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BGH 3 StR 502/14 ΓÇó Double counting prohibited in sentence for child sexual abuse
BGH 3 StR 502/14Bgh / Criminal Chamber IIIDec 9, 2014Partially Granted
The Federal Court partly upheld the defendant’s cassation complaint against a Regional Court conviction for multiple counts of child sexual abuse and severe child sexual abuse. It found that the sentencing court had violated the prohibition of double counting by treating the repeated commission of the acts, the lowered inhibition threshold, and the penetration itself as aggravating factors, although these elements already formed part of the offense or its aggravated form. The individual sentences for counts II.A.1-29 and the total sentence were therefore set aside, but the factual findings remained binding. The remainder of the revision was dismissed.
§ 46 Abs. 3 StGB; sentencing may not be aggravated by circumstances that constitute the offence itself or the statutory aggravating elements. In child sexual abuse cases, the repeated commission of the act cannot be used again as an aggravating factor; likewise, facts that justify the higher penalty range of the aggravated offence may not be weighed against the accused once more. If the sentencing rationale is tainted by such double counting, the individual sentences and the aggregate sentence must be set aside, while the factual findings may remain intact if unaffected by the error.
Entscheidungsdatum: 2014-12-09
Aktenzeichen: 3 StR 502/14
Dokumenttyp: Beschluss
Normen: § 46 Abs 3 StGB, § 176 Abs 1 StGB, § 176a Abs 1 Nr 1 StGB vom 13.11.1998, § 176a Abs 2 Nr 1 StGB vom 27.12.2003
Vorinstanz: vorgehend LG Osnabrück, 30. Juni 2014, Az: 3 KLs 32/13
Spruchkörper: 3. Strafsenat
Sexueller Missbrauch eines Kindes: Verstoß gegen das Doppelverwertungsverbot bei der Strafzumessung
Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.
1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes in 20 Fällen (§ 176 Abs. 1 StGB aF - Fälle II. A. 1. bis 20. der Urteilsgründe -) und wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in 10 Fällen (§ 176a Abs. 1 Nr. 1 StGB aF - Fälle II. A. 21. bis 29. der Urteilsgründe - sowie § 176a Abs. 2 Nr. 1 StGB nF - Fall II. B. der Urteilsgründe) zu der Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Die auf die Rüge der Verletzung materiellen Rechts gestützte Revision hat den aus der Beschlussformel ersichtlichen Teilerfolg; im Übrigen ist sie unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.
2 Die Einzelstrafen in den Fällen II. A. der Urteilsgründe haben keinen Bestand; dies führt zur Aufhebung des Urteils auch im Ausspruch über die Gesamtstrafe.
3 Bei der Bemessung sämtlicher dieser Einzelstrafen hat das Landgericht strafschärfend bewertet, dass der Angeklagte - "statt aufzuhören und sein eigenes Verhalten zu reflektieren" - immer wieder sexuelle Handlungen an seiner Tochter vorgenommen habe. Zudem hat es in den Fällen II. A. 21. bis 28. zu Lasten des Angeklagten dessen "jetzt deutlich gesunkene Hemmschwelle" berücksichtigt, die sich "in der zusätzlichen Penetration des Kindes" zeige. Damit hat das Landgericht gegen das Verbot der Doppelverwertung (§ 46 Abs. 3 StGB) verstoßen, denn es hat in allen der genannten Fälle als straferhöhenden Umstand angesehen, dass der Angeklagte die ihm zur Last gelegten Taten überhaupt begangen hat. In den Fällen II. A. 21. bis 28. hat es darüber hinaus die Umstände strafschärfend berücksichtigt, welche die gegenüber § 176 Abs. 1 StGB erhöhte Strafandrohung in § 176a Abs. 1 Nr. 1 StGB aF begründen.
4 Die zugehörigen Feststellungen bleiben von dem Wertungsfehler unberührt und können aufrechterhalten bleiben.
Becker Hubert Schäfer
Mayer Spaniol