Schuldunfähigkeit despite possible delusional conduct

BGH 2 StR 534/13Bgh / Criminal Chamber IIDec 19, 2013Modified

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Omnilex summary

The Federal Court of Justice set aside the Frankfurt Regional Court judgment convicting the defendant of aggravated robbery and attempted aggravated extortion and ordering placement in a psychiatric hospital. The lower court had relied on medication-related mental disturbance, reduced control, and possible delusional ideas, but it did not clearly establish the § 20 StGB basis or reconcile its findings with the possibility that the acts were direct manifestations of a current delusion. Because a finding of possible incapacity could not be ruled out, the conviction and all findings were quashed and the case remanded to a different criminal chamber, with appeal costs reserved.

Omnilex headnote

§ 20 StGB; requirements for findings on insanity and delusional conduct; mere diagnosis and symptom description do not suffice to establish an Eingangsmerkmal. The sentencing court must identify the statutory basis, determine the severity and functional impact of the disorder, and assess whether, in the concrete offense situation, the disorder eliminated or substantially impaired the defendant's control or insight. Where the reasons are internally inconsistent—especially when planned conduct is invoked to negate incapacity while delusional determination is otherwise acknowledged—the judgment cannot stand (consid. 2-3). If the offense may have been a direct outgrowth of a current delusion, both conviction and measures are affected; existing findings need not be retained where renewed comprehensive fact-finding is necessary.

Full text

BGH — 2 StR 534/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-12-19

Aktenzeichen: 2 StR 534/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 20 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Frankfurt, 29. Mai 2013, Az: 5/27 KLs 15/13

Spruchkörper: 2. Strafsenat

Titelzeile

Schuldunfähigkeit: Tatbegehung aufgrund aktueller Wahnvorstellungen

Tenor

Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main vom 29. Mai 2013 mit den zugehörigen Feststellungen aufgehoben.

Die Sache wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen besonders schweren Raubs und versuchter schwerer räuberischer Erpressung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt und seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet. Die Revision des Angeklagten hat mit der Sachrüge Erfolg.

2 1. Nach Überzeugung der sachverständig beratenen Strafkammer befand sich der Angeklagte bei Begehung der Taten, "hervorgerufen durch die Nebenwirkungen der notwendigen ihm ärztlicherseits verabreichten Medikamente, im Zustand verminderter Schuldfähigkeit i.S.v. § 21 StGB" (UA S. 7); seine Steuerungsfähigkeit war "aufgrund der gestörten Impulskontrolle und ggf. wahnhaften Vorstellungen" (UA S. 7; vgl. auch UA S. 11) stark eingeschränkt.

3 2. Die Annahme des Landgerichts, der Angeklagte sei bei Begehung der Taten - vermindert - schuldfähig gewesen, hält sachlichrechtlicher Nachprüfung nicht stand.

4 a) Es mangelt schon an einer hinreichend klaren Feststellung, welches Eingangsmerkmal des § 20 StGB erfüllt sein soll. Das Landgericht beschränkt sich auf die Mitteilung der vom Sachverständigen vorgenommenen Diagnose und der Symptome der festgestellten Störung. Allein die Diagnose des Sachverständigen ist aber nicht mit einem Eingangsmerkmal des § 20 StGB gleichzusetzen (vgl. BGH, Beschlüsse vom 22. Mai 2013 - 1 StR 71/13 und vom 12. November 2004 - 2 StR 367/04, BGHSt 49, 347, 352). Vielmehr sind der Ausprägungsgrad der Störung und ihr Einfluss auf die soziale Anpassungsfähigkeit entscheidend. An einer tragfähigen Darlegung der entsprechenden Beurteilungsgrundlagen fehlt es.

5 b) Darüber hinaus sind die Urteilsausführungen zur Schuldfähigkeit auch im Übrigen unklar. Das Landgericht hat einerseits ausgeschlossen, dass der Angeklagte bei Begehung der Taten schuldunfähig i.S.v. § 20 StGB gewesen sei, weil dieser planvoll gehandelt habe. Andererseits sei die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten "aufgrund der gestörten Impulskontrolle und ggf. wahnhaften Vorstellungen" (UA S. 7; vgl. auch UA S. 11) stark eingeschränkt gewesen. Einem Wahnkranken stehen indes in Situationen, die durch den Wahn bestimmt sind, Handlungsalternativen praktisch nicht zur Verfügung. Oft fehlt dann zugleich auch die Einsicht in das Unrecht der vom Wahn bestimmten Handlungen (vgl. auch BGH, Beschluss vom 24. Juli 1997 - 1 StR 351/97, NStZ-RR 1998, 5, 6 mwN). Damit hat sich das Landgericht nicht auseinandergesetzt.

6 3. Die aufgezeigten Mängel führen nicht nur zur Aufhebung des Rechtsfolgenausspruchs, sondern auch zur Aufhebung des Schuldspruchs, da der Senat, sollten die Taten unmittelbarer Ausfluss aktueller Wahnvorstellung des Angeklagten gewesen sein, die Möglichkeit von Schuldunfähigkeit i.S.d. § 20 StGB nicht ausschließen kann.

7 Eine Aufrechterhaltung von Feststellungen war nicht veranlasst. Eine neuerliche umfassende Aufklärung ist schon wegen möglicher Rückschlüsse auf den psychischen Zustand des Angeklagten bei Begehung der ihm vorgeworfenen Taten unerlässlich. Der neue Tatrichter wird zu erwägen haben, ob er zur Frage der Schuldfähigkeit und der Maßregelanordnung einen anderen Sachverständigen mit der Gutachtenerstattung beauftragt.

Appl Schmitt Eschelbach

Ott Zeng

Keywords

insanitydiminished responsibilitydelusionmental disordercriminal culpabilityremand

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Key legal question

Whether the findings on culpability under § 20 StGB were sufficiently reasoned and consistent

Extracted holding

The findings were insufficient: the court did not clearly identify the relevant statutory ground under § 20 StGB and did not adequately address the impact of possible delusions on the defendant's capacity and insight.

Extracted reasoning

A diagnosis and symptoms alone do not satisfy an Eingangsmerkmal of § 20 StGB; the degree of disorder and its effect on social adjustment must be assessed. The judgment was also internally inconsistent because it excluded incapacity due to planned conduct while simultaneously assuming markedly impaired control due to possible delusions.

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