projects
BGH 3 StR 363/13 ΓÇó Duty to construe evidence motions before rejecting them
BGH 3 StR 363/13Bgh / Criminal Chamber IIIMar 6, 2014Dismissed
The Federal Court of Justice rejected the defendant's revision against the Schwerin Regional Court's judgment in an attempted-murder case. It held that the trial court had properly treated the request for an expert opinion as an evidence motion and had sufficiently explained its anticipatory rejection. The complaint concerning missing disclosures and protocol entries about plea-bargaining discussions failed because the revision did not also specify whether substantive discussions under §§ 202a, 212 StPO had actually taken place. Costs of the revision were imposed on the appellant.
§ 244 Abs. 4 StPO; duty to construe an evidence motion before rejecting it; anticipatory assessment must be sufficiently reasoned. A motion seeking an expert opinion is to be treated as an evidence request if it is directed to a concrete, determinable factual issue and the requested expertise is meant to prove a factual circumstance. The rejection for anticipatory evaluation is unobjectionable if the court sets out why the requested evidence would not affect its conviction (consid. 1). §§ 243 Abs. 4, 273 Abs. 1a, 202a, 212 StPO; a revision complaint concerning omitted plea-bargaining announcements and record entries is admissible only if it also alleges whether actual discussions on a possible agreement took place and, if so, their content, so that the appellate court can assess causation (consid. 2).
Entscheidungsdatum: 2014-03-06
Aktenzeichen: 3 StR 363/13
Dokumenttyp: Beschluss
Normen: § 244 Abs 4 StPO, § 22 StGB, § 23 StGB, § 211 StGB
Vorinstanz: vorgehend LG Schwerin, 8. Mai 2013, Az: 32 Ks 31/12
Spruchkörper: 3. Strafsenat
Strafverfahren wegen versuchten Mordes: Pflicht des Tatrichters zur Auslegung eines Beweisantrags vor dessen Ablehnung
Die Revision der Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Schwerin vom 8. Mai 2013 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil der Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).
Die Beschwerdeführerin hat die Kosten des Rechtsmittels und die der Nebenklägerin im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.
Ergänzend zu der Begründung der Antragsschrift des Generalbundesanwalts bemerkt der Senat:
Den Antrag auf Einholung eines Sachverständigengutachtens hat das Landgericht zutreffend als Beweisantrag behandelt. Die Frage, "ob" an der sichergestellten Bekleidung der Angeklagten Schmauchpartikelanhaftungen wie aus dem Lauf der Tatwaffe hätten gefunden werden müssen, stand im Zusammenhang mit der in das Wissen des Sachverständigen gestellten Erkenntnis, es könne die Angeklagte nicht viermal mit dem Revolver geschossen haben, ohne dass an ihrer Kleidung Rückstände von Schmauchpartikeln vorhanden gewesen wären. Die Rüge der Verletzung des Beweisantragsrechts bleibt gleichwohl erfolglos, weil das Landgericht die antizipierende Beweiswürdigung im Ablehnungsbeschluss hinreichend dargelegt hat.
Die Rüge, der Strafkammervorsitzende habe weder mitgeteilt, ob und ggf. mit welchem Ergebnis Erörterungen stattgefunden hatten, deren Gegenstand die Möglichkeit einer Verständigung i.S.v. § 257c StPO gewesen war (§ 243 Abs. 4 Satz 1 StPO), noch habe er im Protokoll vermerkt, dass eine Verständigung nicht stattgefunden habe (§ 273 Abs. 1a Satz 3 StPO), ist nicht zulässig erhoben. Um dem Revisionsgericht eine Entscheidung über das Beruhen des Urteils auf einem Verfahrensfehler zu ermöglichen, muss die Revision nicht nur vortragen, ob und ggf. welche Mitteilung der Vorsitzende in der Hauptverhandlung gemacht hat, sondern auch, ob und ggf. mit welchem Inhalt Erörterungen nach §§ 202a, 212 StPO tatsächlich stattgefunden hatten.
Schäfer Pfister Hubert
Mayer Spaniol