Removal and replacement of court-appointed defense counsel

BGH 2 BGs 88/12Bgh / ErmittlungsrichterApr 25, 2012Granted

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Omnilex summary

In an investigation concerning alleged membership in a terrorist organization abroad, the accused sought replacement of his appointed defense lawyer. The Federal Court accepted that, in the early stage of proceedings and despite compliance with the hearing requirement, the accused had sufficiently shown a lasting breakdown of trust. It therefore removed the former appointed counsel and appointed a new one.

Omnilex headnote

§ 143 StPO; removal of court-appointed defense counsel for important cause due to irretrievable breakdown of trust. Outside the strict framework of § 143 StPO, revocation of appointment is permissible where the purpose of mandatory defense is seriously endangered. A permanent and substantial erosion of the trust relationship between accused and defense counsel, assessed from the standpoint of a reasonable accused, constitutes important cause if it makes objectively proper defense no longer to be expected. The accused or counsel must substantiate the disruption; however, in cases of appointment in connection with arrest-warrant proceedings and correspondingly limited time for choice of counsel, the substantiation requirements must not be overstretched (consid. 1).

Full text

BGH — 2 BGs 88/12, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2012-04-25

Aktenzeichen: 2 BGs 88/12

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 142 Abs 1 S 1 StPO, § 143 StPO

Spruchkörper: Ermittlungsrichter

Titelzeile

Aufhebung der Pflichtverteidigerbestellung im Haftbefehlseröffnungsverfahren: Anforderungen an die Darlegung eines gestörten Vertrauensverhältnisses

Tenor

In dem Ermittlungsverfahren gegen Ahmed K.

wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland gemäß § 129b Abs. 1 Satz 2, 129a Abs. 1 Nr. 1, Abs. 5 StGB

Auf Antrag des Beschuldigten und nach Anhörung des Generalbundesanwalts wird

Herr Rechtsanwalt Sebastian S. St. Straße … … B.

als Pflichtverteidiger des Beschuldigten

entpflichtet.

Als neuer Pflichtverteidiger wird dem Beschuldigten

Herr Rechtsanwalt Mutlu G. O…straße … … Bo.

bestellt.

Gründe

1 Die Aufhebung der Bestellung eines Pflichtverteidigers ist außerhalb des Regelungsbereichs des § 143 StPO aus wichtigem Grund zulässig, wenn der Zweck der Pflichtverteidigung, dem Beschuldigten einen geeigneten Beistand zu sichern und den ordnungsgemäßen Verfahrensablauf zu gewährleisten, ernsthaft gefährdet ist (vgl. BVerfG, NStZ 2002, 99, 100 m.w.N.). Ein die Aufhebung der Bestellung rechtfertigender wichtiger Grund liegt unter anderem dann vor, wenn das Vertrauensverhältnis zwischen Pflichtverteidiger und Beschuldigtem endgültig und nachhaltig erschüttert und deshalb zu besorgen ist, dass die Verteidigung objektiv nicht mehr sachgerecht geführt werden kann (vgl. BGH, Beschluss vom 10. März 2005 - 4 StR 506/04, NStZ-RR 2005, 240; Urteil vom 26. August 1993 - 4 StR 364/93, BGHSt 39, 310, 314 ff). Maßstab hierfür ist die Sicht eines verständigen Beschuldigten. Die nachhaltige Störung des Vertrauensverhältnisses ist vom Beschuldigten oder seinem Verteidiger substantiiert darzulegen (vgl. BGH, Beschluss vom 12. Februar 2008 - 1 StR 649/07, NStZ 2008, 418; vom 18. Dezember 1997 - 1 StR 483/97, NStZ 1998, 311; Urteil vom 26. August 1993 - 4 StR 364/93 aaO). In Fällen, in denen - wie hier - das Anhörungsverfahren nach § 142 Abs. 1 Satz 1 StPO zwar eingehalten wurde, dem Beschuldigten aber wegen der Gegebenheiten des Verfahrens zur Haftbefehlseröffnung eine nur sehr eingeschränkte Überlegungszeit für die Auswahl eines Verteidigers eingeräumt werden konnte, dürfen die Anforderungen an die Darlegung eines gestörten Vertrauensverhältnisses allerdings nicht überspannt werden.

2 Von diesem Maßstab ausgehend liegen die Voraussetzungen für einen Wechsel des Pflichtverteidigers vor. Die Ausführungen in den Schreiben des Beschuldigten vom 16. und 19. April 2012 lassen - zumal unter Berücksichtigung des Umstands, dass sich das Strafverfahren gegen den Beschuldigten noch in einem sehr früheren Verfahrensstadium befindet, - den Schluss zu, dass das für eine sachgerechte Verteidigung erforderliche Vertrauensverhältnis zwischen dem Beschuldigten und Rechtsanwalt S. nicht mehr besteht. Bei dieser Bewertung kommt es auf die Frage, ob die verschiedenen vom Beschuldigten erhobenen Behauptungen tatsächlich zutreffen, nicht maßgeblich an.

3 Die Bestellung des bisherigen Pflichtverteidigers Rechtsanwalt S. ist daher aufzuheben. Gemäß § 140 Abs. 1 Nr. 4, § 141 Abs. 4, § 142 Abs. 1 StPO wird Rechtsanwalt G. dem Beschuldigten als neuer Pflichtverteidiger beigeordnet.

Bender

Richter am Bundesgerichtshof

Keywords

mandatory defensetrust relationshipdefense counsel replacementinvestigation stageterrorismhearing requirement

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the previously appointed defense counsel should be removed for good cause due to a destroyed relationship of trust.

Extracted holding

Yes. The submissions showed that the trust relationship required for effective defense no longer existed, so removal was justified.

Extracted reasoning

Outside the scope of § 143 StPO, revocation of appointment is permissible for important cause when the purpose of mandatory defense is seriously endangered. A permanent and substantial breakdown of trust, assessed from the perspective of a reasonable accused, suffices. In this early procedural stage and with only limited time for counsel choice, the requirements for substantiating the breakdown must not be overstated.

Key legal question

Whether a new court-appointed defense counsel should be assigned.

Extracted holding

Yes. A new appointed defense counsel was designated for the accused.

Extracted reasoning

Because the prior appointment was revoked for good cause, replacement appointment followed under the mandatory defense provisions.

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