DNA evidence reasons for reversal of robbery conviction

BGH 4 StR 270/13Bgh / Criminal Chamber 4Jul 31, 2013Partially Granted

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Omnilex summary

The Federal Court of Justice partly upheld K.'s revision. It found that the LG Siegen had not sufficiently explained the basis for relying on a DNA mixed-trace probability calculation to convict K. for robbery. That conviction and the resulting overall sentence were set aside and remitted for a new hearing before another criminal chamber. K.'s remaining grounds and G.'s appeal were dismissed. The court also reiterated the requirements for deciding whether an anthropological identification expert report must be obtained from surveillance images.

Omnilex headnote

§ 261 StPO, § 267 Abs. 1 S. 2 StPO; evidentiary assessment of DNA-based probability calculations and duty to state reasons: If the conviction substantially relies on DNA evidence, the judgment must disclose the essential factual basis of the expert assessment to permit appellate review of plausibility and scientific validity. As a rule, it must state the number of examined systems, their independent inheritable character and thus the applicability of the product rule, the extent of matching characteristics, and the probability of the established profile; if a foreign ethnic origin is relevant, the treatment of the comparison population must also be explained (consid. 3-5). Failure to do so constitutes reversible error. Whether an anthropological identification report is required depends first on the trial court's own assessment of the suitability of the image material as a basis for expert evaluation; if uncertain, it must clarify this by free proof. A report is warranted whenever it may influence the court's assessment of identity, even if it cannot produce a certain conclusion (consid. 9).

Full text

BGH — 4 StR 270/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-07-31

Aktenzeichen: 4 StR 270/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 261 StPO, § 267 Abs 1 S 2 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Siegen, 16. Januar 2013, Az: 21 KLs 23 Js 1069/11 - 5/12

Spruchkörper: 4. Strafsenat

Titelzeile

Beweiswürdigung im Strafverfahren: Überprüfung des Ergebnisse der auf einer DNA-Untersuchung beruhenden Wahrscheinlichkeitsberechnung; Einholung eines anthropologischen Identitätsgutachtens

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten K. wird das Urteil des Landgerichts Siegen vom 16. Januar 2013 mit den Feststellungen aufgehoben

a) soweit der Angeklagte K. wegen Raubes verurteilt wurde,

b) im Ausspruch über die Gesamtstrafe.

Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

Die weiter gehende Revision des Angeklagten K. wird verworfen.

  1. Die Revision des Angeklagten G. gegen das Urteil des Landgerichts Siegen vom 16. Januar 2013 wird verworfen.

Er hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten K. wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge, wegen Raubes und wegen versuchter räuberischer Erpressung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt, den Angeklagten G. hat es wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit "Bestimmen einer Person unter 18 Jahren zum unerlaubten Handeltreiben mit Betäubungsmitteln" zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt; im Übrigen hat es die Angeklagten freigesprochen. Gegen dieses Urteil wenden sich die Angeklagten mit der Sachrüge, der Angeklagte K. zudem mit Verfahrensrügen. Das Rechtsmittel des Angeklagten K. hat hinsichtlich der Verurteilung wegen Raubes Erfolg; dies führt zur Aufhebung auch der Gesamtstrafe. Im Übrigen ist es, wie die Revision des Angeklagten G. insgesamt, unbegründet.

2 1. Das Rechtsmittel des Angeklagten K. hat mit der Sachrüge Erfolg, soweit es sich gegen die Verurteilung wegen Raubes (Überfall vom 17. September 2010) richtet.

3 a) Das Tatgericht hat in den Fällen, in denen es dem Gutachten eines Sachverständigen folgt, die wesentlichen Anknüpfungstatsachen und Ausführungen des Gutachters so darzulegen, dass das Rechtsmittelgericht prüfen kann, ob die Beweiswürdigung auf einer tragfähigen Tatsachengrundlage beruht und ob die Schlussfolgerungen nach den Gesetzen der Logik, den Erfahrungssätzen des täglichen Lebens und den Erkenntnissen der Wissenschaft möglich sind (vgl. BGH, Beschlüsse vom 19. August 1993 - 4 StR 627/92, BGHSt 39, 291, 296 f.; vom 21. September 2004 - 3 StR 333/04, NStZ 2005, 326). Dabei dürfen die Anforderungen, welche das Tatgericht an das Gutachten zu stellen hat, nicht mit den sachlichrechtlichen Anforderungen an den Inhalt der Urteilsgründe gleichgesetzt werden. Mögliche Fehlerquellen sind nur zu erörtern, wenn der Einzelfall dazu Veranlassung gibt (vgl. BGH, Beschluss vom 19. August 1993 - 4 StR 627/92, aaO, 297 f.; zum Ganzen: BGH, Urteil vom 21. März 2013 - 3 StR 247/12).

4 In den Fällen einer DNA-Untersuchung reicht es für das Revisionsgericht zur Überprüfung, ob das Ergebnis einer auf einer DNA-Untersuchung beruhenden Wahrscheinlichkeitsberechnung plausibel ist, im Regelfall aus, wenn das Tatgericht mitteilt, wie viele Systeme untersucht wurden, ob diese unabhängig voneinander vererbbar sind (und mithin die Produktregel anwendbar ist), ob und inwieweit sich Übereinstimmungen in den untersuchten Systemen ergeben haben und mit welcher Wahrscheinlichkeit die festgestellte Merkmalkombination zu erwarten ist; sofern der Angeklagte einer fremden Ethnie angehört, ist zudem darzulegen, inwieweit dies bei der Auswahl der Vergleichspopulation von Bedeutung war (vgl. BGH, Urteil vom 21. März 2013 - 3 StR 247/12 mwN; zu ggf. geringeren Anforderungen bei einer Vielzahl weiterer gewichtiger Indizien BGH, Beschluss vom 23. Oktober 2012 - 1 StR 377/12, NStZ 2013, 179, 180).

5 b) Den sich hieraus ergebenden Anforderungen genügen die Darlegungen in dem landgerichtlichen Urteil nicht.

6 Denn die Strafkammer stützt die Überzeugung von der (Mit-)Täterschaft des Angeklagten K. wesentlich auf das Ergebnis der Untersuchung von DNA in einer Mischspur, die an dem bei der Tat von einem der Täter getragenen Einmal-Overall gesichert worden war. Hierzu teilt das Landgericht (lediglich) mit, dass "beim Vergleich der in der Analysedatei erfassten Vergleichswerte … die Spur der Person A mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 53 Mrd. bei der in der Bundesrepublik lebenden Bevölkerung als Vergleichspopulation vom Angeklagten" stamme (UA S. 16).

7 c) Die Aufhebung der Verurteilung wegen Raubes hat die Aufhebung des Ausspruchs über die Gesamtfreiheitsstrafe zur Folge.

8 2. Im Übrigen hat das Rechtsmittel des Angeklagten K. , wie auch die Revision des Angeklagten G. insgesamt, aus den vom Generalbundesanwalt in der Antragsschrift vom 20. Juni 2013 dargelegten Gründen keinen Erfolg (§ 349 Abs. 2 StPO). Ergänzend bemerkt der Senat zur Revision des Angeklagten K. lediglich:

9 a) Hängt die Frage, ob der Tatrichter zur Prüfung der Täterschaft des Angeklagten ein anthropologisches Identitätsgutachten zu erholen hat, von der Qualität vorhandener Lichtbilder (hier: einer Überwachungskamera) ab, so hat er zunächst selbst zu beurteilen, ob die Tataufnahmen als Anknüpfungstatsachen für ein solches Gutachten geeignet sind (BGH, Urteil vom 15. Februar 2005 - 1 StR 91/04 [Rn. 31], NStZ 2005, 458, 460). Hat er Zweifel, muss er im Wege des Freibeweises - etwa durch Befragung eines Sachverständigen - klären, ob die Qualität der Lichtbilder für eine sachverständige Beurteilung ausreicht. Dabei ist Maßstab nicht, ob der Sachverständige sichere oder eindeutige Schlüsse ziehen kann, vielmehr ist die Erholung des Gutachtens schon dann geboten, wenn seine Folgerungen die (Nicht-)Täterschaft des Angeklagten mehr oder weniger wahrscheinlich machen und das Gutachten hierdurch unter Berücksichtigung des sonstigen Beweisergebnisses Einfluss auf die Überzeugungsbildung des Gerichts erlangen kann (vgl. BGH, Urteil vom 1. Dezember 2011 - 3 StR 284/11, StV 2013, 481, 482).

10 b) Zur Fassung des Schuldspruchs (hier der Kennzeichnung der Mittäterschaft im Urteilstenor als "gemeinschaftlich") verweist der Senat auf die Kommentierung bei Meyer-Goßer, StPO, 56. Aufl., § 260 Rn. 24.

Sost-Scheible Roggenbuck Mutzbauer

Bender Quentin

Keywords

DNA evidenceevidentiary assessmentreasoning requirementscassation reviewrobberyexpert reportsurveillance imagessentence aggregationidentity evidence

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the robbery conviction against K. could stand despite insufficient reasons for the DNA-based identification evidence.

Extracted holding

No. The trial court did not set out the essential basis of the DNA mixed-trace evaluation sufficiently for appellate review.

Extracted reasoning

Where a conviction relies materially on a DNA analysis, the judgment must at least state the number of systems examined, whether they are independently inheritable, the extent of matching characteristics, and the probability of the determined profile; here the court only gave a probability figure without the necessary foundation.

Key legal question

Whether the sentence structure required reversal after the robbery conviction was set aside.

Extracted holding

Yes. The annulment of the robbery conviction also required setting aside the overall sentence.

Extracted reasoning

The overall sentence was based in part on the overturned robbery conviction.

Key legal question

Whether K.'s remaining complaints and G.'s appeal had merit.

Extracted holding

No. They were rejected for the reasons stated by the Federal Prosecutor General; no further error was found.

Extracted reasoning

The remaining challenges did not show legal error under § 349(2) StPO.

Key legal question

Whether the trial court had to obtain an anthropological identification report based on the surveillance images.

Extracted holding

The court must first assess whether the image material is suitable as a basis for such an expert report and, if in doubt, clarify that question by free proof; a report is required already when it can affect the court's assessment of identity probabilities.

Extracted reasoning

The need for expert evidence depends on the quality of the images and the potential evidentiary impact of the expert assessment, not on whether a certain result is guaranteed.

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