Requirements for success prognosis under Section 64 StGB after repeated failed therapies

BGH 2 StR 650/13Bgh / Criminal Chamber IIJan 21, 2014Partially Granted

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Omnilex summary

The Federal Court of Justice partly allowed the defendant’s revision against a Regional Court judgment for drug import and trafficking. It upheld the conviction and prison sentence, but set aside the order placing the defendant in a treatment facility. The lower court had not sufficiently explained why a concrete prospect of treatment success existed despite nearly 14 years of unsuccessful therapies and had also failed to make a precise prognosis of the likely duration of the measure. The matter was remitted for a new decision on the measure and the costs of the appeal.

Omnilex headnote

§ 64 Satz 2 StGB; success prognosis for placement in a treatment facility after repeated failed therapies; the judgment must set out in a comprehensible manner why, notwithstanding prior unsuccessful treatments, a sufficiently concrete prospect of success nevertheless exists. A mere reference to insight into addiction and willingness to undergo therapy is insufficient where the offender has undergone several detoxification therapies over many years without lasting success. The court must also address the expected duration of the measure, because this is relevant to the assessment of the placement and to the determination of the custodial sentence to be served in advance (consid. 6-7).

Full text

BGH — 2 StR 650/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-01-21

Aktenzeichen: 2 StR 650/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 64 S 2 StGB, § 267 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Mühlhausen, 26. September 2013, Az: 118 Js 52724/12 - 1 KLs

Spruchkörper: 2. Strafsenat

Titelzeile

Unterbringung in einer Entziehungsanstalt: Anforderungen an die Darlegung der Erfolgsaussicht einer neuen Therapie nach mehreren erfolglos absolvierten Therapien in den letzten 14 Jahren

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Mühlhausen vom 26. September 2013, soweit es ihn betrifft, im Ausspruch über die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt mit den zugehörigen Feststellungen aufgehoben.

  2. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

  3. Die weitergehende Revision wird verworfen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit unerlaubtem Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Ferner hat es seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet. Die auf die allgemeine Sachrüge gestützte Revision des Angeklagten hat den aus der Beschlussformel ersichtlichen Teilerfolg. Im Übrigen ist sie unbegründet im Sinne von § 349 Abs. 2 StPO.

2 1. Die Anordnung der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt gemäß § 64 StGB hält rechtlicher Nachprüfung nicht stand.

3 a) Auf der Grundlage der zum Werdegang, zu den Vorstrafen und zu der abgeurteilten Tat getroffenen Feststellungen hat das Landgericht, sachverständig beraten, den gemäß § 64 Satz 1 StGB erforderlichen Hang des Angeklagten, Betäubungsmittel im Übermaß zu sich zu nehmen, ebenso rechtsfehlerfrei bejaht wie den symptomatischen Zusammenhang zwischen Hang und Tat. Auch die Prognoseentscheidung der Strafkammer ist aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden.

4 b) Indessen sind die Voraussetzungen für die gemäß § 64 Satz 2 StGB geforderte hinreichend konkrete Aussicht eines Behandlungserfolges nicht rechtsfehlerfrei dargetan.

5 Zwar steht nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs die Tatsache, dass ein Täter bereits eine Therapie absolviert hat und rückfällig geworden ist, der Erfolgsaussicht einer neuen Therapie regelmäßig nicht entgegen (BGH, Beschluss vom 13. April 2011 - 4 StR 7/11 mwN). Es kann auch dahin stehen, ob bei einem mehrfachen Therapieabbruch oder einem Rückfall nach jeweils erfolgreicher Absolvierung mehrerer Therapien in der Regel eine andere rechtliche Bewertung veranlasst ist (vgl. dazu BGH, Beschluss vom 23. Oktober 1996 - 4 StR 473/96, NStZ-RR 1997, 131, 132).

6 Jedenfalls im vorliegenden Fall durfte sich das Landgericht nicht auf die bloße Mitteilung des Ergebnisses der Bewertung des Sachverständigen beschränken, es bestehe "aufgrund der in der Hauptverhandlung glaubhaft vermittelten Einsicht in die Drogenabhängigkeit" und "entsprechende(r) Therapiewilligkeit seitens des Angeklagten" trotz der bisher erfolglosen Behandlungen eine "hinreichend konkrete Erfolgsaussicht" (UA S. 16). Der Angeklagte hat über einen Zeitraum von nahezu 14 Jahren hinweg Drogenentwöhnungstherapien - von nicht näher festgestellter Dauer - ohne durchgreifenden Erfolg absolviert. Die gleichwohl für eine hinreichend konkrete Erfolgsaussicht sprechenden Gesichtspunkte, zu denen auch der - vom Landgericht freilich nicht erörterte - Grad der Therapiewilligkeit des Angeklagten gehört (vgl. BGH, Beschluss vom 13. April 2011 - 4 StR 7/11 mwN), hätten daher einer eingehenderen Darlegung in den Urteilsgründen bedurft.

7 Hinzu kommt, dass der Entscheidung der Strafkammer keine präzise Prognose hinsichtlich der voraussichtlich notwendigen Dauer des Maßregelvollzugs zu Grunde liegt, die zudem bei der Bemessung des vorweg zu vollziehenden Teils der Freiheitsstrafe (§ 67 Abs. 2 Satz 2 StGB) zu berücksichtigen ist (vgl. auch BGH, Beschluss vom 27. März 2013 - 4 StR 60/13).

8 Die Frage der Anordnung der Maßregel der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt bedarf deshalb der erneuten Prüfung und Entscheidung.

9 2. Im Übrigen hat die Nachprüfung des Urteils hinsichtlich des Schuld- und Strafausspruchs keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben.

| Fischer | | Appl | | Herr RiBGH Prof. Dr. Schmitt ist aus tatsächlichen Gründen an der Unterschriftsleistung gehindert. | | --- | --- | --- | --- | --- | | | | | | Fischer | | | Eschelbach | | Zeng | |

Keywords

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Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the order for placement in a treatment facility under Section 64 StGB was sufficiently reasoned, especially the success prognosis after several failed therapies over nearly 14 years.

Extracted holding

The placement order could not stand because the reasons did not adequately explain why a sufficiently concrete prospect of treatment success still existed despite the defendant's long history of unsuccessful therapy attempts.

Extracted reasoning

A prior failed therapy does not automatically preclude a new one, but in this case the court could not rely on a brief reference to insight and willingness to undergo therapy. Given nearly 14 years of unsuccessful treatments, the judgment needed a more detailed explanation of the factors supporting success and a precise prognosis of the expected duration of the measure.

Key legal question

Whether the conviction and prison sentence were affected by legal error.

Extracted holding

No reversible legal error was found in the conviction or sentence.

Extracted reasoning

The review of the guilt and sentencing findings disclosed no error unfavorable to the defendant.

Key legal question

Whether the case should be remanded after setting aside the measure order.

Extracted holding

The matter had to be returned for a new hearing and decision on the measure and the related costs.

Extracted reasoning

Because the placement order and related findings were annulled, the issue required renewed examination by another criminal chamber.

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