Revision dismissed; witness psychology expert opinion need not require consent

BGH 3 StR 208/14Bgh / Criminal Chamber IIIAug 21, 2014Dismissed

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Omnilex summary

The Federal Court dismissed both the defendant's and the prosecution's revisions against a Hannover judgment for murder. It upheld the lower court's 12-year prison sentence and the order placing the defendant in a psychiatric hospital. The Senate clarified that a request for a psychological expert opinion on a witness's credibility is not inadmissible merely because the witness did not consent to examination under § 81c StPO, since the expert may rely on other sources. Nevertheless, the defendant's procedural complaint failed on the merits, and both appeals were rejected.

Omnilex headnote

§ 244 Abs. 4 StPO, § 81c Abs. 1 StPO; a request for an expert opinion on the credibility of a witness is not inadmissible solely because the witness refuses consent to direct examination. The probative assessment may be based on other sources of information; the absence of consent does not preclude appellate review of whether the trial court lawfully rejected the request for its own expertise. A rejection for lack of necessity or because the court has its own expertise remains subject to the ordinary standards governing evidentiary motions (consid. 4).

Full text

BGH — 3 StR 208/14, Urteil

Entscheidungsdatum: 2014-08-21

Aktenzeichen: 3 StR 208/14

Dokumenttyp: Urteil

Normen: § 81c Abs 1 StPO, § 244 Abs 4 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Hannover, 23. Oktober 2013, Az: 39 Ks 13/13

Spruchkörper: 3. Strafsenat

Titelzeile

Revision im Strafverfahren: Rüge der Verletzung des Beweisantragsrechts bei Ablehnung eines Beweisantrages auf aussagepsychologische Begutachtung eines Belastungszeugen ohne dessen Einwilligung

Tenor

Die Revisionen der Staatsanwaltschaft und des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Hannover vom 23. Oktober 2013 werden verworfen.

Der Angeklagte trägt die Kosten seines Rechtsmittels und die den Nebenklägern dadurch entstandenen notwendigen Auslagen. Die Kosten der Revision der Staatsanwaltschaft und die dem Angeklagten dadurch entstandenen notwendigen Auslagen werden der Staatskasse auferlegt.

Von Rechts wegen

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Mordes zu der Freiheitsstrafe von zwölf Jahren verurteilt und seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet. Gegen dieses Urteil richten sich die Revisionen des Angeklagten und der Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte erstrebt die Einstellung des Verfahrens nach § 260 Abs. 3 StPO, da der Eröffnungsbeschluss unwirksam sei. Im Übrigen erhebt er zwei Verfahrensrügen und die Sachrüge. Die Staatsanwaltschaft beanstandet mit ihrer vom Generalbundesanwalt nicht vertretenen, auf den Rechtsfolgenausspruch mit Ausnahme der Anordnung der Maßregel beschränkten Revision die Milderung des Strafrahmens nach §§ 21, 49 Abs. 1 StGB und das Strafmaß.

2 Beide Rechtsmittel führen nicht zum Erfolg. Vielmehr erweisen sich die Revisionen aus den in den Antragsschriften des Generalbundesanwalts aufgeführten Gründen als unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

3 Ergänzend bemerkt der Senat:

4 Der Generalbundesanwalt vertritt in seiner Antragsschrift vom 28. Mai 2014 unter Bezugnahme auf den Beschluss des 1. Strafsenats des Bundesgerichtshofs vom 8. Januar 2013 (1 StR 602/13, NStZ 2013, 672; s. etwa auch BGH, Beschluss vom 22. Februar 2012 - 1 StR 647/11, StV 2013, 73, 74) die Auffassung, die Rüge des Angeklagten, das Landgericht habe seinen Antrag auf aussagepsychologische Begutachtung einer ihn belastenden Zeugin rechtsfehlerhaft wegen eigener Sachkunde abgelehnt, sei bereits unzulässig, weil dem Rügevorbringen nicht entnommen werden könne, ob die Zeugin die Zustimmung zu ihrer Untersuchung (§ 81c Abs. 1 StPO) erklärt habe. Dem vermag der Senat nicht zu folgen. Die aussagepsychologische Begutachtung eines Zeugen bedarf nicht notwendig dessen Exploration unter seiner Mitwirkung. Vielmehr ist es je nach Fallgestaltung regelmäßig möglich, dem Sachverständigen auf anderem Wege die erforderlichen Anknüpfungstatsachen für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Angaben des Zeugen zu verschaffen (s. beispielsweise etwa BGH, Urteil vom 3. Juni 1982 - 1 StR 184/82, NStZ 1982, 432; Beschlüsse vom 25. September 1990 - 5 StR 401/90, BGHR StPO § 244 Abs. 3 Satz 1 Unzulässigkeit 6; vom 28. Oktober 2008 - 3 StR 364/08, NStZ 2009, 346, 347). Daher erweist sich ein derartiger Beweisantrag in der Regel nicht als unzulässig, wenn der Zeuge die notwendige Einwilligung in die Exploration verweigert (vgl. zur Abgrenzung BGH, Urteil vom 18. September 1990 - 5 StR 184/90, BGHR StPO § 244 Abs. 3 Satz 1 Unzulässigkeit 5). Insbesondere bedarf es für die revisionsgerichtliche Überprüfung, ob das Tatgericht einen solchen Beweisantrag rechtsfehlerfrei wegen eigener Sachkunde zurückgewiesen - und damit eine Exploration des Zeugen unter dessen Mitwirkung gerade nicht für erforderlich gehalten - hat, nicht der Kenntnis des Revisionsgerichts, ob sich der Zeuge im Falle der Beauftragung eines Sachverständigen mit seiner Exploration einverstanden erklärt hätte. Ob je nach Sachlage etwas anderes dann zu gelten hat, wenn das Landgericht den Antrag wegen völliger Ungeeignetheit des Beweismittels ablehnt, bedarf hier keiner Entscheidung.

5 Die zulässige Rüge ist jedoch aus den vom Generalbundesanwalt hilfsweise genannten Erwägungen unbegründet.

| Becker | | Pfister | | BGH Hubert befindet sich im Urlaub und ist daher gehindert zu unterschreiben. | | --- | --- | --- | --- | --- | | | | | | Becker | | | Mayer | | Spaniol | |

Keywords

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Key legal question

Whether the defendant's request for a psychological expert opinion on an incriminating witness was inadmissible because the witness had not consented to examination under § 81c StPO.

Extracted holding

The request was not inadmissible for lack of proof of the witness's consent; such an expert opinion can often be based on other sources of information, and the court may deny it for its own expertise without requiring the appellate court to know whether the witness would have consented.

Extracted reasoning

A credibility assessment does not necessarily require direct exploration of the witness. Depending on the case, the expert can be supplied with sufficient factual bases by other means. Therefore, the absence of consent does not in itself render the request inadmissible.

Key legal question

Whether the defendant's other procedural and substantive challenges required reversal of the conviction and psychiatric measure.

Extracted holding

No. The defendant's remaining challenges were unfounded.

Extracted reasoning

The Senate adopted the reasons set out in the Federal Public Prosecutor's submissions and found the revision unfounded under § 349(2) StPO.

Key legal question

Whether the prosecution's limited appeal against sentence and mitigation of the penalty framework should succeed.

Extracted holding

No. The prosecution's appeal did not succeed.

Extracted reasoning

The challenged mitigation of the sentence and the sentence itself were not found erroneous on revision.

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