Life insurance: no forfeiture deduction without valid clause

BGH IV ZR 189/11Bgh / Civil Chamber IVNov 27, 2012Dismissed

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Omnilex summary

The Federal Court dismissed the insurer’s revision in a dispute over a life-insurance policy. It held that the contractual clause governing conversion into a paid-up insurance did not authorize a forfeiture deduction, because the conditions only allowed deduction of outstanding debts and contained no express deduction mechanism. The Court further reaffirmed that an invalid forfeiture-deduction clause cannot be replaced through supplementary interpretation; without a valid agreement, the insurer has no right to deduct. It also confirmed that the policyholder must be able to prove that any deduction is lower or entirely excluded. Revision costs were imposed on the insurer.

Omnilex headnote

Art. 174 Abs. 4, Art. 176 Abs. 4 VVG a.F.; § 309 Nr. 5b BGB; forfeiture deduction in life insurance; absence of a valid contractual basis. A forfeiture deduction may be made only if it is expressly and effectively agreed and, under the statutory scheme, also appropriate. Where the policy conditions for conversion into paid-up insurance contain no deduction clause, the average policyholder cannot infer such a deduction from the mere reference to the cash value. An invalid deduction clause falls away; there is no insurer’s claim to a deduction and no room for supplementary contract interpretation (consid. 2). The insured must additionally retain the possibility of proving that a deduction is lower or entirely omitted (consid. 3).

Full text

BGH — IV ZR 189/11, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2012-11-27

Aktenzeichen: IV ZR 189/11

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 174 Abs 4 VVG vom 21.07.1994, § 176 Abs 4 VVG vom 21.07.1994, § 133 BGB, § 157 BGB, § 306 Abs 2 BGB

Vorinstanz: vorgehend LG München I, 8. September 2011, Az: 31 S 22934/10vorgehend AG München, 25. November 2010, Az: 223 C 5993/10

Spruchkörper: 4. Zivilsenat

Titelzeile

Lebensversicherung: Folgen der Unwirksamkeit einer Stornoabzugs-Klausel

Tenor

Die Revision der Beklagten gegen das Urteil des Landgerichts München I - 31. Zivilkammer - vom 8. September 2011 wird zurückgewiesen.

Die Beklagte hat die Kosten des Revisionsverfahrens zu tragen.

Streitwert: 845,13 €

Gründe

1 Die Revision ist gemäß § 552a ZPO durch Beschluss zurückzuweisen, weil die Voraussetzungen für die Zulassung der Revision nicht vorliegen (§ 543 Abs. 2 Satz 1 ZPO) und das Rechtsmittel darüber hinaus keine Aussicht auf Erfolg bietet. Zur Begründung wird auf den Beschluss vom 12. September 2012 Bezug genommen (§ 552a Satz 2, § 522 Abs. 2 Satz 2 und 3 ZPO). Das Vorbringen der Beklagten im Schriftsatz vom 12. November 2012 hat der Senat berücksichtigt, jedoch nicht für erheblich gehalten. Ergänzend ist zu bemerken:

2 1. Die Revision hat in der Sache keine Aussicht auf Erfolg, weil die Beklagte für den hier einschlägigen Fall der Umwandlung in eine beitragsfreie Versicherung in § 6 Abs. 4 der Allgemeinen Bedingungen für die kapitalbildende Lebensversicherung keinen Stornoabzug vorgesehen hat. Vielmehr ist dort lediglich bestimmt, dass der Rückkaufswert sich um ausstehende Forderungen (z.B. rückständige Beiträge) vermindert. Anders als in Absatz 3 bei der Kündigung fehlt eine ausdrückliche Regelung, dass der Rückkaufswert zusätzlich noch um einen als angemessen angesehenen Abzug vermindert wird. Soweit Absatz 4 den Begriff des Rückkaufswerts verwendet, wird sich der um Verständnis bemühte durchschnittliche Versicherungsnehmer zur näheren Bestimmung dieses Begriffs an Absatz 3 orientieren. Dort wird bezüglich des Rückkaufswerts ausdrücklich auf § 176 Abs. 3 VVG a.F. verwiesen. Das Gesetz unterscheidet in § 176 VVG a.F. gerade ausdrücklich zwischen dem Rückkaufswert in Absatz 3 sowie dem Stornoabzug in Absatz 4.

3 Auch im weiteren Text von § 6 Abs. 3 der Allgemeinen Bedingungen für die kapitalbildende Lebensversicherung wird entsprechend dieser gesetzgeberischen Wertung der Rückkaufswert bestimmt als der nach den anerkannten Regeln der Versicherungsmathematik für den Schluss der laufenden Versicherungsperiode berechnete Zeitwert. Erst anschließend wird er vermindert um den als angemessen angesehenen Abzug in Höhe von 1% der Differenz zwischen der Versicherungssumme und dem Deckungskapital zum Zeitpunkt der Kündigung. Eine derartige Abzugsregelung fehlt bei der Berechnung der beitragsfreien Versicherungssumme in Absatz 4. Der durchschnittliche Versicherungsnehmer muss bei aufmerksamer Durchsicht der Absätze 3 und 4 mithin nicht davon ausgehen, dass auch bei der Umwandlung in eine beitragsfreie Versicherung ein Abzug, wie in Absatz 3 vorgesehen, vorgenommen wird.

4 2. Der Senat hält ferner an seiner bereits mit Urteil vom 12. Oktober 2005 begründeten Auffassung fest, dass im Falle einer unwirksamen Vereinbarung eines Stornoabzugs dieser entfällt und kein Anspruch des Versicherers auf die Vornahme eines derartigen Abzugs besteht (IV ZR 162/03, BGHZ 164, 297, 313). Gründe, von dieser gefestigten Rechtsprechung des Senats abzuweichen, bestehen nicht. § 174 Abs. 4 und § 176 Abs. 4 VVG a.F. bestimmen unmissverständlich, dass der Versicherer zu einem Abzug nur berechtigt ist, wenn er vereinbart und angemessen ist. Fehlt es an der wirksamen Vereinbarung eines Abzugs, kommt dieser nicht in Betracht. Für eine ergänzende Vertragsauslegung besteht daher anders als bei der Verrechnung der Abschlusskosten keine Veranlassung.

5 Es geht auch nicht darum, dass die Beklagte zu Lasten der Versicherungsnehmer, die den Vertrag zu Ende führen, verpflichtet wäre, an die den Vertrag vorzeitig beendenden Versicherungsnehmer zusätzlich zum Rückkaufswert einen Stornoabzug auszuzahlen. Vielmehr ist die Beklagte umgekehrt nur berechtigt, einen Stornoabzug vorzunehmen, wenn dieser vertraglich wirksam vereinbart ist. Ist dies der Fall, müssen Versicherungsnehmer, die den Vertrag gleichgültig zu welcher Zeit vorzeitig stornieren, einen derartigen Abzug hinnehmen. Anderenfalls kommt er nicht in Betracht. Ein Ausgleich zwischen den Interessen derjenigen Versicherungsnehmer, die den Vertrag vorzeitig stornieren, sowie denjenigen, die ihn planmäßig zu Ende führen, kann jedenfalls nicht dazu führen, dass im Falle einer vorzeitigen Vertragsbeendigung ein nicht zulässiger Stornoabzug entgegen § 174 Abs. 4, § 176 Abs. 4 VVG a.F. doch vorgenommen wird.

6 3. Entgegen der Auffassung der Revision muss dem Versicherungsnehmer gemäß § 309 Nr. 5b BGB ferner der Nachweis eingeräumt werden, dass der Stornoabzug in geringerer Höhe als vorgesehen anzusetzen ist bzw. vollständig zu entfallen hat (Senatsurteil vom 25. Juli 2012 - IV ZR 201/10, VersR 2012, 1149 Rn. 64, zur Veröffentlichung in BGHZ vorgesehen). Eine derartige Regelung enthalten § 6 Abs. 3 und Abs. 4 der Allgemeinen Bedingungen für die kapitalbildende Lebensversicherung nicht.

Mayen Wendt Felsch

Harsdorf-Gebhardt Dr. Karczewski

Keywords

life insuranceforfeiture deductionpaid-up insurancecash valuecontract interpretationinvalid clausepolicyholder protectionrevisioncosts

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether a forfeiture deduction was permitted upon conversion to a paid-up life insurance under the policy terms.

Extracted holding

No. The relevant contractual clause for conversion to paid-up insurance did not provide for any forfeiture deduction; only outstanding amounts could reduce the cash value.

Extracted reasoning

The wording of the conditions differed from the cancellation scenario and lacked an express deduction clause. An informed average policyholder would not infer such a deduction from the reference to cash value, especially given the statutory distinction between cash value and forfeiture deduction.

Key legal question

Whether an invalidly agreed forfeiture deduction can be filled in by supplementary contract interpretation.

Extracted holding

No. If the deduction clause is ineffective, the insurer has no entitlement to deduct anything.

Extracted reasoning

Sections 174(4) and 176(4) VVG a.F. allow a deduction only if it was validly agreed and appropriate. Without a valid agreement, there is no basis for supplementary interpretation.

Key legal question

Whether the insured must be allowed to prove that the forfeiture deduction should be lower or omitted entirely.

Extracted holding

Yes. The insured must be allowed to show that the deduction is lower or should fall away completely.

Extracted reasoning

The Senate reaffirmed its case law and held that section 309 no. 5b BGB requires such proof to be available; the conditions did not provide for it.

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