Drug sentencing reasons and vehicle forfeiture requirements

BGH 3 StR 296/11Bgh / Criminal Chamber IIISep 27, 2011Partially Granted

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Omnilex summary

The defendant was convicted by the Landgericht Bückeburg of importing narcotics in a non-negligible amount and sentenced to 5 years and 10 months' imprisonment, with forfeiture of the drugs and a BMW. On cassation, the Bundesgerichtshof upheld the conviction and the forfeiture of the seized drugs, but found the sentencing reasons incomplete and the vehicle forfeiture legally doubtful. The judgment was therefore set aside in the sentencing part and as to the BMW, and the case was remitted to another criminal chamber of the Landgericht, including for costs of the remedy.

Omnilex headnote

§ 267 Abs. 3 S. 1 StPO; Strafzumessung bei Betäubungsmitteldelikten: Das Tatgericht need only mention the circumstances decisive for sentence, but it must consider and weigh all materially relevant mitigating factors, in particular the seizure and removal from circulation of the entire drug quantity and the economic burden of accompanying forfeiture measures. § 74 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 1 StGB, § 74c Abs. 1 StGB; forfeiture of an item used for the offence presupposes ownership of the object at the time of the final tatrichterliche decision; if ownership has previously been transferred, substitute value forfeiture must be examined. An appellate court will set aside the sentence or forfeiture order where it cannot exclude a more favorable outcome had the omitted factors or correct legal basis been applied (consid. 3-4).

Full text

BGH — 3 StR 296/11, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2011-09-27

Aktenzeichen: 3 StR 296/11

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 46 Abs 1 StGB, § 74 Abs 1 StGB, § 74 Abs 2 Nr 1 StGB, § 74c Abs 1 StGB, § 29 BtMG, § 29a BtMG, § 267 Abs 3 S 1 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Bückeburg, 27. Mai 2011, Az: 4 KLs 1/11 - 304 Js 312/11, Urteil

Spruchkörper: 3. Strafsenat

Titelzeile

Strafzumessung bei Betäubungsmitteldelikten: Anforderungen an die Aufzählung der Zumessungserwägungen in den Urteilsgründen

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Bückeburg vom 27. Mai 2011 im Strafausspruch und im Ausspruch über die Einziehung des Pkw BMW, amtliches Kennzeichen …, mit den zugehörigen Feststellungen aufgehoben.

Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

  1. Die weitergehende Revision wird verworfen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und zehn Monaten verurteilt sowie die Einziehung der sichergestellten Betäubungsmittel und des sichergestellten Fahrzeugs angeordnet. Die auf Verfahrensbeschwerden und sachlich-rechtliche Beanstandungen gestützte Revision des Angeklagten hat den aus der Entscheidungsformel ersichtlichen Teilerfolg.

2 Während der Schuldspruch und die Entscheidung über die Einziehung der sichergestellten Betäubungsmittel revisionsgerichtlicher Nachprüfung standhalten, müssen der Strafausspruch und die Einziehung des sichergestellten Fahrzeugs auf die Sachrüge aufgehoben werden. Auf die Rüge der fehlerhaften Behandlung eines Beweisantrags, der allein mit Bezug auf den Strafausspruch gestellt worden war, kommt es deshalb nicht an. Im Hinblick auf die vom Landgericht zur Ablehnung eines Beweisantrags herangezogene Überlegung, es handele sich um eine Beweisbehauptung "aufs Geratewohl", verweist der Senat indes vorsorglich auf seine Entscheidungen vom 19. September 2007 - 3 StR 354/07, StV 2008, 9, vom 20. Juli 2010 - 3 StR 218/10, StraFo 2010, 466 und vom 22. Juli 2010 - 3 StR 133/10.

3 Der Generalbundesanwalt hat zur Begründung seines Antrags auf Aufhebung des Strafausspruchs und der Einziehungsentscheidung ausgeführt:

"Die Strafzumessungserwägungen sind … lückenhaft. Zwar braucht der Tatrichter im Urteil nur diejenigen Umstände anzuführen, die für die Bemessung der Strafe bestimmend gewesen sind (§ 267 Abs. 3 Satz 1 StPO), eine erschöpfende Aufzählung aller Strafzumessungserwägungen ist weder vorgeschrieben noch möglich (BGH [Urteil vom 3. November 1981 - 1 StR 501/81,] NJW 1982, 393; ständige Rechtsprechung). Hier ist aber zu besorgen, dass das Landgericht zum einen den gewichtigen strafmildernden Umstand, dass das gesamte für den Absatz bestimmte Haschisch und Marihuana sichergestellt und aus dem Verkehr gezogen werden konnte, so dass es nicht zu einer Gefährdung von Drogenkonsumenten kommen konnte, unberücksichtigt gelassen hat (vgl. [BGH, Beschluss vom 19. Januar 1990 - 2 StR 588/89,] BGHR BtMG § 29 Strafzumessung 10). Zum anderen wäre, auch vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Situation des Angeklagten, der Wert des eingezogenen Personenkraftwagens festzustellen und bei der gebotenen Gesamtbetrachtung der den Angeklagten treffenden Rechtsfolgen zu berücksichtigen gewesen (vgl. Schäfer/Sander/van Gemmeren, Praxis der Strafzumessung 4. Aufl. Rdn. 419 ff. m.w.N.). Der Senat wird nicht ausschließen können, dass der Tatrichter bei Beachtung dieser Strafmilderungsgründe die Strafe niedriger bemessen hätte.

Rechtliche Bedenken bestehen auch gegen die Anordnung der Einziehung des für die Kurierfahrt benutzten Pkw. Eine Einziehung gemäß § 74 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 1 StGB setzt voraus, dass der Täter zum Zeitpunkt der letzten tatrichterlichen Entscheidung Eigentümer der Sache ist (Fischer StGB 58. Aufl. § 74 Rdn. 12a). Hat der Angeklagten den Pkw vor der Entscheidung veräußert, so kommt nach § 74c Abs. 1 Einziehung des Wertersatzes in Betracht, die hier jedoch nicht angeordnet ist. Da das Landgericht hinsichtlich des Zeitpunkts der Eigentumsverhältnisse auf die Beschaffungsfahrt abgestellt hat (UA S. 9: der Angeklagte war Eigentümer des Pkw 'zumindest zum Zeitpunkt der Beschaffungsfahrt'), steht zu besorgen, dass es den für die Eigentumsverhältnisse maßgeblichen Zeitpunkt verkannt hat."

4 Dem schließt sich der Senat an.

Becker Pfister von Lienen

Schäfer Menges

Keywords

sentencingdrug offensesforfeituremitigating factorsownershipsubstitute value forfeiturecassation

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the sentence had to be set aside for insufficient sentencing reasons

Extracted holding

Yes. The sentencing reasons were incomplete because the court had not adequately addressed all materially relevant mitigating circumstances, in particular the seizure of the entire drug shipment and the defendant's economic situation together with the value of the confiscated car.

Extracted reasoning

Under § 267(3) sentence 1 StPO, the trial court need only state the factors that were determinative for sentencing, but it must not overlook significant mitigating factors. The appellate court could not exclude that proper consideration would have led to a lower sentence.

Key legal question

Whether the forfeiture of the BMW could stand

Extracted holding

No. The forfeiture order concerning the vehicle had to be set aside because forfeiture under § 74 StGB requires ownership at the time of the final fact-finding decision; if the car had been sold earlier, only substitute value forfeiture under § 74c StGB would be possible.

Extracted reasoning

The trial court appears to have relied on ownership at the time of the acquisition trip rather than at the relevant decision time. This creates concern that it applied the wrong legal standard.

Key legal question

Whether the conviction and forfeiture of the seized narcotics should be disturbed

Extracted holding

No. The conviction and the forfeiture of the seized drugs survived appellate review.

Extracted reasoning

Those parts of the judgment were not affected by the sentencing and ownership errors and remained legally sound.

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