Erroneous leave cannot make an unappealable RVG complaint admissible

BGH III ZB 17/16Bgh / Civil Chamber IIIOct 27, 2016Dismissed

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Omnilex summary

The Federal Court of Justice held that a complaint against an RVG value determination is inadmissible before the BGH when Section 33(4) sentence 3 RVG excludes recourse to a supreme federal court. An erroneous leave order by the Higher Regional Court under Section 574 ZPO cannot create admissibility. The intervener for the defendant therefore failed with the further appeal and had to bear the costs; no extrajudicial costs were reimbursed.

Omnilex headnote

§ 33 Abs. 4 Satz 3 RVG; Zulässigkeit der Rechtsbeschwerde gegen eine Wertfestsetzung für Anwaltsgebühren; eine Beschwerde an einen obersten Gerichtshof des Bundes ist gesetzlich ausgeschlossen. Diese Sperre ist zwingend und wird durch eine irrtümliche Zulassung durch das Ausgangsgericht nicht überwunden; auch § 574 ZPO vermag die gesetzliche Unanfechtbarkeit nicht zu beseitigen. Eine trotz fehlerhafter Zulassung eingelegte Rechtsbeschwerde ist daher als unzulässig zu verwerfen (vgl. auch die Anpassung an § 66 Abs. 3 GKG).

Full text

BGH — III ZB 17/16, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-10-27

Aktenzeichen: III ZB 17/16

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:271016BIIIZB17.16.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 33 Abs 4 S 3 RVG, § 33 Abs 4 S 4 RVG, § 574 ZPO

Vorinstanz: vorgehend OLG Karlsruhe, 21. Dezember 2015, Az: 13 U 178/13vorgehend LG Konstanz, 4. September 2013, Az: 2 O 312/12

Spruchkörper: 3. Zivilsenat

Titelzeile

Wertfestsetzung für die Rechtsanwaltsgebühren durch das Oberlandesgericht: Anfechtbarkeit bei irrtümlicher Zulassung der Rechtsbeschwerde

Tenor

Die Rechtsbeschwerde der Streithelferin des Beklagten gegen den Beschluss des 13. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Karlsruhe in Freiburg vom 21. Dezember 2015 - 13 U 178/13 - wird auf ihre Kosten als unzulässig verworfen.

Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet (§ 33 Abs. 9 Satz 2 RVG).

Gegenstandswert: 4.055,05 €.

Gründe

I.

1 Das Oberlandesgericht hat mit dem angefochtenen Beschluss vom 21. Dezember 2015 nach § 33 Abs. 1 RVG den Wert des Gegenstands der anwaltlichen Tätigkeit der Prozessbevollmächtigten der Streithelferin - abweichend vom Gegenstandswert des Berufungsverfahrens (85.417 €) - auf 2.204 € festgesetzt. Hiergegen richtet sich die vom Oberlandesgericht nach § 574 ZPO zugelassene Rechtsbeschwerde.

II.

2 Die Rechtsbeschwerde ist unzulässig. Zwar hat das Oberlandesgericht die Beschwerde zugelassen und ist nach § 33 Abs. 4 Satz 4 Halbsatz 1 RVG (siehe auch § 574 Abs. 3 Satz 2 ZPO) das Beschwerdegericht an die Zulassung grundsätzlich gebunden. Allerdings bestimmt § 33 Abs. 4 Satz 3 RVG, dass eine Beschwerde an einen obersten Gerichtshof des Bundes nicht stattfindet. Diese Regelung ist vorrangig und kann durch die Zulassung nicht überspielt werden. Eine Entscheidung, die von Gesetzes wegen der Anfechtung entzogen ist, bleibt auch bei einer - irrigen - Zulassung nicht anfechtbar (vgl. nur BGH, Beschluss vom 9. Juni 2010 - XII ZB 75/10, NJW-RR 2011, 142 Rn. 4 f zu § 56 Abs. 2 Satz 1 iVm § 33 Abs. 4 Satz 3 RVG; siehe auch OLG Köln, JurBüro 2012, 651, 652 a.E.; Bischof, RVG, 6. Aufl., § 33 Rn. 44; Müller-Rabe/Burhoff in Gerold/Schmidt, RVG, 22. Aufl., § 56 Rn. 33; Schneider/Thiel in Anwaltkommentar RVG, 7. Aufl., § 33 Rn. 147, § 56 Rn. 45, 51). Dies entspricht der Rechtslage bezüglich der entsprechenden Regelungen im Gerichtskostengesetz (siehe zu § 66 Abs. 3 Satz 3 bzw. § 68 Abs. 1 Satz 5 GKG: BGH, Beschlüsse vom 6. Oktober 2009 - VI ZB 18/08, juris Rn. 4 und vom 18. April 2013 - I ZB 77/12, juris Rn. 10, 14).

3 Die der zitierten Rechtsprechung widersprechende Auffassung der Streithelferin, § 33 Abs. 4 Satz 3 RVG beziehe sich nur auf die Beschwerde nach § 33 Abs. 3 RVG, nicht aber auf eine Rechtsbeschwerde nach § 574 ZPO, ist unzutreffend. Zunächst ist vom Wortlaut her auch eine Rechtsbeschwerde eine Beschwerde. Nach § 33 Abs. 3 Satz 1 und 2 RVG ist im Übrigen eine Beschwerde zulässig, wenn entweder der Wert des Beschwerdegegenstands 200 € übersteigt oder wenn sie das Ausgangsgericht wegen grundsätzlicher Bedeutung zulässt. Ist allerdings Beschwerdegericht ein oberster Gerichtshof, ist die Beschwerde nach § 33 Abs. 4 Satz 3 RVG unzulässig beziehungsweise eine Zulassung unstatthaft. Würde man der Auffassung der Streithelferin folgen, wonach § 33 Abs. 4 Satz 3 RVG die Zulässigkeit einer vom Berufungsgericht zugelassenen Rechtsbeschwerde nicht ausschließt, käme man zu dem widersprüchlichen Ergebnis, dass im Fall des § 33 Abs. 3 Satz 2 RVG nach der speziellen Regelung des § 33 Abs. 4 Satz 3 RVG eine Zulassung der Beschwerde trotz Grundsatzbedeutung an den Bundesgerichtshof nicht statthaft ist, gleichzeitig nach der allgemeinen Regelung in § 574 Abs. 2 Nr. 1 ZPO eine Zulassung aber möglich wäre. Der Gesetzgeber wollte aber mit § 33 Abs. 4 Satz 3 RVG auch die Rechtsbeschwerde ausschließen. § 33 Abs. 4 RVG ist an die Regelung in § 66 Abs. 3 GKG angepasst (vgl. BT-Drucks. 15/1971, S. 196). § 66 Abs. 3 Satz 3 GKG entspricht § 5 Abs. 2 Satz 3 GKG a.F. (vgl. BT-Drucks. 15/1971, S. 157). Die durch Art. 32 Nr. 1 Buchst. a des ZPO-Reformgesetzes vom 27. Juli 2001 (BGBl. I 1887, 1916) neu gefasste Bestimmung des § 5 Abs. 2 Satz 3 GKG a.F. ("Eine Beschwerde an einen obersten Gerichtshof des Bundes findet nicht statt.") "schließt auch die Rechtsbeschwerde aus, weil für die Entscheidung hierüber der Bundesgerichtshof zuständig sein soll" (so ausdrücklich BT-Drucks. 14/4722 S. 139). Folgerichtig wurde bereits im Anwendungsbereich des § 5 Abs. 2 Satz 3 GKG a.F. eine Rechtsbeschwerde als nicht statthaft angesehen, auch wenn das Ausgangsgericht sie zugelassen hatte (vgl. nur BGH, Beschluss vom 1. Oktober 2002 - IX ZB 271/02, NJW 2003, 70).

Herrmann Seiters Reiter

Liebert Arend

Keywords

admissibilityfurther appealvalue determinationlawyer feesstatutory exclusioncosts

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Key legal question

Whether a further appeal is admissible against an RVG value-fixation order when the lower court erroneously granted leave to appeal.

Extracted holding

No. Section 33(4) sentence 3 RVG bars a complaint to a federal supreme court, and an erroneous leave order cannot override that statutory exclusion.

Extracted reasoning

The statutory prohibition is primary and cannot be displaced by leave granted under Section 574 ZPO or by the lower court’s mistaken authorization. A remedy excluded by law remains non-appealable despite erroneous leave; the wording and legislative history show that Section 33(4) RVG also excludes the further appeal.

Key legal question

How the costs of the inadmissible further appeal are to be allocated.

Extracted holding

The appellant intervenor must bear the costs; no extrajudicial costs are reimbursed.

Extracted reasoning

As the further appeal was inadmissible, the procedural costs follow the dismissal of the remedy, and the statute excludes reimbursement of extrajudicial costs.

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