Criminal trial interruption and three-week time limit

BGH 1 StR 590/15Bgh / Criminal Chamber IFeb 18, 2016Dismissed

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Omnilex summary

The Federal Court dismissed the defendant’s revision against the Munich Regional Court judgment. It rejected the complaints concerning the alleged failure to read a document, the interruption of the main hearing beyond three weeks, and the alleged lack of notice under § 265 StPO. The court held that the hearing interruption remained within the statutory limit because the interruption and resumption dates are excluded from the calculation and the defendant’s illness suspended the time limit by operation of law. The absence of a formal order establishing the suspension was irrelevant. Costs of the remedy were imposed on the defendant.

Omnilex headnote

§§ 228, 229 StPO; interruption of the main hearing and suspension of the interruption period by operation of law; the three-week period is calculated without counting the day of interruption and the day of resumption. If the defendant is prevented from attending due to illness after at least ten trial days, the running of the period is suspended under § 229 Abs. 3 StPO; the resumption of the hearing is timely if it occurs within the extended period under § 229 Abs. 3 S. 1 Halbs. 2 StPO. The suspension takes effect ex lege; the absence of a formal order under § 229 Abs. 3 S. 2 StPO does not preclude validity. A conviction does not rest on a § 265 StPO error where the accused was otherwise clearly informed of the possible legal characterization of the conduct.

Full text

BGH — 1 StR 590/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-02-18

Aktenzeichen: 1 StR 590/15

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:180216B1STR590.15.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 228 Abs 1 StPO, § 229 Abs 1 StPO, § 229 Abs 3 S 1 Halbs 2 StPO, § 229 Abs 3 S 2 StPO, § 229 Abs 4 S 1 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG München I, 30. April 2015, Az: 3 KLs 371 Js 153329/12

Spruchkörper: 1. Strafsenat

Titelzeile

Unterbrechung der Hauptverhandlung: Berechnung der Dreiwochenfrist; Eintritt der Fristhemmung kraft Gesetz

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts München I vom 30. April 2015 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Ergänzend zur Antragsschrift des Generalbundesanwalts bemerkt der Senat:

  1. Es bestehen bereits Bedenken hinsichtlich der Zulässigkeit der Rüge einer Verletzung von § 261 StPO, weil der Revisionsführer nicht vorträgt, dass der Inhalt der schriftlichen Auskunft von W. zu einer Überweisung nicht auf andere Weise in die Hauptverhandlung eingeführt worden ist. Vor dem Hintergrund der Einheit der Hauptverhandlung muss sich der Revisionsführer hierzu grundsätzlich verhalten (vgl. BGH, Urteil vom 17. Juli 2014 – 4 StR 78/14, NStZ 2014, 604 mwN). Zwar stellt die Kammer in den Urteilsgründen auf die „verlesene“ Urkunde ab (vgl. hierzu BGH, Beschluss vom 22. September 2006 – 1 StR 298/06, NStZ 2007, 235, 236). Weil es sich aber um einen denkbar überschaubaren Urkundeninhalt handelt, der auch auf einen Blick erfasst werden kann (vgl. hierzu BGH, Beschluss vom 12. Dezember 2013 – 3 StR 267/13, NStZ 2014, 606), und sich der nichtrevidierende Mitangeklagte als Absender des Geldes ausweislich der Urteilsgründe ganz ausführlich zu dieser Überweisung, deren Höhe, der Empfängerin und der Transaktionsnummer geäußert hat (UA S. 14 f.), war entsprechender Vortrag hierzu zu erwarten.

Jedenfalls ist die Rüge unbegründet, denn der Senat kann angesichts der ausführlichen Angaben des genannten Mitangeklagten zu der Überweisung ausschließen, dass das Urteil auf einem solchen Rechtsfehler beruht. Ist der Inhalt eines Schriftstücks in der Hauptverhandlung erörtert und auch nicht bestritten worden, dass das Schriftstück diesen Inhalt hat, so kann ein Urteil regelmäßig nicht darauf beruhen, dass das Schriftstück nicht verlesen worden ist (BGH, Beschluss vom 22. September 2006 – 1 StR 298/06, NStZ 2007, 235, 236).

  1. Die Rüge einer Verletzung von § 228 Abs. 1, § 229 StPO ist unbegründet. Es liegt keine unzulässige Überschreitung der dreiwöchigen Unterbrechungsfrist (§ 229 Abs. 1 und 4 Satz 1 StPO) vor.

Am 23. Februar 2015 (41. Hauptverhandlungstag) wurde die Hauptverhandlung vom Vorsitzenden unterbrochen. Zwar konnte der ursprünglich vorgesehene Fortsetzungstermin am 12. März 2015 nicht stattfinden, weil aus unerfindlichen Gründen ein Schöffe nicht erschienen war. Der vom Vorsitzenden deshalb angesetzte Fortsetzungstermin am 18. März 2015 wahrte aber noch die Frist des § 229 Abs. 1 StPO. Bei dieser Fristberechnung sind weder der Tag, an dem die Unterbrechung angeordnet wird, noch derjenige, an dem die Verhandlung wieder aufgenommen wird, in die Frist einzuberechnen (BGH, Beschluss vom 20. März 2014 – 3 StR 408/13, NStZ 2014, 469 mwN). Die am Montag, den 23. Februar 2015 unterbrochene Hauptverhandlung musste nach § 229 Abs. 4 Satz 1 StPO also erst am Mittwoch, den 18. März 2015 fortgesetzt werden.

Da der inhaftierte Angeklagte an diesem Tag, wie die Revision unter Vorlage einer Bestätigung der zuständigen Justizvollzugsanstalt vorträgt, erkrankt war und deshalb an der Hauptverhandlung nicht teilnehmen konnte, zudem die Hauptverhandlung schon bereits an mindestens zehn Tagen stattgefunden hatte, war der Lauf der Frist während der Dauer der Verhinderung des Angeklagten nach § 229 Abs. 3 Satz 1 StPO gehemmt. Zwar war die Erkrankung des Angeklagten nach der Auskunft der Justizvollzugsanstalt nicht von langer Dauer. Die zulässige Unterbrechung endete gemäß § 229 Abs. 3 Satz 1 Halbsatz 2 StPO aber frühestens zehn Tage nach Ablauf der Hemmung. Die Fortsetzung der Hauptverhandlung am 23. März 2015 war demnach rechtzeitig. Ein Verstoß gegen § 228 Abs. 1, § 229 StPO liegt nicht vor.

Dass das Gericht entgegen § 229 Abs. 3 Satz 2 StPO den Beginn und das Ende der Hemmung nicht durch Beschluss festgestellt hat, steht dem nicht entgegen. Die Hemmung tritt kraft Gesetzes ein (BGH, Urteil vom 12. August 1992 – 5 StR 234/92, NStZ 1992, 550, 551). Zu einer weiteren freibeweislichen Klärung der Frage, ob und wie lange der Angeklagte erkrankt war (hierzu näher Gmel, in KK, 7. Aufl., § 229 Rn. 15), bestand für den Senat angesichts der aussagekräftigen Bestätigung durch die Justizvollzugsanstalt kein Anlass.

  1. Soweit der Revisionsführer einen Verstoß gegen § 265 Abs. 1 StPO mit der Begründung rügt, ihm sei nicht der förmliche Hinweis erteilt worden, dass er im Fall 1 wegen Beihilfe statt Täterschaft verurteilt werden könnte, schließt der Senat jedenfalls ein Beruhen des Urteils auf diesem Rechtsfehler aus. Der Revisionsführer war nicht nur durch die Mitteilung eines Gesprächs zwischen Gericht und Verteidiger (vgl. Antragsschrift des Generalbundesanwalts S. 6), sondern auch durch den Nichtabhilfe-Beschluss des Landgerichts vom 20. Januar 2015 im Rahmen des Haftbeschwerdeverfahrens eindeutig und unmissverständlich darauf hingewiesen worden, dass die Kammer seine mögliche Beteiligung an der fraglichen Tat als Beihilfe und nicht als Täterschaft wertet. In welche Richtung er sich verteidigen musste, konnte dem Angeklagten demnach nicht zweifelhaft sein (vgl. zum Ausschluss des Beruhens in solchen Konstellationen Meyer-Goßner, in Meyer-Goßner/Schmitt, 58. Aufl., § 265 Rn. 48 mwN).

Raum Jäger Cirener

Mosbacher Bär

Keywords

revisiontrial interruptiontime limitsuspension by operation of lawnotice requirementdocument evidenceharmless errorcosts

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the complaint alleging violation of § 261 StPO was admissible and well founded because a written statement was not read at trial.

Extracted holding

The complaint was at least doubtful in admissibility and in any event unfounded because the trial record showed the document content had been discussed and the judgment could not rest on the lack of formal reading.

Extracted reasoning

The appellant did not explain that the document’s content had not otherwise entered the trial. Given the short and readily graspable content and the detailed statements of the co-defendant, no causal error was shown.

Key legal question

Whether the continuation of the main hearing on 23 March 2015 violated the three-week interruption limit under §§ 228, 229 StPO.

Extracted holding

No unlawful exceedance of the interruption period occurred; the hearing was continued in time.

Extracted reasoning

For calculation, the interruption day and the resumption day are excluded. The defendant’s illness on 18 March 2015 suspended the period by operation of law, and the hearing resumed within the permissible time after the suspension ended.

Key legal question

Whether the absence of a formal judicial order determining the start and end of the suspension under § 229 Abs. 3 S. 2 StPO affected the validity of the interruption.

Extracted holding

No; the suspension arises by operation of law, so the missing formal determination did not matter.

Extracted reasoning

The statute’s formal determination requirement does not condition the legal effect of the suspension; the court also had sufficient medical confirmation.

Key legal question

Whether the conviction violated § 265 Abs. 1 StPO because no formal notice was given that the defendant might be convicted as an aider rather than as a principal.

Extracted holding

Any error was harmless because the defendant had already been clearly informed of the possible legal assessment.

Extracted reasoning

He was unmistakably notified through communications between court and defense and through the district court’s refusal order in the detention appeal proceedings, so his defense strategy could not have been unclear.

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