satz 2 Nr. 4 FamFG). Dem wird der Haftantrag nicht gerecht, weil darin zwei Monate der beantragten Haft nur damit begründet werden, die Buchung eines begleiteten Fluges nehme erfahrungsgemäß einige Zeit in Anspruch, da neben dem eigentlichen Flug auch die Flüge der Sicherheitsbegleiter durch die Bundespolizei organisiert werden müssten. Diese allgemein gehaltenen Ausführungen sind vor dem Hintergrund, dass die Haft auf die kürzest mögliche Dauer zu beschränken ist (§ 62 Abs. 1 Satz 2 AufenthG; näher Senat, Beschluss vom 10. Mai 2012 - V ZB 246/11, FGPrax 2012, 225 Rn. 10; vgl. auch Beschluss vom 10. Oktober 2013 - V ZB 67/13, juris Rn. 9), unzureichend (vgl. Senat, Beschluss vom 12. Oktober 2016 - V ZB 8/15, juris Rn. 7).

3 Dieser Fehler ist nicht geheilt worden. Die beteiligte Behörde hat zwar im Beschwerdeverfahren ergänzenden, ausreichenden Vortrag gehalten. Der Betroffene hätte dazu aber durch das Beschwerdegericht persönlich angehört werden müssen (st. Rspr.; vgl. Senat, Beschlüsse vom 16. Juli 2014 - V ZB 80/13, InfAuslR 2014, 384 Rn. 21 ff., vom 11. Februar 2016 - V ZB 24/14, juris Rn. 9 und vom 15. September 2016 - V ZB 30/16, juris Rn. 9). Das ist unterblieben. Dieser Fehler stünde einem neuen Antrag allerdings nicht entgegen.

StresemannSchmidt-RäntschKazele
HaberkampHamdorf

Keywords

immigration detentiondetention applicationduration of detentionpersonal hearingcure of defectsummary reviewinterim relief

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the application to suspend enforcement of the detention was admissible

Extracted holding

Yes. By analogy to Section 64(3) FamFG, the suspension request was admissible.

Extracted reasoning

The court applied its prior case law and accepted the procedural request in analogous application of the Family Matters and Non-Contentious Matters Act.

Key legal question

Whether the detention application sufficiently stated the required duration of deprivation of liberty

Extracted holding

No. The application did not sufficiently justify the two-month detention period.

Extracted reasoning

The authority relied only on general statements that booking an escorted flight takes time because police must also organize the escort flights. That is too abstract, given that detention must be limited to the shortest possible duration under Section 62(1) sentence 2 AufenthG.

Key legal question

Whether the defect in the detention application was cured in the appeal proceedings

Extracted holding

No. Although the authority supplemented its submissions on appeal, the detainee had to be personally heard by the appellate court, which did not happen.

Extracted reasoning

The court held that curing such a defect requires a personal hearing of the detainee by the appellate court; absent that, the defect remains uncured. A new application would still be possible.

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