Requirements for a proper witness offer of proof

BGH IX ZR 88/14Bgh / Civil Chamber 9Dec 4, 2014Dismissed

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Omnilex summary

The BGH rejected the defendant's complaint against denial of leave to appeal in an insolvency avoidance dispute. It held that the appellate court had lawfully inferred imminent illiquidity and the subjective requirements of § 133(1) InsO from the debtor's loan situation and the failed restructuring efforts. The asserted hearing violation failed because the witness and expert offers were insufficiently substantiated; in particular, the witness named only as the 'responsible employee' was not properly identified under § 373 ZPO. Costs were imposed on the defendant.

Omnilex headnote

§ 373 ZPO; Art. 103 Abs. 1 GG; § 133 Abs. 1 InsO: A witness offer must individualize the witness with sufficient certainty; a mere reference to an 'employee responsible' is generally insufficient unless the person is otherwise identifiable by concrete functional description. A right-to-be-heard complaint based on omitted evidence fails where the evidence offer is unsubstantantiated or the proposed proof concerns immaterial facts. In insolvency avoidance matters, the appellate court may infer imminent illiquidity and debtor knowledge from the factual circumstances of loan acceleration and the absence of a final, coherent restructuring concept with creditor approval (consid. 2-3).

Full text

BGH — IX ZR 88/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-12-04

Aktenzeichen: IX ZR 88/14

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 373 ZPO

Vorinstanz: vorgehend KG Berlin, 21. März 2014, Az: 14 U 24/13vorgehend LG Berlin, 7. Februar 2013, Az: 5 O 82/12

Spruchkörper: 9. Zivilsenat

Titelzeile

Zivilrechtsstreit: Anforderungen an einen ordnungsgemäßen Zeugenbeweisantritt

Tenor

Die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision im Urteil des 14. Zivilsenats des Kammergerichts in Berlin vom 21. März 2014, berichtigt durch Beschluss vom 23. Mai 2014, wird auf Kosten der Beklagten zurückgewiesen.

Der Streitwert wird auf 214.051,11 € festgesetzt.

Gründe

1 Die Beschwerde deckt keinen Zulassungsgrund auf.

2 1. Soweit das Berufungsgericht eine mindestens drohende Zahlungsunfähigkeit der Schuldnerin als Grundlage der subjektiven Voraussetzungen des § 133 Abs. 1 InsO festgestellt hat, greift ein Zulassungsgrund nicht durch.

3 Das Berufungsgericht hat das Schreiben der Beklagten vom 11. Oktober 2007 in tatrichterlicher Auslegung ohne zulassungsrelevanten Rechtsfehler dahin gedeutet, dass die Beklagte den gesamten Darlehensbetrag fällig gestellt hat, zu dessen Rückzahlung die Schuldnerin außerstande war. Von einer unbedenklichen Willensrichtung der Beteiligten kann nicht mit Rücksicht auf einen ernsthaften, aber gescheiterten Sanierungsversuch ausgegangen werden, weil es nach den tatgerichtlichen Feststellungen sowohl an einem endgültigen, schlüssigen Sanierungskonzept (vgl. BGH, Urteil vom 3. April 2014 - IX ZR 201/13, WM 2014, 1009 Rn. 40 f) als auch der Zustimmung der hauptsächlichen Kreditgeber (vgl. BGH, Urteil vom 8. Dezember 2011 - IX ZR 156/09, WM 2012, 146 Rn. 13) und der um Nachschüsse ersuchten Kommanditisten fehlte.

4 2. Die geltend gemachten Gehörsrügen (Art. 103 Abs. 1 GG) greifen nicht durch.

5 a) Im Blick auf den angebotenen Zeugen- und Sachverständigenbeweis ist das Berufungsgericht zutreffend von einer fehlenden Substantiierung ausgegangen.

6 b) Der Antritt des Zeugenbeweises unter Bezug auf den "zuständigen Mitarbeiter" war überdies auch deshalb unbeachtlich, weil die Beweisperson nicht benannt wurde. Die Berufung auf das "Zeugnis NN" reicht als Beweisantritt gemäß § 373 ZPO grundsätzlich nicht aus (BGH, Urteil vom 16. März 1983 - VIII ZR 346/81, NJW 1983, 1905, 1908 aE; vom 4. März 2011 - V ZR 190/10, NJW 2011, 1738 Rn. 8). Ausnahmsweise ist ein Angebot auf Vernehmung eines mit "NN" benannten Zeugen zu berücksichtigen, wenn dieser - etwa durch Hinweis auf seine konkrete betriebliche Funktion - hinreichend individualisierbar ist (BGH, Urteil vom 5. Mai 1998 - VI ZR 24/97, NJW 1998, 2368, 2369). Die pauschale Benennung eines "instruierten Mitarbeiters" lässt die gebotene Individualisierung vermissen (BFH, Beschluss vom 29. Juni 2010 - III B 168/09, BFH/NV 2010, 1847 Rn. 7). Ebenso verhält es sich im Streitfall, wo sich die Beklagte auf das Zeugnis des "zuständigen Mitarbeiters" berufen hat.

7 c) Das Berufungsgericht hat kein aus seiner rechtlichen Warte erhebliches tatsächliches Vorbringen der Beklagten übergangen. Der zum 31. Dezember 2006 erstellte, von der Beschwerde einseitig zu ihren Gunsten fehlinterpretierte Jahresabschluss der Schuldnerin ist jedenfalls für die Beurteilung ihrer Zahlungsfähigkeit ohne Bedeutung, weil er nicht den hier einschlägigen Zahlungszeitraum ab November 2007 betrifft (vgl. BGH, Urteil vom 19. Juni 2012 - II ZR 243/11, WM 2012, 1539 Rn. 16). Das Prolongationsangebot der Schuldnerin im Schreiben vom 25. September 2007 war aufgrund der Fälligstellung des Darlehens durch das Schreiben vom 11. Oktober 2007 überholt.

8 3. Die angefochtene Entscheidung wirft, soweit das Berufungsgericht aus der Kenntnis der drohenden Zahlungsunfähigkeit der Schuldnerin die subjektiven Voraussetzungen des § 133 Abs. 1 InsO hergeleitet hat, einen Rechtsfortbildungsbedarf nicht auf.

Kayser Gehrlein Pape

Grupp Möhring

Keywords

witness evidenceright to be heardinsolvency avoidanceilliquiditysubstantiationleave to appeal

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the complaint disclosed grounds for admitting revision against findings of imminent illiquidity and debtor knowledge under § 133(1) InsO.

Extracted holding

No admissibility ground was shown; the appellate court's assessment of the letter of 11 October 2007 and the finding of imminent illiquidity were free of reversible legal error.

Extracted reasoning

The appellate court could construe the defendant's letter as accelerating the entire loan. A stillborn restructuring attempt did not preclude the inference because there was no final, coherent restructuring concept and no approval by key creditors or by the limited partners asked for additional contributions.

Key legal question

Whether the refusal to take evidence violated the right to be heard because the defendant offered witness and expert evidence.

Extracted holding

No. The witness and expert offers lacked sufficient substantiation, and the witness offer was ineffective because the person was not adequately identified.

Extracted reasoning

A witness offer referring only to the 'responsible employee' does not satisfy § 373 ZPO unless the person is sufficiently individualized; that was not the case here. The challenged judgment also did not overlook legally relevant factual submissions.

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