Landfriedensbruch prevails over criminal damage in concurrence

BGH 4 StR 552/15Bgh / Criminal Chamber 4Jun 23, 2016Modified

Extracted by Omnilex

Omnilex summary

The Federal Court partly granted the defendant's revision against a Dortmund Regional Court judgment. It held that the criminal-damage conviction could not stand alongside landfriedensbruch because § 303 StGB gives way in concurrence to the violence-against-things variant of § 125(1) No. 1 StGB. The remaining conviction and the juvenile sentence of one year and six months, suspended on probation, were left untouched. The court also declined to charge the defendant with the costs and expenses of the revision.

Omnilex headnote

§ 125 Abs. 1 Nr. 1 StGB; Konkurrenz zu § 303 StGB: Verwirklicht dieselbe Handlung die Variante der Gewalttätigkeiten gegen Sachen, tritt Sachbeschädigung im Wege der Gesetzeskonkurrenz zurück. Die tateinheitliche Verurteilung wegen § 303 StGB ist dann aufzuheben, ohne dass dies regelmäßig die Strafe berührt, wenn das Tatgericht den Unrechtsgehalt der Sachbeschädigung bereits strafschärfend berücksichtigt hat und auszuschließen ist, dass es bei richtiger Konkurrenzbewertung milder erkannt hätte (vgl. consid. 2). Unzulässige Verfahrensrügen genügen den Anforderungen des § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO nicht, wenn die zur Beanstandung erforderlichen Urkunden und näheren Angaben zum Widerspruchsvorbringen fehlen. Kostenentscheidung im Jugendstrafverfahren kann nach §§ 74, 109 Abs. 2 JGG unterbleiben.

Full text

BGH — 4 StR 552/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-06-23

Aktenzeichen: 4 StR 552/15

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:230616B4STR552.15.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 125 Abs 1 Nr 1 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Dortmund, 30. April 2014, Az: 31 KLs 33/12

Spruchkörper: 4. Strafsenat

Titelzeile

Landfriedensbruch: Gesetzeskonkurrenz bei Zusammentreffen mit Sachbeschädigung

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Dortmund vom 30. April 2014 wird mit der Maßgabe als unbegründet verworfen, dass die tateinheitliche Verurteilung wegen Sachbeschädigung entfällt.

Es wird davon abgesehen, dem Angeklagten die Kosten und Auslagen des Revisionsverfahrens aufzuerlegen (§§ 74, 109 Abs. 2 JGG).

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Landfriedensbruchs in Tateinheit mit Sachbeschädigung unter Einbeziehung einer rechtskräftigen Vorverurteilung zu der Einheitsjugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt und die Vollstreckung der Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Die hiergegen gerichtete, auf die Verletzung formellen und materiellen Rechts gestützte Revision des Angeklagten erzielt lediglich den aus dem Tenor ersichtlichen geringfügigen Teilerfolg; im Übrigen erweist sich das Rechtsmittel als unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

2 1. Der Schuldspruch wegen Sachbeschädigung – tateinheitlich neben Landfriedensbruch gemäß § 125 Abs. 1 Nr. 1 StGB – begegnet durchgreifenden rechtlichen Bedenken. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs tritt § 303 StGB hinter die auch hier verwirklichte Variante der "Gewalttätigkeiten gegen Sachen" in Gesetzeskonkurrenz zurück (vgl. BGH, Urteil vom 7. Mai 1968 – 5 StR 699/67, bei Dallinger, MDR 1968, 727; Beschluss vom 9. September 1997 – 1 StR 730/96, BGHSt 43, 237, 238; ebenso OLG Karlsruhe, NJW 1979, 2415, 2416). Der Senat hat den Schuldspruch entsprechend geändert (§ 349 Abs. 4, § 354 Abs. 1 StPO). Er schließt aus, dass das Landgericht bei zutreffender Beurteilung des Konkurrenzverhältnisses eine mildere Strafe gegen den Angeklagten verhängt hätte. Es hat zwar die Verwirklichung des Tatbestands der Sachbeschädigung als Strafschärfungsgrund angeführt. Dies trifft aber auch auf ein gesetzeskonkurrierendes Delikt zu; im Übrigen darf auch ein solches Delikt strafschärfend herangezogen werden.

3 2. Ergänzend bemerkt der Senat:

4 Die Verfahrensrügen unter Ziff. I.2 (Revisionsbegründung des Rechtsanwalts F. , Seite 2 bis 8) sind nicht zulässig ausgeführt (§ 344 Abs. 2 Satz 2 StPO). Unter anderem fehlt die Vorlage des auf die Anfrage des Polizeipräsidiums D. vom 26. Mai 2011 erstatteten anthropologischen Gutachtens, der vom Polizeipräsidium gefertigten Lichtbilder sowie der Ausdrucke aus den in Augenschein genommenen Videodateien; ferner fehlt jeder nähere Vortrag zu der Begründung, mit der der Angeklagte Widerspruch gegen die Inaugenscheinnahme und Verwertung der Videoversionen 2 und 3 sowie des anthropologischen Gutachtens erhoben hatte.

Sost-Scheible Cierniak Franke

Bender Quentin

Keywords

public disordercriminal damageconcurrencerevisionjuvenile sentenceprobationprocedural complaintcosts

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether criminal damage stands alongside public disorder when the act involves violence against property

Extracted holding

Criminal damage under § 303 StGB yields to the special concurrence rule where the same conduct is already covered as violence against things under § 125(1) No. 1 StGB.

Extracted reasoning

The court followed its established case law that § 303 StGB is displaced by the landfriedensbruch variant of violence against things; the conviction had to be adjusted accordingly.

Key legal question

Whether the defendant's revision should otherwise succeed

Extracted holding

Apart from the deletion of the criminal-damage conviction, the revision was unfounded.

Extracted reasoning

The court found no further reversible error and held that the sentence would not have been milder had the lower court applied the correct concurrence analysis.

Key legal question

Whether the costs and necessary expenses of the revision should be imposed on the defendant

Extracted holding

The court refrained from imposing the costs and expenses of the revision on the defendant.

Extracted reasoning

The decision expressly ordered that no costs and expenses of the revision proceedings be charged to the defendant under the cited juvenile-law provisions.

Continue your research in ChatGPT or Claude

Connect Omnilex to search the legal corpus from your AI assistant.