VKH in resumed pension equalization proceedings

BGH XII ZB 602/10Bgh / Civil Chamber 12Jun 1, 2011Annulled

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Omnilex summary

The BGH held that in a transitional case, where a previously severed pension equalization matter is continued as an independent family case under the new law, earlier legal aid granted in the divorce bundle does not automatically extend to the resumed proceedings. The denial of new VKH by the OLG was therefore based on an incorrect legal premise. The BGH set aside the OLG's order and remitted the case so the OLG can examine the remaining requirements for VKH and the appointment of counsel, including costs of the recourse proceedings.

Omnilex headnote

Art. 111 Abs. 4 FGG-RG; § 50 VersAusglG: In transitional cases, where a from the divorce bundle severed pension equalization proceeding is continued as an independent family matter under the new law, the earlier process/legal aid granted in the bundle does not extend to the resumed proceedings. The loss of the status as a Folgesache also removes the basis for extension of aid under former § 624(2) ZPO a.F.; the application for VKH therefore retains its need for legal protection. By contrast, in ordinary cases a severed pension equalization proceeding remains covered by the aid granted in the bundle (consid. 6 f.).

Full text

BGH — XII ZB 602/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2011-06-01

Aktenzeichen: XII ZB 602/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: Art 111 Abs 4 FGG-RG, § 50 VersAusglG

Vorinstanz: vorgehend Oberlandesgericht des Landes Sachsen-Anhalt, 10. Oktober 2010, Az: 3 WF 257/10 (VKH), Beschlussvorgehend AG Zerbst, 13. September 2010, Az: 7 F 358/09 VA

Spruchkörper: 12. Zivilsenat

Titelzeile

Ehescheidungsverfahren: Wegfall der Verfahrenskostenhilfe bei Fortführung einer nach altem Recht abgetrennten Folgesache als selbstständige Familiensache nach neuem Recht

Tenor

Auf die Rechtsbeschwerde der Antragsgegnerin wird der Beschluss des 3. Zivilsenats - 1. Senat für Familiensachen - des Oberlandesgerichts Naumburg vom 10. Oktober 2010 aufgehoben.

Der Rechtsstreit wird zur erneuten Behandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsbeschwerdeverfahrens, an das Oberlandesgericht zurückverwiesen.

Gründe

I.

1 Die Parteien streiten noch um den Versorgungsausgleich aus ihrer rechtskräftig geschiedenen Ehe und insoweit um Bewilligung von Verfahrenskostenhilfe.

2 Im Scheidungsverbundverfahren hatte das Amtsgericht der Antragsgegnerin ratenfreie Prozesskostenhilfe unter Beiordnung ihrer erstinstanzlichen Verfahrensbevollmächtigten bewilligt. Mit Urteil vom 12. November 2008 wurde die Ehe der Parteien geschieden. Das Verfahren zum Versorgungsausgleich wurde unter Hinweis auf § 2 VAÜG abgetrennt und ausgesetzt. Im Januar 2010 hat das Amtsgericht das Verfahren zum Versorgungsausgleich gemäß § 50 VersAusglG wieder aufgenommen. Das Amtsgericht hat den Antrag der Antragsgegnerin auf Verfahrenskostenhilfe für das wieder aufgenommene Verfahren zurückgewiesen, weil sich die Bewilligung der Prozesskostenhilfe im Scheidungsverbundverfahren auch auf das wieder aufgenommene Verfahren zum Versorgungsausgleich erstrecke. Für eine erneute Bewilligung von Verfahrenskostenhilfe bestehe deswegen kein Rechtsschutzbedürfnis. Das Oberlandesgericht hat die Beschwerde der Antragsgegnerin zurückgewiesen. Dagegen richtet sich ihre vom Oberlandesgericht zugelassene Rechtsbeschwerde.

II.

3 Die Rechtsbeschwerde ist statthaft, weil das Beschwerdegericht sie wegen grundsätzlicher Bedeutung der Rechtssache zugelassen hat. Daran ist der Senat gebunden. Sie ist auch im Übrigen zulässig und hat in der Sache Erfolg.

4 1. Das Oberlandesgericht hat der Antragsgegnerin die begehrte Verfahrenskostenhilfe zu Unrecht unter Hinweis auf die im Scheidungsverbundverfahren bewilligte Prozesskostenhilfe versagt.

5 Der Senat hat mit Beschluss vom 16. Februar 2011 (XII ZB 261/10 - FamRZ 2011, 635) die Rechtsfrage, ob sich die im Scheidungsverbundverfahren bewilligte Prozesskostenhilfe auch auf das abgetrennte, zunächst ausgesetzte und nach dem 1. September 2009 wieder aufgenommene Verfahren zum Versorgungsausgleich erstreckt, entschieden.

6 a) Grundsätzlich bleibt ein vom Scheidungsverbundverfahren abgetrenntes Verfahren zum Versorgungsausgleich sowohl nach dem bis Ende August 2009 geltenden früheren Recht (§ 628 ZPO a.F.) als auch nach dem seit September 2009 geltenden neuen Recht (§ 137 Abs. 5 Satz 1 FamFG) Folgesache (Senatsbeschluss vom 16. Februar 2011 - XII ZB 261/10 - FamRZ 2011, 635 Rn. 5 ff.). Die im Scheidungsverbundverfahren bewilligte Prozess- oder Verfahrenskostenhilfe erstreckt sich regelmäßig also auch auf das abgetrennte Verfahren zum Versorgungsausgleich.

7 b) Dies gilt allerdings nicht für Übergangsfälle, in denen auf das vor dem 1. September 2009 eingeleitete Scheidungsverbundverfahren noch früheres Recht anwendbar war, die vom Scheidungsverbundverfahren abgetrennte Folgesache über den Versorgungsausgleich aber gemäß Art. 111 Abs. 4 FGG-RG als selbständige Familiensache nach neuem Recht fortzuführen ist. In solchen Übergangsfällen entfällt mit dem Wegfall der Qualifikation als Folgesache auch die Erstreckung der bewilligten Prozesskostenhilfe nach § 624 Abs. 2 ZPO a.F. auf das Verfahren über den Versorgungsausgleich. Die früher bewilligte Prozesskostenhilfe nimmt dem Antrag auf Bewilligung von Verfahrenskostenhilfe für die selbständige Familiensache dann auch nicht das Rechtsschutzbedürfnis (Senatsbeschluss vom 16. Februar 2011 - XII ZB 261/10 - FamRZ 2011, 635 Rn. 10 ff.).

8 2. Nach dieser Rechtsprechung, an der der Senat festhält, kann die Entscheidung des Oberlandesgerichts keinen Bestand haben. Der angefochtene Beschluss ist aufzuheben und das Verfahren ist an das Oberlandesgericht zurückzuverweisen, damit es die weiteren Voraussetzungen der Bewilligung von Verfahrenskostenhilfe und der Beiordnung eines Verfahrensbevollmächtigten prüfen kann. Insoweit weist der Senat auf seinen Beschluss vom 23. Juni 2010 hin (BGHZ 186, 70 = FamRZ 2010, 1427 Rn. 13 ff.).

Hahne Weber-Monecke Dose

Klinkhammer Günter

Keywords

legal aidpension equalizationdivorce proceedingstransitional lawsevered ancillary matterfamily procedureright to legal protection

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Key legal question

Whether earlier legal aid from the divorce bundle extends to the resumed pension equalization proceedings

Extracted holding

In an old-law transition case, the earlier legal aid does not extend once the severed pension equalization matter continues as an independent family case under new law.

Extracted reasoning

The court follows its prior decision: while severed pension equalization proceedings normally remain ancillary and are covered by the original aid, that is not so where transitional rules convert the matter into an independent family case. Then the former aid no longer removes the need for a new VKH application.

Key legal question

Whether the denial of VKH by the appellate court could stand

Extracted holding

No. The appellate decision had to be set aside and the matter remitted for examination of the remaining VKH requirements and appointment of counsel.

Extracted reasoning

Because the legal premise of the appellate court was incorrect, its ruling could not stand.

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