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BGH 4 StR 151/11 ΓÇó Late self-defense claim after prior statements may be treated as changed account
BGH 4 StR 151/11Bgh / Criminal Chamber 4Jun 8, 2011Dismissed
The Federal Court dismissed the defendant's revision against a Saarbrücken Regional Court judgment. It held that the trial court was allowed to consider the defendant's late self-defense claim because he had already made a statement during the investigation. The case was therefore not one of protected silence followed by a first explanation, but of a changed account. The revision was found unfounded and the defendant was ordered to pay the costs of the remedy and the private complainant's necessary expenses.
Art. 261 StPO; distinction between protected silence and changed account in the evaluation of evidence: if the accused has already made a statement in the investigation, a later invocation of self-defense in the main hearing may be assessed as a change of version and weighed adversely in free evidence evaluation. It is not a case of mere late submission after initial silence, which would be treated differently. The Federal Court will not interfere where the trial court draws such inferences within the limits of free judicial appraisal (consid. 1).
Entscheidungsdatum: 2011-06-08
Aktenzeichen: 4 StR 151/11
Dokumenttyp: Beschluss
Normen: § 261 StPO
Vorinstanz: vorgehend LG Saarbrücken, 28. September 2010, Az: 1 Ks 2/10 - 6 Js 2174/09, Urteil
Spruchkörper: 4. Strafsenat
Freie Beweiswürdigung im Strafverfahren: Abgrenzung der späten Einlassung nach anfänglichem Schweigen von dem Wechsel der Einlassung
Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Saarbrücken vom 28. September 2010 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).
Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels und die dem Nebenkläger im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.
Ergänzend zur Antragsschrift des Generalbundesanwalts bemerkt der Senat: Die Rüge, das Landgericht habe fehlerhaft zum Nachteil des Angeklagten verwertet, dass dieser sich erst elf Monate nach dem Vorfall in der Hauptverhandlung auf Notwehr berufen habe, bleibt ohne Erfolg. Dieses Verhalten konnte gewürdigt werden, nachdem sich der Angeklagte im Ermittlungsverfahren gegenüber PK K. zum Tatvorwurf geäußert hatte. Aus der Äußerung „Ich sage nur eins: der hat es verdient! Sonst sage ich nichts ohne meinen Anwalt“ durfte der Tatrichter den Schluss ziehen, dass sich der Angeklagte bei seiner Erstvernehmung nicht auf Notwehr berufen hat (UA S. 31). Es handelte sich nicht um einen Fall später Einlassung nach anfänglichem Schweigen, sondern um den eines Wechsels der Einlassung (vgl. Meyer-Goßner, StPO, 53. Aufl., § 261 Rn. 18 a.E.; BGH, Beschluss vom 5. November 2009 – 3 StR 309/09, NStZ-RR 2010, 53).
Ernemann Roggenbuck Mutzbauer
Bender Quentin