Wertersatz for electricity supplied without legal basis

BGH VIII ZR 260/12Bgh / Civil Chamber 8Apr 23, 2013Other

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Omnilex summary

The Federal Court of Justice stated that it intended to reject the revision under Section 552a ZPO. It found no reason to admit the revision, because the questions concerning a statutory right of withdrawal and the calculation of value compensation were not outcome-determinative. If the withdrawal was ineffective, the supplier retained its purchase price claim. If the withdrawal was effective, restitution was governed by unjust enrichment law, and the supplier could offset a value-compensation claim for electricity actually consumed. The court held that the supplier was entitled to such compensation and that the agreed tariff was at least appropriate because it was the cheapest available offer.

Omnilex headnote

§ 552a ZPO; revision may be rejected by unanimous order if it manifestly lacks prospects of success and no ground for admission exists. In assessing prospects, the court examines whether the legal questions relied upon are decisive for the outcome. In the case of electricity deliveries later challenged by withdrawal, the consumer's restitution claim for advance payments is neutralized by the supplier's enrichment claim for value compensation under § 818(2) BGB for electricity consumed without legal basis. The value is determined by the usual remuneration, or otherwise the appropriate remuneration; where the supplier is the cheapest accessible provider, the agreed tariff may constitute the relevant benchmark (consid. 2-3).

Full text

BGH — VIII ZR 260/12, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-04-23

Aktenzeichen: VIII ZR 260/12

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 312d Abs 1 S 1 BGB, § 433 Abs 2 BGB, § 818 Abs 2 BGB, § 240 ZPO

Vorinstanz: vorgehend OLG Bamberg, 1. August 2012, Az: 8 U 19/12vorgehend LG Bayreuth, 17. Januar 2012, Az: 32 O 616/11

Spruchkörper: 8. Zivilsenat

Titelzeile

Wertersatzanspruch des Energieversorgungsunternehmens bei rechtsgrundloser Stromlieferung

Tenor

Der Senat beabsichtigt, die Revision durch einstimmigen Beschluss gemäß § 552a ZPO zurückzuweisen.

Gründe

1 1. Ein Grund für die Zulassung der Revision besteht nicht.

2 Das Berufungsgericht hat die Revision zur Klärung der Frage zugelassen, ob dem Verbraucher ein gesetzliches Widerrufsrecht bei einem als Fernabsatzvertrag geschlossenen Energielieferungsvertrag zusteht. Diese Frage ist nicht entscheidungserheblich (dazu unter 2).

3 Auch die Frage nach den Voraussetzungen und der Höhe des Wertersatzes für nach einem Widerruf gelieferten Strom verleiht dem Rechtsstreit keine grundsätzliche Bedeutung. Die Grundsätze der Berechnung des Wertersatzes für rechtsgrundlos verbrauchten Strom (§ 818 Abs. 2 BGB) sind durch die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs geklärt (Urteil vom 14. Januar 1992 - VI ZR 186/91, BGHZ 117, 29).

4 2. Die Revision hat auch keine Aussicht auf Erfolg.

5 Auf die Frage, ob dem Kläger ein gesetzliches Widerrufsrecht nach § 312d Abs. 1 Satz 1 BGB zusteht und ob der Kläger dieses Widerrufsrecht wirksam ausgeübt hat, kommt es nicht an.

6 a) Wenn der Kläger seine auf Abschluss des Stromlieferungsvertrages mit der Beklagten gerichtete Willenserklärung nicht wirksam widerrufen hat, steht der Beklagten ein Kaufpreisanspruch aus § 433 Abs. 2 BGB auf Bezahlung der Stromlieferungen zu. Der Kläger hat dann keinen Anspruch auf Rückzahlung der geleisteten Abschlagszahlungen. Denn es ist unstreitig, dass die Höhe des geschuldeten Stromentgelts die Abschlagszahlungen übersteigt.

7 b) War der Widerruf dagegen wirksam, dann hat der Kläger ebenfalls keinen Anspruch auf Rückzahlung der Abschlagszahlungen. In diesem Fall richtet sich die Rückabwicklung der beiderseitigen Leistungen nicht nach §§ 357, 346 BGB, sondern nach §§ 812 ff. BGB, weil die Leistungen erst nach dem Widerruf erbracht wurden. Dem bereicherungsrechtlichen Rückforderungsanspruch des Klägers auf Rückzahlung der Abschlagszahlungen steht der bereicherungsrechtliche Wertersatzanspruch der Beklagten wegen des vom Kläger verbrauchten Stroms entgegen (§§ 812, 818 Abs. 2 BGB). Die Verrechnung nach der Saldotheorie führt nicht zu einem Überschuss zugunsten des Klägers.

8 aa) Entgegen der Auffassung der Revision ist die Beklagte hinsichtlich des bereicherungsrechtlichen Wertersatzanspruchs aktivlegitimiert. Die Revision meint, mit dem Widerruf des Stromlieferungsvertrages mit der Beklagten sei ein Grundversorgungsvertrag über die Lieferung von Strom mit E. zustande gekommen, so dass der Stromverbrauch des Klägers diesem Grundversorgungsverhältnis zuzuordnen sei und nur E. insoweit Zahlungsansprüche gegen den Kläger zustehen könnten.

9 Dies trifft nicht zu. Die Rechtsprechung des Senats zum konkludenten Zustandekommen eines Stromlieferungsvertrages mit dem örtlichen Grundversorger durch Entnahme von Strom, auf die sich die Revision bezieht, ist hier nicht einschlägig. Denn nach den für den Senat bindenden tatbestandlichen Feststellungen des Berufungsgerichts hat nach dem Widerruf vom 11. Februar 2011 die Beklagte - also nicht der Grundversorger E. - den Kläger vom 1. März 2011 bis zum 29. Februar 2012 mit Strom beliefert. Die rechtsgrundlosen Stromlieferungen der Beklagten sind daher ebenso nach §§ 812 ff. BGB rückabzuwickeln wie die vom Kläger an die Beklagte geleisteten Abschlagszahlungen.

10 bb) Die Höhe des Wertersatzanspruchs der Beklagten aus § 818 Abs. 2 BGB richtet sich nach dem Verkehrswert der vom Kläger rechtsgrundlos verbrauchten Strommenge. Abzustellen ist auf die übliche oder - in Ermangelung einer solchen - die angemessene Vergütung. Der geschuldete Wertersatz ist nach dem Tarif zu berechnen, der im Einzelfall zu einer der Leistung angemessenen Vergütung führt (BGH, Urteil vom 14. Januar 1992 - VI ZR 186/91, aaO S. 31 ff.).

11 Da die Beklagte unstreitig der billigste Anbieter war, der dem Kläger als Verbraucher zugänglich war, entspricht der Wertersatzanspruch der Beklagten, wie das Berufungsgericht zutreffend angenommen hat, jedenfalls im vorliegenden Fall dem mit dem Kläger vereinbarten Entgelt, so dass auch in diesem Fall der Anspruch der Beklagten den des Klägers auf Rückzahlung der geleisteten Abschlagszahlungen übersteigt. Dagegen bringt die Revision nichts vor.

12 3. Es besteht Gelegenheit zur Stellungnahme binnen drei Wochen ab Zustellung dieses Beschlusses.

Ball Dr. Frellesen Dr. Hessel

Dr. Achilles Dr. Schneider

Hinweis:

Das Verfahren ist aufgrund der Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen der Beklagten am 1. Juli 2013 gemäß § 240 ZPO unterbrochen.

Keywords

electricity supplywithdrawalunjust enrichmentvalue compensationrevisionmarket valueset-off

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Key legal question

Whether a statutory right of withdrawal under Section 312d(1) sentence 1 BGB was decisive for the dispute.

Extracted holding

The question was not decisive for the outcome.

Extracted reasoning

The court held that the claim failed whether or not the withdrawal was effective, because either the contractual price claim or the unjust enrichment set-off for consumed electricity prevailed.

Key legal question

Whether the electricity supplier had a claim for value compensation under Section 818(2) BGB for electricity delivered and consumed without legal basis.

Extracted holding

Yes. The supplier was entitled to value compensation based on the market value of the electricity consumed.

Extracted reasoning

The court applied established unjust-enrichment principles: value compensation is measured by the usual, or otherwise reasonable, remuneration; here the agreed tariff was at least appropriate because the supplier was the cheapest accessible provider.

Key legal question

Whether the revision had prospects of success or should be rejected under Section 552a ZPO.

Extracted holding

The revision had no prospect of success and was to be rejected by unanimous order.

Extracted reasoning

No grounds for admission existed, and the substantive arguments of the revision did not undermine the lower court's result.

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