Exclusion of defendant during witness release after testimony

BGH 2 StR 387/13Bgh / Criminal Chamber IIDec 5, 2013Annulled

Extracted by Omnilex

Omnilex summary

The defendant was convicted by the Landgericht Wiesbaden of kidnapping in concurrence with dangerous bodily injury and appealed on procedural and substantive grounds. The Federal Court of Justice upheld the procedural complaint. It held that once the defendant had been removed under Section 247 StPO for the witness examination, he had to be readmitted before the court discussed the witness's release. Because he remained absent during that separate and essential part of the main hearing, an absolute ground for cassation under Section 338 No. 5 StPO occurred. The conviction was therefore set aside and the case remitted to another criminal chamber, including on costs.

Omnilex headnote

§§ 247, 338 Nr. 5 StPO; the defendant must be present for the procedural discussion on the release of a witness examined in his absence. The release hearing is not part of the witness examination within the meaning of Section 247 StPO, but a separate procedural stage and, as a rule, an essential part of the main hearing. If the defendant remains excluded at this stage, the absolute ground for reversal under Section 338 No. 5 StPO is incurred, unless the defect is cured. A procedural complaint is admissible even without an objection under Section 238(2) StPO to the chairman's order, provided it is otherwise properly substantiated (cf. consid. 5-7).

Full text

BGH — 2 StR 387/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-12-05

Aktenzeichen: 2 StR 387/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 238 Abs 2 StPO, § 247 StPO, § 338 Nr 5 StPO, § 344 Abs 2 S 2 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Wiesbaden, 5. April 2013, Az: 2231 Js 23496/12 - 1 KLs

Spruchkörper: 2. Strafsenat

Titelzeile

Absoluter Revisionsgrund im Strafverfahren: Fortbestehende Abwesenheit des während der Zeugenvernehmung entfernten Angeklagten bei der Verhandlung über die Entlassung des Zeugen

Tenor

Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Wiesbaden vom 5. April 2013 mit den Feststellungen aufgehoben.

Die Sache wird zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Geiselnahme in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt. Hiergegen wendet sich der Angeklagte mit der auf eine Verfahrensrüge und die Beanstandung der Verletzung sachlichen Rechts gestützten Revision. Das Rechtsmittel hat mit der Verfahrensrüge Erfolg.

2 Die Revision macht zu Recht geltend, dass der absolute Revisionsgrund des § 338 Nr. 5 StPO gegeben ist.

3 1. Das Landgericht hat für die Dauer der Vernehmung des Zeugen I. die Entfernung des Angeklagten gemäß § 247 StPO angeordnet. Nachdem dieser den Sitzungssaal verlassen hatte, sagte der Zeuge zur Sache aus. Dessen Vernehmung konnte der Angeklagte im Wege der Videoübertragung in einem anderen Gerichtssaal verfolgen, ohne aktiv in das Geschehen eingreifen zu können.

4 Nach Absehen von der Vereidigung gemäß § 60 StPO wurde der Zeuge entlassen. Erst danach wurde der Angeklagte wieder in den Sitzungssaal geführt und von dem Vorsitzenden über den Inhalt der Vernehmung informiert.

5 2. Die Rüge ist, wie vom Generalbundesanwalt ausgeführt, zulässig erhoben. Insbesondere ist es nicht Rügevoraussetzung, dass die Verteidigung die Entlassungsanordnung des Vorsitzenden gemäß § 238 Abs. 2 StPO beanstandet.

6 Die Rüge ist auch begründet.

7 Die Verhandlung über die Entlassung eines in Abwesenheit des Angeklagten vernommenen Zeugen gehört nicht mehr zu seiner Vernehmung im Sinne des § 247 StPO, sondern bildet einen selbständigen Verfahrensabschnitt und regelmäßig einen wesentlichen Teil der Hauptverhandlung, weil der von ihr ausgeschlossene Angeklagte die Möglichkeit verliert, Fragen an den Zeugen zu stellen und das Gericht einem Antrag auf erneute Vernehmung nur nach Maßgabe der Aufklärungspflicht nachkommen müsste (BGH, Beschluss vom 21. April 2010 - GSSt 1/09, BGHSt 55, 87). Der Angeklagte hätte daher zur Verhandlung über die Entlassung des Zeugen I. wieder zugelassen werden müssen, was ausweislich des Protokolls nicht geschehen ist. Da der darin liegende Verfahrensfehler, wie vom Generalbundesanwalt zutreffend dargelegt, nicht geheilt worden ist, muss dies zur Aufhebung des angefochtenen Urteils führen.

Appl Schmitt Eschelbach

Ott Zeng

Keywords

absolute ground for reversaldefendant's presencewitness releaseprocedural complaintcassationmain hearing

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the defendant's continued absence during the witness's release after examination triggered the absolute ground for cassation under Section 338 No. 5 StPO.

Extracted holding

Yes. The release hearing was a separate and essential part of the main trial, so the defendant had to be readmitted before it took place.

Extracted reasoning

The witness's release is not part of the examination under Section 247 StPO but an independent procedural stage. Because the excluded defendant loses the opportunity to ask questions or seek renewed examination, his presence is required unless the absence is cured, which did not happen here.

Key legal question

Whether the procedural complaint was admissible without an objection under Section 238(2) StPO to the chairman's release order.

Extracted holding

Yes. A specific objection to the chairman's order was not a prerequisite for raising the complaint.

Extracted reasoning

The court agreed with the Generalbundesanwalt that the complaint was properly raised even without an objection under Section 238(2) StPO.

Continue your research in ChatGPT or Claude

Connect Omnilex to search the legal corpus from your AI assistant.