Admissibility and scope of hearing complaint; correction of clerical error

BGH VIII ZR 116/13Bgh / Civil Chamber 8Sep 16, 2014Dismissed

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Omnilex summary

The Federal Court of Justice rejected the defendant's hearing complaint against its earlier judgment of 2014-05-14. It held that the allegedly overlooked facts about the gas being passed on to tenants did not matter, because the defendant, as a registered cooperative, was already an entrepreneur; the claimed household-consumer status under the Energy Industry Act was also not made out. The complaint further failed because it was merely seeking substantive review. The court nevertheless corrected an obvious clerical error in paragraph 31 of the earlier judgment under Section 319 ZPO.

Omnilex headnote

§ 321a ZPO; a hearing complaint succeeds only if decisive submissions were overlooked and the defect could have affected the judgment. Facts are not decisive where the court's legal assessment rests independently on other grounds, here the legal status of a registered cooperative as a merchant and thus an entrepreneur under Sections 17(2) GenG, 343, 344(1) HGB and Section 14 BGB. A hearing complaint cannot be used to obtain a substantive reconsideration of the decision. Clerical errors in the tenor or reasons may be corrected ex officio under Section 319 ZPO when the mistake is obvious from the context.

Full text

BGH — VIII ZR 116/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-09-16

Aktenzeichen: VIII ZR 116/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 321a Abs 1 ZPO, § 13 BGB, § 14 BGB, § 3 Nr 22 EnWG 2005, § 17 Abs 2 GenG, § 343 HGB, § 344 Abs 1 HGB

Vorinstanz: vorgehend BGH, 14. Mai 2014, Az: VIII ZR 116/13, Urteilvorgehend KG Berlin, 18. März 2013, Az: 20 U 112/11vorgehend LG Berlin, 12. August 2011, Az: 22 O 367/09

Spruchkörper: 8. Zivilsenat

Titelzeile

Unternehmereigenschaft einer Wohnungsbaugenossenschaft bei Abschluss eines Gaslieferungsvertrages

Tenor

Die Anhörungsrüge der Beklagten gegen das Urteil des Senats vom 14. Mai 2014 wird zurückgewiesen.

Die Beklagte hat die Kosten des Rügeverfahrens zu tragen.

Das Senatsurteil vom 14. Mai 2014 wird wegen eines offensichtlichen Schreibversehens (§ 319 ZPO) in der Rn. 31 dahin berichtigt, dass das Wort "kontrollfähige" durch das Wort "kontrollfreie" ersetzt wird ("Für den Kunden ist das Verständnis günstiger, das die Klausel nicht als kontroll freie Preisabrede erscheinen lässt,…").

Gründe

1 Die gemäß § 321a Abs. 1 und 2 ZPO statthafte und fristgerecht erhobene Anhörungsrüge hat keinen Erfolg.

2 1. Die Beklagte macht zum einen geltend, der Senat habe den Umstand nicht berücksichtigt, dass sie die streitigen Gaslieferungen für ihre Genossenschaftswohnungen bezogen und die dafür anfallenden Kosten "1:1" an die Wohnungsmieter weitergegeben habe. Aus diesem Grund hätte sie nicht als Unternehmerin im Sinne des § 14 BGB angesehen werden dürfen; vielmehr sei sie Haushaltskundin im Sinne des § 3 Nr. 22 EnWG 2005.

3 Die als übergangen gerügten Umstände sind nicht entscheidungserheblich. Die Unternehmereigenschaft der Beklagten bei Abschluss des Gaslieferungsvertrages folgt bereits aus ihrer Rechtsform als eingetragener Genossenschaft. Eine Genossenschaft gilt kraft Gesetzes als Kaufmann (§ 17 Abs. 2 GenG) mit der Folge, dass die von der Beklagten getätigten Geschäfte zumindest aufgrund der Vermutung des § 344 Abs. 1 HGB als Handelsgeschäfte im Sinne des § 343 HGB zu gelten haben (vgl. BGH, Urteile vom 5. Mai 1960 - II ZR 128/58, NJW 1960, 1852, 1853; vom 22. Januar 1976 - VII ZR 280/75, BGHZ 66, 48, 50 f.; vom 5. Mai 2011 - IX ZR 144/10, BGHZ 189, 299 Rn. 21; vom 13. Juli 2011 - VIII ZR 215/10, WM 2011, 2152 Rn. 17 ff.). Da bei Vorliegen eines solchen Handelsgeschäfts zugleich ein Unternehmergeschäft im Sinne des § 14 BGB gegeben ist (Senatsurteil vom 13. Juli 2011 - VIII ZR 215/10, aaO Rn. 19 mwN), haben sich weitere Ausführungen zu dieser Voraussetzung des § 310 Abs. 1 BGB erübrigt, zumal das Bestehen einer Unternehmerstellung nicht erfordert, dass mit der Geschäftstätigkeit die Absicht verfolgt wird, Gewinn zu erzielen (Senatsurteil vom 29. März 2006 - VIII ZR 173/05, BGHZ 167, 40 Rn. 16), hier also das bezogene Gas mit Gewinnaufschlag weiterzugeben.

4 Für die Beurteilung der Unternehmerstellung der Beklagten unerheblich ist genauso die von ihr in Anspruch genommene und deshalb als übergangen gerügte Letztverbrauchereigenschaft, ganz abgesehen davon, dass bereits die Voraussetzungen für eine Einordnung der Beklagten als Haushaltskundin im Sinne des § 3 Nr. 22 EnWG 2005 (nämlich "Letztverbraucher, die Energie überwiegend für den Eigenverbrauch im Haushalt oder für den einen Jahresverbrauch von 10.000 Kilowattstunden nicht übersteigenden Eigenverbrauch für berufliche, landwirtschaftliche oder gewerbliche Zwecke kaufen") schon mit Blick auf die abgenommene Energiemenge offensichtlich nicht vorliegen.

5 2. Soweit die Anhörungsrüge im Hinblick auf die Ausführungen in Rn. 43 ff. des Senatsurteils geltend macht, die Klägerin habe sich mit dem Änderungsvorbehalt die Möglichkeit offen gehalten, den vereinbarten Aufschlagsfaktor zum Nachteil des Kunden zu verändern, hat der Senat dieses Vorbringen im Sinne der Beklagten gewürdigt (Rn. 44). Ohne Erfolg rügt die Anhörungsrüge, der Senat habe sich nicht mit der von der Beklagten im zweitinstanzlichen Verfahren (Schriftsatz vom 31. Januar 2013) geäußerten Rechtsauffassung befasst, dass die streitige Preisanpassungsklausel an § 24 Abs. 4 AVBFernwärmeV zu messen sei und dieser Prüfung nicht standhalte. Für eine analoge Anwendung des § 24 AVBFernwärmeV auf die Lieferung von Gas besteht bereits mangels einer Regelungslücke kein Raum.

6 Soweit die Anhörungsrüge darüber hinaus die Auffassung vertritt, der unwirksame Preisänderungsvorbehalt lasse sich von der Preisanpassungsklausel nicht trennen und das Verbot der geltungserhaltenden Reduktion hätte zur Unwirksamkeit auch der Preisanpassungsklausel führen müssen, legt sie lediglich ihre von der Auffassung des Senats abweichende Rechtsauffassung dar; für eine derartige inhaltliche Überprüfung einer Entscheidung ist die Anhörungsrüge nach § 321a ZPO indes nicht eröffnet.

Dr. Milger Dr. Achilles Dr. Fetzer

Dr. Bünger Kosziol

Keywords

hearing complaintclerical errorentrepreneur statuscooperativemerchant presumptionconsumer statusgas supplycosts

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the hearing complaint under Section 321a ZPO succeeded because the court allegedly ignored decisive facts concerning the defendant's consumer status and tariff classification.

Extracted holding

No. The allegedly overlooked facts were not decisive; the defendant's status as an incorporated cooperative already made it an entrepreneur, and the claimed household-consumer status was in any event unsupported.

Extracted reasoning

A registered cooperative is deemed a merchant by law; its transactions are presumed commercial, which also constitutes entrepreneurship under Section 14 BGB. The volume of energy purchased also excluded household-consumer status.

Key legal question

Whether the Senate judgment had to be corrected for an obvious clerical error under Section 319 ZPO.

Extracted holding

Yes. In paragraph 31, the word 'kontrollfähige' had to be replaced by 'kontrollfreie'.

Extracted reasoning

The court identified an obvious writing mistake and corrected the wording accordingly.

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