Revision: appellate court adds omitted individual fines

BGH 1 StR 406/15Bgh / Criminal Chamber IJan 12, 2016Modified

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Omnilex summary

The Federal Court of Justice rejected the accused's revision against a Regional Court judgment convicting him of various tax, insolvency, and company-law offenses. It held that the lower court had inadvertently omitted individual fines for two counts of false statements under the GmbHG. Applying § 354(1) StPO by analogy, the court supplemented the sentence with five day-fines of EUR 10 each. The mis-citation of the applicable company-law provision in the list of statutory provisions was treated as a harmless clerical error. The accused had to bear the costs of his appeal.

Omnilex headnote

§ 354 Abs. 1 StPO, § 358 Abs. 2 StPO; Nachholung einer versehentlich unterbliebenen Einzelstrafe im Revisionsverfahren. Hat das Tatgericht bei rechtsfehlerfrei bestimmtem Strafrahmen einzelne Strafen übersehen, kann das Revisionsgericht die unterlassene Strafausspruchsergänzung in entsprechender Anwendung von § 354 Abs. 1 StPO selbst vornehmen, sofern ausschließlich die Nachholung der fehlenden Einzelstrafe in Betracht kommt. Das Verschlechterungsverbot des § 358 Abs. 2 StPO steht der Ergänzung nicht entgegen. Ein offensichtlicher Schreibfehler in der Liste der angewendeten Vorschriften bleibt unbeachtlich, wenn die Feststellungen die zutreffende Strafnorm zweifelsfrei tragen.

Full text

BGH — 1 StR 406/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-01-12

Aktenzeichen: 1 StR 406/15

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:120116B1STR406.15.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 354 Abs 1 StPO, § 358 Abs 2 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Stade, 24. März 2015, Az: 12 KLs 141 Js 5173/09 (15/09)nachgehend BGH, 4. April 2016, Az: 1 StR 406/15, Beschluss

Spruchkörper: 1. Strafsenat

Titelzeile

Strafverfahren: Revisionsgerichtliche Nachholung der Festsetzung einer Einzelstrafe

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Stade vom 24. März 2015 wird mit der Maßgabe als unbegründet verworfen, dass in den Fällen II.2.a) Ziffern 18 und 19 der Urteilsgründe jeweils eine Einzelgeldstrafe von fünf Tagessätzen zu je zehn Euro verhängt wird.

Der Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten u.a. wegen mehrerer Taten der Steuerhinterziehung und Beihilfe zu solchen Taten, Insolvenzstraftaten sowie wegen zwei Fällen der Gründungstäuschung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt, von der zwei Monate als vollstreckt gelten.

2 Seine gegen das Urteil gerichtete, auf mehrere Verfahrensbeanstandungen und die ausgeführte Sachrüge gestützte Revision weist keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten auf.

3 1. Allerdings hat es das Landgericht versehentlich unterlassen, im Anschluss an die rechtsfehlerfreie Bestimmung des für die beiden Straftaten gemäß § 82 Abs. 1 GmbHG ("Falsche Angaben") in den Fällen II.2.a) Ziffern 18 und 19 des Urteils zur Verfügung stehenden Strafrahmens (UA S. 75) konkrete Einzelstrafen zu verhängen.

4 Der Senat holt daher für die beiden vorgenannten Taten in entsprechender Anwendung von § 354 Abs. 1 StPO die unterbliebene Verhängung der Einzelstrafen nach. Er setzt diese auf das gesetzliche Mindestmaß des § 40 Abs. 1 Satz 2 StGB und damit auf jeweils fünf Tagessätze fest. Da das Tatgericht die Höhe eines Tagessatzes bei den von ihm verhängten Einzelgeldstrafen rechtsfehlerfrei auf zehn Euro bestimmt hat, setzt der Senat diese Höhe ebenfalls fest. Das Verschlechterungsverbot (§ 358 Abs. 2 StPO) steht der Nachholung der Einzelstrafen durch den Senat nicht entgegen (Senat, Beschlüsse vom 26. Februar 2014 – 1 StR 6/14, NStZ-RR 2014, 186 und vom 30. April 2015– 1 StR 26/15 Rn. 4 jeweils mwN).

5 2. Soweit das Landgericht in der durch § 260 Abs. 5 Satz 1 StPO vorgeschriebenen Liste der angewendeten Vorschriften hinsichtlich der beiden Taten der "Falschen Angaben" § 82 Abs. 1 Nr. 1 GmbHG statt zutreffend § 82 Abs. 1 Nr. 5 GmbHG nennt, handelt es sich ersichtlich um einen unbeachtlichen Schreibfehler (vgl. dazu BGH, Beschluss vom 25. September 2013 – 4 StR 351/13 Rn. 4 – insoweit in NStZ-RR 2014, 16 nicht abgedruckt). Die ohne Rechtsfehler getroffenen Feststellungen belegen eindeutig die Voraussetzungen der Strafbarkeit aus § 82 Abs. 1 Nr. 5 GmbHG (zu diesen näher KG, Urteil vom 8. April 2014 – 121 Ss 25/14, GmbHR 2015, 868 f.; siehe auch U. Haas WM 2006, 1369, 1372). Das gilt sowohl für § 82 Abs. 1 Nr. 5 GmbHG in der bis zum 31. Oktober 2008 geltenden und damit für die Tat vom 8. Juli 2008 (Fall II.2.a) Ziffer 19 der Urteilsgründe) maßgeblichen Fassung als auch für die seit 1. November 2008 geltende, auf die Tat vom 6. November 2008 (Fall II.2.a) Ziffer 18 der Urteilsgründe) anwendbare Fassung.

Raum Graf Jäger Radtke Fischer

Keywords

revisionomitted sentencefineday-fineclerical errorworsening prohibitioncompany law offensetax offense

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Key legal question

Whether the revision had to be dismissed despite the omission of individual sentences for two counts

Extracted holding

The revision was unfounded and was rejected, but only after the missing individual fines were added by the appellate court.

Extracted reasoning

The first-instance court had mistakenly failed to impose individual penalties for the two counts of false statements. The Federal Court could complete this omission by analogous application of § 354(1) StPO. The prohibition of worsening under § 358(2) StPO did not bar the correction.

Key legal question

Whether the missing individual fines could be set at appellate level

Extracted holding

Yes. The court imposed for each of the two counts five day-fines of ten euros, corresponding to the statutory minimum under § 40(1) sentence 2 StGB and to the first-instance court's valid assessment of the daily rate.

Extracted reasoning

Because the applicable sentencing framework had already been correctly determined, only the omitted individual punishment had to be supplemented. The statutory minimum was appropriate, and the daily rate could be taken over unchanged from the valid lower-court assessment.

Key legal question

Whether the incorrect statutory reference in the list of applied provisions required reversal

Extracted holding

No. The citation of § 82(1) no. 1 GmbHG instead of § 82(1) no. 5 GmbHG was an obvious clerical error.

Extracted reasoning

The findings clearly established liability under § 82(1) no. 5 GmbHG, in both the older and the newer version applicable to the two acts.

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