Aiding breach of trust: sentence must also reflect special personal element

BGH 3 StR 309/11Bgh / Criminal Chamber IIIOct 25, 2011Partially Granted

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Omnilex summary

The Federal Court of Justice partly upheld the defendant's sentence appeal against a Duisburg Regional Court judgment convicting him of fraud and aiding breach of trust. It found sentencing errors in both parts: for aiding breach of trust, the court had to consider additional mitigation because the fiduciary duty is a special personal element; for fraud, it impermissibly treated the profit motive as an aggravating factor. The sentence was therefore set aside, while the factual findings remained intact. The compensation for excessive duration of proceedings was not touched. The case was remitted for a new sentencing decision, including appeal costs.

Omnilex headnote

§ 28 Abs. 1, § 27 Abs. 2, § 49 Abs. 1 StGB; sentencing for aiding breach of trust and fraud: The fiduciary duty under § 266 Abs. 1 StGB is a strafbarkeitsbegründendes besonderes persönliches Merkmal. If the accomplice does not himself stand in the fiduciary relationship, the sentencing court must examine not only mitigation under § 27 Abs. 2 StGB, but also the additional mitigation under § 28 Abs. 1 StGB, unless aid rather than perpetration was assumed solely because the fiduciary relationship was lacking. In fraud sentencing, the intent to secure an unlawful pecuniary advantage may not be used again to the offender's detriment, because it is already part of the offense under § 263 Abs. 1 StGB (consid. 2-6).

Full text

BGH — 3 StR 309/11, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2011-10-25

Aktenzeichen: 3 StR 309/11

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 27 Abs 2 StGB, § 28 Abs 1 StGB, § 49 Abs 1 StGB, § 266 Abs 1 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Duisburg, 14. April 2011, Az: 34 KLs 39/08 - 131 Js 92/05

Spruchkörper: 3. Strafsenat

Titelzeile

Untreue: Verwirklichung des strafbarkeitsbegründenden besonderen persönlichen Merkmals der Vermögensbetreuungspflicht durch den Gehilfen

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Duisburg vom 14. April 2011 im Strafausspruch aufgehoben; jedoch bleiben die zugehörigen Feststellungen aufrechterhalten.

Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

  1. Die weitergehende Revision wird verworfen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Betruges und wegen Beihilfe zur Untreue in fünf Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt sowie bestimmt, dass von dieser neun Monate wegen "überlanger Verfahrensdauer" als vollstreckt gelten. Die auf die Sachrüge gestützte Revision des Angeklagten führt zur Aufhebung des Strafausspruchs; im Übrigen ist sie aus den Gründen der Antragsschrift des Generalbundesanwalts unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

2 1. In den Fällen, in denen das Landgericht den Angeklagten wegen Beihilfe zur Untreue verurteilt hat, ist es - rechtsfehlerfrei - jeweils von einem besonders schweren Fall nach § 266 Abs. 2, § 263 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 StGB ausgegangen. Es hat den Strafrahmen des § 263 Abs. 3 StGB sodann gemäß § 27 Abs. 2, § 49 Abs. 1 StGB gemildert. Eine weitere Strafrahmenverschiebung nach § 28 Abs. 1, § 49 Abs. 1 StGB hat es nicht in Betracht gezogen. Dies begegnet durchgreifenden sachlichrechtlichen Bedenken.

3 Die Vermögensbetreuungspflicht im Sinne des § 266 Abs. 1 StGB ist ein strafbarkeitsbegründendes besonderes persönliches Merkmal im Sinne des § 28 Abs. 1 StGB. Bei einem Gehilfen, der - wie der Angeklagte - im Zeitpunkt der Gehilfenhandlung nicht selbst in einem Treueverhältnis zu der Geschädigten stand, ist eine Strafmilderung nach § 28 Abs. 1, § 49 Abs. 1 StGB neben der Milderung nach § 27 Abs. 2, § 49 Abs. 1 StGB zu erörtern, es sei denn, das Tatgericht hätte allein wegen Fehlens des Treueverhältnisses Beihilfe statt Täterschaft angenommen (st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 22. April 1988 - 2 StR 111/88, BGHR StGB § 28 Abs. 1 Merkmal 2; Beschluss vom 1. März 2005 - 2 StR 507/04, NStZ-RR 2006, 109; Beschluss vom 26. November 2008 - 5 StR 440/08, NStZ-RR 2009, 102).

4 Den Urteilsgründen ist nicht zu entnehmen, ob das Landgericht den Tatbeitrag des Angeklagten an sich nur als den eines Gehilfen gewertet oder ob es den Angeklagten nur deshalb als Gehilfen angesehen hat, weil er nicht in einem Treueverhältnis zu der Geschädigten stand. Im Rahmen der Ausführungen des Landgerichts zur Strafzumessung findet § 28 Abs. 1 StGB keine Erwähnung. Die Ausführungen der Strafkammer im Rahmen der rechtlichen Würdigung sind für die Strafzumessung unergiebig. Allein der Umstand, dass das Landgericht den § 28 Abs. 1 StGB bei der rechtlichen Bewertung des festgestellten Sachverhalts - ohne jede weitere Erläuterung - in seine Paragraphenkette aufgenommen hat, belegt nicht, dass es die Norm bei der Strafzumessung bedacht hat und sich der Möglichkeit einer weiteren Milderung des Strafrahmens bewusst gewesen ist.

5 2. Soweit der Angeklagte wegen Betruges verurteilt worden ist, verstoßen die Strafzumessungserwägungen der Strafkammer gegen § 46 Abs. 3 StGB. Diese hat zu Lasten des Angeklagten berücksichtigt, die Tat sei durch "eigennützige Bereicherungsabsicht" geprägt gewesen. Die Absicht, sich oder einem anderen einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, ist indes bereits Teil des subjektiven Tatbestands des § 263 Abs. 1 StGB; sie durfte deshalb bei der Strafzumessung nicht zum Nachteil des Angeklagten gewertet werden.

6 3. Der Senat kann nicht ausschließen, dass die Einzelstrafen, auf die das Landgericht erkannt hat, auf den aufgezeigten Rechtsfehlern beruhen. Er hält eine Entscheidung nach § 354 Abs. 1a Satz 1 StPO nicht für angezeigt. Aufgrund des Wegfalls der Einzelstrafen hat auch die Gesamtstrafe keinen Bestand. Die Strafzumessungstatsachen, die das Landgericht festgestellt hat, werden allerdings von den dargelegten Rechtsfehlern nicht berührt; sie können deshalb bestehen bleiben. Ergänzende Feststellungen, die den bisherigen nicht widersprechen, sind zulässig.

7 4. Die Kompensationsentscheidung wird von der Aufhebung des Strafausspruchs nicht erfasst (BGH, Urteil vom 27. August 2009 - 3 StR 250/09, BGHSt 54, 135). Der Angeklagte ist durch die rechtsfehlerhaft überhöhte Kompensation - neun Monate Freiheitsstrafe bei einer rechtsstaatswidrigen Verfahrensverzögerung von zwei Jahren und fünf Monaten - nicht beschwert.

Becker von Lienen Hubert

Schäfer Menges

Keywords

breach of trustaiding and abettingsentencingspecial personal elementfrauddouble countingappeallength of proceedings

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the sentence for aiding breach of trust had to be additionally mitigated under the special personal element rule of Art. 28(1) StGB

Extracted holding

Yes. A helper who did not himself stand in a fiduciary relationship to the victim at the time of assistance must, in principle, be considered for additional mitigation under Art. 28(1) in addition to the aid-related mitigation.

Extracted reasoning

The fiduciary duty under Art. 266(1) StGB is a special personal element that bears on punishment. The trial court gave no indication that it had considered this additional mitigation.

Key legal question

Whether the fraud sentence unlawfully relied on the defendant's profit motive as an aggravating factor

Extracted holding

Yes. The intent to obtain an unlawful pecuniary advantage is already an element of fraud and may not be used again to the defendant's detriment in sentencing.

Extracted reasoning

Art. 46(3) StGB bars double counting of elements already contained in the offense definition.

Key legal question

Whether the compensation for undue length of proceedings had to be set aside with the sentence

Extracted holding

No. The compensation decision is not affected by the setting aside of the sentence and remained intact.

Extracted reasoning

The sentence appeal does not extend to the compensation order; the defendant was not prejudiced by the overly generous compensation.

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