Binding effect of criminal findings in disciplinary proceedings

BGH StbSt (R) 2/15Bgh / Senat FüR Steuerberater Und SteuerbevollmäChtigtensachenSep 28, 2015Dismissed

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Omnilex summary

The Federal Court rejected the tax adviser’s revision against the Hamburg disciplinary judgment. It held that the criminal findings remained binding under § 109(3) StBerG because the disciplinary court had not had any doubts about their correctness, and the later, mistakenly initiated taking of evidence did not have to be considered. The court also found the damage amount in the breach-of-trust case sufficiently concretized and saw no violation of ne bis in idem, since disciplinary sanctions are not criminal penalties and the lower court had considered the parallel professional measure when assessing proportionality. Costs were imposed on the appellant.

Omnilex headnote

§ 109 Abs. 3 StBerG; § 261 StPO; Art. 103 Abs. 3 GG; disciplinary court bound by factual findings in criminal proceedings unless the members of the court, by majority, entertain doubts as to their correctness and order a renewed evidentiary inquiry. Evidence taken without such doubts, based merely on an erroneous legal understanding, is not to be used. A disciplinary judgment need not reproduce the criminal court’s evidentiary reasoning if the damage is concretely quantified and substantiated by binding facts. The prohibition of double punishment does not apply to professional disciplinary measures; parallel professional sanctions may, however, be relevant in the proportionality assessment (consid. 1-3).

Full text

BGH — StbSt (R) 2/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2015-09-28

Aktenzeichen: StbSt (R) 2/15

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 109 Abs 3 S 1 StBerG, § 261 StPO

Vorinstanz: vorgehend Hanseatisches Oberlandesgericht Hamburg, 18. Februar 2015, Az: 1 StO 1/14

Spruchkörper: Senat für Steuerberater- und Steuerbevollmächtigtensachen

Titelzeile

Berufsgerichtliches Verfahren gegen Steuerberater: Bindungswirkung der tatsächlichen Feststellungen im Strafverfahren; Gegenstand einer neuen Beweisaufnahme

Tenor

Die Revision des Steuerberaters gegen das Urteil des 1. Senats für Steuerberater- und Steuerbevollmächtigtensachen beim Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg vom 18. Februar 2015 wird als unbegründet verworfen, weil die Nachprüfung des Urteils auf die Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Steuerberaters ergeben hat.

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Ergänzend zu den zutreffenden Ausführungen des Generalbundesanwalts in seiner Antragsschrift bemerkt der Senat:

  1. Zur Verfahrensrüge eines Verstoßes gegen § 109 Abs. 3 StBerG, § 261 StPO:

Die Rüge ist unbegründet. Nach § 109 Abs. 3 Satz 1 StBerG sind für die Entscheidung im berufsgerichtlichen Verfahren die tatsächlichen Feststellungen im Strafverfahren bindend, auf denen die Entscheidung des Gerichts beruht. In dem berufsgerichtlichen Verfahren kann ein Gericht jedoch die nochmalige Prüfung solcher Feststellungen beschließen, deren Richtigkeit seine Mitglieder mit Stimmenmehrheit bezweifeln (§ 109 Abs. 3 Satz 2 StBerG). Dies war hier jedoch nicht der Fall.

Ausweislich der Gründe des angefochtenen Urteils sowie des Beschlusses vom 4. Februar 2015 (Anlage 14 zum Hauptverhandlungsprotokoll vom 4. Februar 2015, RB S. 16 ff.) hatte das Oberlandesgericht keine Zweifel an der Richtigkeit der strafgerichtlichen Feststellungen und legte deswegen diese Feststellungen seiner Entscheidung als bindend zugrunde (UA S. 8). Soweit das Oberlandesgericht auf Anregung der Verteidigung zunächst Beweise zu tragenden Gründen der strafgerichtlichen Entscheidungen erhoben hatte, beruhte dies auf einer später als unrichtig erkannten und noch vor der Entscheidung über die Berufung des Beschwerdeführers korrigierten Rechtsauffassung. Das Oberlandesgericht hat deshalb die Ergebnisse dieser Beweisaufnahme auch nicht berücksichtigt (Beschluss vom 4. Februar 2015, aaO S. 2).

Die Auffassung des Beschwerdeführers, aus den Grundsätzen des Urteils des Bundesgerichtshofs vom 4. März 1985 (AnwSt (R) 22/84, BGHSt 33, 155) ergebe sich der Wegfall der Bindungswirkung und die Pflicht, die neu erhobenen Beweise auch zu würdigen, trifft nicht zu. Denn im dortigen Verfahren hatten Zweifel zu weiteren Ermittlungen geführt, deren Ergebnisse im Verfahren auch verwertet wurden (BGH, Urteil vom 4. März 1985 - AnwSt (R) 22/84, aaO 5. 158 f.). Dies kommt insbesondere darin zum Ausdruck, dass das Gericht im dortigen Verfahren erst aufgrund der erhobenen Beweise keinen Anlass sah, die Feststellungen des Strafurteils anzuzweifeln (BGH, Urteil vom 4. März 1985 - AnwSt (R) 22/84, aaO). Demgegenüber hatte das Oberlandesgericht hier, wie sich aus Seite 2 des genannten Beschlusses dieses Gerichts ergibt, gerade keine Zweifel an der Richtigkeit der in den strafgerichtlichen Urteilen getroffenen Feststellungen. Es sah sich zunächst lediglich nicht gehindert, eine Beweisaufnahme zu weiteren Umständen durchzuführen, auf die sich die Verteidigung im Rahmen ihrer gegen die Richtigkeit der strafgerichtlichen Feststellungen vorgetragenen Bedenken berief, um diese sich nicht aus den strafgerichtlichen Urteilen ergebenden Gesichtspunkte näher aufzuklären. Die vom Oberlandesgericht noch vor seiner Entscheidung korrigierte Auffassung war zwar unrichtig, weil nur die Beseitigung von Unklarheiten oder Widersprüchen in den Strafurteilen oder die Ermittlung zusätzlicher, ihnen nicht zugrunde liegender Tatsachen Gegenstand einer Beweisaufnahme sein durfte (BGH, Urteil vom 4. März 1985 - AnwSt (R) 22/84, aaO). Sie offenbart aber nicht, dass das Oberlandesgericht Zweifel an der Richtigkeit der strafgerichtlichen Feststellungen gehabt hätte. Die Bindungswirkung bestand daher fort; rechtsfehlerfrei hat das Oberlandesgericht somit die unzulässig erhobenen Beweise auch nicht verwertet.

  1. Zu den sachlich-rechtlichen Einwendungen gegen die Höhe des festgestellten Vermögensschadens aus der von dem Revisionsführer begangenen Untreuetaten:

Der eingetretene Vermögensschaden ist auch ausgehend von den Maßstäben des Bundesverfassungsgerichts hinreichend konkretisiert: Er wurde genau beziffert (Vertrag 1: 224.000 Euro; Vertrag 2: 274.000 Euro; UA S. 25). Damit liegt keine „Verschiebung“ der Tatbestandsmerkmale Pflichtverletzung und Vermögensnachteil des § 266 StGB vor. Die Höhe der schadensgleichen Vermögensgefährdung ist auch mit (bindend festgestellten) Tatsachen belegt: Bei sachgerechter Verhandlungsführung hätten Verträge abgeschlossen werden können, die zum Zeitpunkt ihres Abschlusses einen geldwerten Vorteil in der genannten Höhe aufgewiesen hätten (UA S. 25). Die hierzu im Strafurteil erfolgte Beweiswürdigung musste im Urteil des Oberlandesgerichts nicht wiedergegeben werden.

  1. Zur Rüge eines Verstoßes gegen das sich aus Art. 103 Abs. 3 GG ergebende Verbot der Doppelbestrafung:

a) Ein Verstoß gegen den Grundsatz „ne bis in idem" liegt nicht vor, weil berufsgerichtliche Maßnahmen nicht aufgrund der allgemeinen Strafgesetze im Sinne des Art. 103 Abs. 3 GG verhängt werden (vgl. BVerfG, Beschluss vom 29. Oktober 1969 - 2 BvR 545/68, BVerfGE 27, 180, 184 ff.).

b) Soweit der Beschwerdeführer die vorliegend bestehende Besonderheit paralleler berufsgerichtlicher Verfahren geltend macht, ist ein Rechtsfehler bei der Sanktionsbemessung nicht vorhanden. Das Oberlandesgericht hat die Wirkungen der von der Wirtschaftsprüferkammer des Landgerichts Berlin verhängten berufsgerichtlichen Maßnahme im Rahmen der Verhältnismäßigkeitsprüfung ausdrücklich berücksichtigt (UA S. 27).

Jäger König Bellay

Schulze Große-Hokamp

Keywords

disciplinary proceedingsbinding effectcriminal findingsevidence takingdamage assessmentbreach of trustdouble jeopardyproportionalityprofessional sanction

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the disciplinary court violated § 109(3) StBerG and § 261 StPO by taking and then not using new evidence despite binding criminal findings.

Extracted holding

No. The criminal findings remained binding because the disciplinary court had no doubts about them; its later evidentiary steps were based on a mistaken, corrected legal view and did not require reassessment of the criminal findings.

Extracted reasoning

Under § 109(3) sentence 1 StBerG, criminal findings bind the disciplinary court. Re-examination under sentence 2 is allowed only if the court members doubt their correctness by majority. Here no such doubts existed; the court merely conducted an unnecessary inquiry into matters outside the criminal judgments and properly did not use those results.

Key legal question

Whether the damage amount from the breach of trust was insufficiently concretized or unlawfully treated as a mere danger to assets.

Extracted holding

No. The damage was sufficiently concretized by precise amounts and supported by binding facts showing that economically valuable contracts could have been concluded.

Extracted reasoning

The damage was quantified as 224,000 euros and 274,000 euros. This avoided any impermissible shifting of the elements of duty breach and asset loss under § 266 StGB; the disciplinary judgment did not need to restate the criminal court's evidentiary assessment.

Key legal question

Whether the disciplinary sanction violated the prohibition of double punishment under Art. 103(3) GG.

Extracted holding

No. Disciplinary measures are not criminal penalties within Art. 103(3) GG, and the parallel professional sanction imposed by the Chamber of Public Accountants was duly considered in the proportionality assessment.

Extracted reasoning

Ne bis in idem does not apply because professional disciplinary measures are not imposed under the general criminal laws. In addition, the lower court expressly took account of the effect of the parallel disciplinary measure when determining the sanction.

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