Insolvency avoidance: debtor's intent and procedural admission effect

BGH IX ZR 48/11Bgh / Civil Chamber 9Feb 9, 2012Dismissed

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Omnilex summary

The Federal Court of Justice rejected the plaintiff's complaint against non-admission of the appeal in an insolvency avoidance case. It held that the decisive obstacle to the claim was the defendants' lack of knowledge of the debtor's intent to prejudice creditors, since they were entitled to assume that their claims were fully secured by land charges. The Court also held that the plaintiff was bound by a procedural admission that the land charges secured both defendants, because the relevant allegations had become part of the oral hearing and could not later be contradicted in the appeal instance.

Omnilex headnote

Art. 133 Abs. 1 S. 1 und 2, Art. 140 InsO; Art. 288 Abs. 1 ZPO; knowledge of the debtor's intent to prejudice creditors is absent where, on the basis of the facts available, the counterparty may assume that its claim is fully and insolvency-proof secured. A procedural admission arises from the parties' pleadings and the subsequent conduct of the hearing; the admission effect extends to the admitted factual basis and precludes a later contrary allegation unless the statutory conditions for withdrawal or correction are met.

Full text

BGH — IX ZR 48/11, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2012-02-09

Aktenzeichen: IX ZR 48/11

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 133 Abs 1 S 1 InsO, § 133 Abs 1 S 2 InsO, § 140 InsO, § 288 Abs 1 ZPO

Vorinstanz: vorgehend OLG Stuttgart, 30. März 2011, Az: 9 U 130/10, Urteilvorgehend LG Stuttgart, 14. Juli 2010, Az: 21 O 175/09

Spruchkörper: 9. Zivilsenat

Titelzeile

Insolvenzanfechtung: Kenntnis des Anfechtungsgegners vom Gläubigerbenachteiligungsvorsatz bei Annahme einer vollständigen dinglichen Sicherung; Geständniswirkung des Parteivorbringens

Tenor

Die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision im Urteil des 9. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Stuttgart vom 30. März 2011 wird auf Kosten des Klägers zurückgewiesen.

Der Streitwert wird auf 71.857,62 € festgesetzt.

Gründe

1 Die Beschwerde bleibt ohne Erfolg.

2 1. Die Ausführungen des Berufungsgerichts, wonach die Vorsatzanfechtung (§ 133 Abs. 1 InsO) bereits daran scheitert, dass der Schuldner nicht mit einem Benachteiligungsvorsatz gehandelt habe und seine Zahlungsunfähigkeit von den Beklagten nicht erkannt worden sei, sind durchgreifend rechtsfehlerhaft. Vielmehr ist den zutreffenden Ausführungen des Landgerichts der Vorzug zu geben. Die von dem Kläger insoweit geltend gemachten Zulassungsgründe sind jedoch nicht entscheidungserheblich.

3 2. Die Klageabweisung wird nämlich durch die Erwägung des Berufungsgerichts getragen, die Beklagten hätten den Benachteiligungsvorsatz des Schuldners deshalb nicht erkannt (§ 133 Abs.1 Satz 1 und 2 InsO), weil sie von einer vollen dinglichen Sicherung ihrer Forderungen ausgegangen seien. Diese rechtliche Würdigung kann nicht beanstandet werden.

4 a) Die Vorsatzanfechtung setzt gemäß § 133 Abs. 1 InsO voraus, dass der andere Teil, das heißt der Anfechtungsgegner, zur Zeit der Handlung (§ 140 InsO) den Vorsatz des Schuldners kannte. Der Anfechtungsgegner muss mithin gewusst haben, dass die Rechtshandlung des Schuldners dessen Gläubiger benachteiligt und dass der Schuldner dies auch wollte (BGH, Urteil vom 17. Juli 2003 - IX ZR 272/02, WM 2003, 1923, 1925; HK-InsO/Kreft, 6. Aufl., § 133 Rn. 21; MünchKomm-InsO/Kirchhof, 2. Aufl., § 133 Rn. 19; HmbKomm-InsO/Rogge, 3. Aufl. § 133 Rn. 20). Sofern der Anfechtungsgegner auf der Grundlage des gegebenen Sachverhalts eine Gläubigerbenachteiligung ausschließen kann, ist ihm der Benachteiligungsvorsatz des Schuldners nicht bekannt (BGH, Urteil vom 6. Oktober 2009 - IX ZR 191/05, BGHZ 182, 317 Rn. 12).

5 b) Bei dieser Sachlage scheidet auf der Grundlage der unangegriffenen Feststellungen des Berufungsgerichts eine Kenntnis der Beklagten von dem Gläubigerbenachteiligungsvorsatz des Schuldners aus. Danach gingen die Beklagten von einer umfassenden, insolvenzfesten Sicherung ihrer Forderungen aus. Die im Zuge der beiden Zwangsversteigerungsverfahren eingeholten Verkehrswertgutachten gelangten zu Grundstückswerten von - bezogen auf das Jahr 2001 - 227.000 € und von - bezogen auf das Jahr 2005 - 236.000 €. Selbst unter Berücksichtigung eines hälftigen Abschlags im Zwangsversteigerungsverfahren konnten die Beklagten nach Einschätzung des Berufungsgerichts jederzeit von einer vollwertigen Sicherheit ausgehen. Diese tatrichterliche Würdigung ist - zumal der Kläger von jeder näheren Darlegung zum Inhalt der Darlehensverträge abgesehen hat - unter zulassungsrelevanten Aspekten nicht zu beanstanden. Vor diesem Hintergrund kann dahin stehen, ob im Insolvenzverfahren im Unterschied zur Gläubigeranfechtung nicht nur der in der Zwangsversteigerung, sondern der bei einer freihändigen Veräußerung erzielbare Wert zu berücksichtigen ist (MünchKomm-InsO/Kirchhof, InsO, 2. Aufl., § 129 Rn. 152b; HK-InsO/Kreft, InsO, 6. Aufl., § 129 Rn. 56; Uhlenbruck/Hirte, InsO, 13. Aufl., § 129 Rn. 103a).

6 3. Ohne Erfolg wendet sich die Beschwerde gegen die Feststellungen des Berufungsgerichts, dass die Grundschulden die Forderungen beider Beklagter sicherten. Insoweit liegt ein bindendes prozessuales Geständnis des Klägers (§ 288 Abs. 1 ZPO) vor.

7 a) Grundsätzlich wird durch die Stellung der Anträge und anschließendes Verhandeln der gesamte, bis zum Termin angefallene Akteninhalt zum Gegenstand der mündlichen Verhandlung gemacht (vgl. BGH, Urteil vom 19. März 2004 - V ZR 104/03, BGHZ 158, 295, 309; vom 19. Januar 2012 - IX ZR 2/11, WM 2012, 326 Rn. 24). Die in der Antragstellung liegende stillschweigende Bezugnahme erstreckt die Geständniswirkung des § 288 ZPO auf das gesamte Parteivorbringen (BGH, Urteil vom 18. Juni 2007 - II ZR 89/06, NJW-RR 2007, 1563 Rn. 16; Urteil vom 19. Januar 2012 - IX ZR 2/11, aaO).

8 b) Der Kläger hat in der Klageschrift ausdrücklich vorgetragen, dass zwei Grundschulden "zu Gunsten der Beklagten bestellt" wurden. Diesem ihnen günstigen Vorbringen haben sich die Beklagten in der Klageerwiderung ausdrücklich angeschlossen. Durch die wechselseitige Antragstellung im Termin vom 8. März 2010 hat diese Darstellung Geständniswirkung (§ 288 ZPO) erlangt. Da es an den Voraussetzungen des § 290 ZPO fehlt, konnte sich der Beklagte im Berufungsrechtszug nicht auf die neue Erkenntnis berufen, dass die Grundschulden ausschließlich zu Gunsten der Beklagten zu 1 bestellt worden seien.

Kayser Gehrlein Vill

Lohmann Fischer

Keywords

insolvency avoidancecreditor prejudicedebtor intentknowledgesecurity interestprocedural admissionpleadingnon-admission complaint

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether leave to appeal should be granted in the insolvency avoidance case

Extracted holding

The complaint against denial of leave to appeal was unsuccessful.

Extracted reasoning

The Higher Regional Court's result stood because the defendants lacked knowledge of the debtor's intent to prejudice creditors, as they could assume their claims were fully secured by land charges; the challenged errors were therefore not decisive.

Key legal question

Whether the defendants knew the debtor's fraudulent intent under § 133 InsO

Extracted holding

No legally relevant knowledge was established because the defendants assumed full, insolvency-proof security for their claims.

Extracted reasoning

If the other party can exclude creditor prejudice on the factual basis available to it, knowledge of the debtor's prejudicial intent is absent. The valuation reports allowed the defendants to rely on full security.

Key legal question

Whether the plaintiff was bound by an admission that the land charges secured both defendants

Extracted holding

Yes. The plaintiff's own pleadings and the parties' conduct at the hearing constituted a binding procedural admission.

Extracted reasoning

By submitting and adopting the corresponding allegations, and through the joint requests at the hearing, the entire prior record became part of the oral hearing and the admission effect attached; the defendants could no longer be contradicted with a new allegation absent the conditions for correction of admissions.

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