Permanent closure under the VermG; leave to appeal granted

BVerwG 8 B 50/10, 8 B 50/10 (8 C 5/11)Bverwg / Division 8Apr 29, 2011Granted

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Omnilex summary

The Federal Administrative Court set aside the Administrative Court Frankfurt (Oder)'s refusal to admit revision and allowed the revision in a restitution case concerning the concept of permanent closure under § 6 VermG. It held that the lower court had departed from established case law by using an incorrect criterion based on continued operation by employees or family members. The court also found a procedural defect because the lower court ignored essential facts about the expropriation of the entire plant and enterprise of A. T. AG, which could have affected the result. The amount in dispute was set at EUR 200,000 for the complaint and revision proceedings each.

Omnilex headnote

§ 132 Abs. 2 Nr. 2 und 3 VwGO; § 6 VermG; permanent closure of an enterprise and breach of the duty to form conviction from the record: Permanent closure within the meaning of § 6 VermG exists only where the enterprise, as an organizational unit, has definitively ceased to exist or has been dismantled as a bundle of assets. A deviation is material where the lower court substitutes other criteria, such as continued operation by employees or relatives. A procedural defect under § 108 Abs. 1 sentence 1 VwGO is also present where the court disregards essential, outcome-relevant facts appearing from the file and submissions of the parties; the judgment may then be based on that defect (consid. 2-3).

Full text

BVerwG — 8 B 50/10, 8 B 50/10 (8 C 5/11), Beschluss

Entscheidungsdatum: 2011-04-29

Aktenzeichen: 8 B 50/10, 8 B 50/10 (8 C 5/11)

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 6 VermG, § 132 Abs 2 Nr 2 VwGO

Vorinstanz: vorgehend VG Frankfurt (Oder), 25. Februar 2010, Az: 4 K 1191/08, Urteil

Spruchkörper: 8. Senat

Titelzeile

Zum Begriff der dauerhaften Stilllegung

Tenor

Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Frankfurt (Oder) über die Nichtzulassung der Revision gegen sein Urteil vom 25. Februar 2010 wird aufgehoben.

Die Revision wird zugelassen.

Die Entscheidung über die Kosten des Beschwerdeverfahrens folgt der Kostenentscheidung in der Hauptsache.

Der Wert des Streitgegenstandes wird für das Beschwerdeverfahren und für das Revisionsverfahren - insoweit vorläufig - auf je 200 000 € festgesetzt.

Gründe

1 Die Beschwerde ist begründet. Die Revision ist gemäß § 132 Abs. 2 Nr. 2 und 3 VwGO zuzulassen.

2 Das Urteil des Verwaltungsgerichts weicht im Sinne des § 132 Abs. 2 Nr. 2 VwGO von der ständigen Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts zu § 6 VermG ab, derzufolge die dauerhafte Stilllegung eines Betriebes dann anzunehmen ist, wenn das Unternehmen als organisatorische Einheit endgültig aufgehört hat zu bestehen oder als Zusammenfassung vermögenswerter Gegenstände zerschlagen worden ist (vgl. z.B. Urteil vom 28. März 2001 - BVerwG 8 C 6.00 - Buchholz 428 § 6 VermG Nr. 42). Dem stellt das Verwaltungsgericht den Rechtssatz entgegen, dass es für die Frage der Stilllegung eines Unternehmens darauf ankommt, ob der geflohene bzw. abwesende Unternehmer Arbeitnehmer beschäftigte, die das Unternehmen nach der Flucht bis zur schädigenden Maßnahme fortführten oder ob Familienangehörige das Unternehmen fortführten. Auf dieser Abweichung beruht die Ablehnung eines Anspruchs der Beigeladenen auf Unternehmensrestitution gemäß § 6 VermG.

3 Zwar hat das Verwaltungsgericht als selbstständig tragenden Grund auch das Vorliegen einer schädigenden Maßnahme im Sinne des § 1 VermG verneint. Insoweit liegt aber ein Verfahrensmangel gemäß § 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO vor, auf dem das Urteil beruhen kann. Die Beschwerde rügt zu Recht einen Verstoß gegen den Überzeugungsgrundsatz des § 108 Abs. 1 Satz 1 VwGO, weil das Verwaltungsgericht wesentlichen Sachverhalt bei der Feststellung, dass der Schädigungstatbestand des § 1 Abs. 3 VermG nicht vorliegt, unberücksichtigt gelassen hat. Das Verwaltungsgericht hat seine Annahme, die Enteignung der A. T. AG durch Beschluss vom 6. Dezember 1955 sei keine Schädigungsmaßnahme im Sinne des § 1 Abs. 3 VermG gewesen, darauf gestützt, dass die Enteignung der Erschließung des Tonvorkommens gedient habe und zu diesem Zweck gemäß § 1 Abs. 2, § 4 Abs. 2 des Gesetzes zur Überführung der Bodenschätze und Kohlenbergbaubetriebe in die Hand des Volkes vom 28. Juni 1947 Enteignungen zulässig gewesen seien. Dabei hat es den sich aus den Akten ergebenden und von dem Beklagten und der Beigeladenen vorgetragenen Sachverhalt, dass nicht einzelne Grundstücke, sondern das Werk und damit der gesamte Betrieb der A. T. AG enteignet worden sind, für diese Enteignung die angegebene Rechtsgrundlage nicht geeignet war und auf diesen Umstand die Enteignungsbehörde auch durch das Ministerium der Finanzen und den Bezirksstaatsanwalt hingewiesen worden ist, nicht berücksichtigt. Damit hat das Verwaltungsgericht seine Verpflichtung, seine der Entscheidung zugrunde liegende Überzeugungsbildung auf den gesamten Sachvortrag und die sich aus den Akten ergebenden Tatsachen zu stützen, verletzt. Auf diesem Verfahrensmangel kann die angefochtene Entscheidung beruhen.

4 Die Streitwertfestsetzung beruht auf § 47 Abs. 1 und 3, § 52 Abs. 1, § 63 Abs. 1 GKG.

Keywords

permanent closureenterprise restitutiondivergenceprocedural defectconviction from the recordexpropriationleave to appeal

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether leave to appeal had to be granted because the administrative judgment diverged from BVerwG case law on permanent closure under § 6 VermG.

Extracted holding

Yes. The lower court adopted a legal standard contrary to established BVerwG doctrine on when an enterprise is permanently closed.

Extracted reasoning

Permanent closure is present only when the business as an organizational unit has finally ceased to exist or has been dismantled as a bundle of assets. The administrative court instead focused on whether employees or family members continued operations after the owner's flight or absence.

Key legal question

Whether the judgment was also affected by a procedural defect under § 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO due to violation of the court's duty to base its conviction on the full record.

Extracted holding

Yes. The court overlooked essential facts regarding the expropriation of the whole plant and enterprise.

Extracted reasoning

The administrative court relied on a legal basis for the expropriation without considering that not individual parcels but the entire plant and thus the whole business of A. T. AG had been expropriated, and that the authorities themselves had pointed to this mismatch. This omission could have influenced the outcome.

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