Old convictions may be considered if not yet expunged at judgment

BGH 4 StR 681/10Bgh / Criminal Chamber 4Jan 25, 2011Dismissed

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Omnilex summary

The Federal Court of Justice dismissed the defendant’s revision against the Essen Regional Court judgment. The defendant had been convicted of three counts of unlawful narcotics trafficking in a non-negligible quantity and sentenced to five years’ imprisonment. The court held that the sentencing court was allowed to treat the defendant as repeatedly and specifically previously convicted. The Federal Central Register Act did not bar use of those convictions because the expungement period had not expired on the date of judgment, and later expungement was irrelevant in revision. The defendant also had to bear the costs of the remedy.

Omnilex headnote

§§ 46, 47, 51 BZRG; § 46 StGB; § 349 Abs. 2 StPO: Prior convictions may be considered for sentencing if, at the time of the judgment, they are still usable in the register sense. Where several convictions are entered, expungement of one entry is admissible only if the conditions for expungement of all relevant entries are met; an earlier conviction may extend the expungement period of a later conviction pursuant to § 46 Abs. 3 BZRG, irrespective of the actual duration of enforcement. Subsequent expungement after the tatrichterliche decision is not to be considered by the court of revision (consid. 3 f.).

Full text

BGH — 4 StR 681/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2011-01-25

Aktenzeichen: 4 StR 681/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 46 BZRG, § 47 Abs 3 S 1 BZRG, § 51 Abs 1 BZRG, § 46 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Essen, 6. Oktober 2010, Az: 22 KLs 9/10 - 71 Js 369/10, Urteil

Spruchkörper: 4. Strafsenat

Titelzeile

Strafzumessung: Strafschärfende Berücksichtigung lange zurückliegender Vorverurteilungen; Tilgungsreife nach tatrichterlicher Entscheidung

Tenor

  1. Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Essen vom 6. Oktober 2010 wird verworfen.

  2. Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in drei Fällen zu der Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt. Hiergegen richtet sich die auf die allgemeine Sachrüge gestützte Revision des Angeklagten.

2 Das Rechtsmittel bleibt ohne Erfolg, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

3 Das Landgericht durfte wie geschehen strafschärfend berücksichtigen, "dass der Angeklagte mehrfach und einschlägig vorbestraft ist" (UA 13 f.). Dem stand das - auf Sachrüge zu berücksichtigende (BGH, Beschluss vom 18. März 2009 – 1 StR 50/09) - Verwertungsverbot nach § 51 Abs. 1 BZRG nicht entgegen. Das Landgericht teilt mit, dass der Angeklagte "u.a." dreimal vorbestraft ist: Am 19. Dezember 1991 wurde er wegen Handeltreibens mit „Haschisch“ in nicht geringer Menge in Tateinheit mit Erwerb von „Haschisch“ zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten mit Bewährung verurteilt; die Strafe wurde später erlassen. Mit Urteil vom 6. Dezember 1994 wurde der Angeklagte wegen unerlaubten Handeltreibens mit „Haschisch“ in zwei Fällen zu einer (Gesamt-)Freiheitsstrafe von einem Jahr mit Bewährung verurteilt; auch diese Strafe wurde - nach Verlängerung der Bewährungszeit - erlassen. Zuletzt wurde er am 26. Juni 1996 wegen "Verkehrsunfallflucht" zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen verurteilt; außerdem wurde eine Maßregel nach § 69a StGB angeordnet.

4 Sind im Register mehrere Verurteilungen eingetragen, so ist die Tilgung einer Eintragung gemäß § 47 Abs. 3 Satz 1 BZRG erst zulässig, wenn für alle Verurteilungen die Voraussetzungen der Tilgung vorliegen. Wegen der Voreintragung aus dem Jahr 1991 galt auch für die mit Urteil vom 6. Dezember 1994 verhängte (Gesamt-)Freiheitsstrafe von einem Jahr eine fünfzehnjährige Tilgungsfrist gemäß § 46 Abs. 1 Nr. 4 BZRG. Diese verlängerte sich gemäß § 46 Abs. 3 BZRG um die Dauer der verhängten Freiheitsstrafe; für diese Verlängerung kommt es nicht auf die Dauer ihrer Vollstreckung an (vgl. BGH, Beschluss vom 27. April 1999 - 4 StR 125/99, NStZ 1999, 466; Graf/Bücherl, Strafprozessordnung, § 46 BZRG Rn. 27). Somit war die Tilgungsfrist am 6. Oktober 2010, dem Tag der Urteilsverkündung, noch nicht abgelaufen. Die nach dem tatrichterlichen Urteil eingetretene Tilgungsreife der Eintragungen im Zentralregister ist vom Revisionsgericht nicht zu berücksichtigen (BGH, Beschluss vom 7. Dezember 1993 - 5 StR 320/93, BGHR BZRG § 51 Tilgungsreife 1).

Ernemann Solin-Stojanović Cierniak

Franke Mutzbauer

Keywords

sentencingprior convictionsexpungementcentral registerrevisioncosts

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the sentencing court could aggravate the sentence based on old prior convictions under the Federal Central Register Act.

Extracted holding

Yes. The prior convictions could be considered because, at the time of the judgment, the expungement periods had not yet expired and the statutory bar on use did not apply.

Extracted reasoning

Multiple registered convictions are expunged only when all conditions for expungement are met. Because an earlier 1991 conviction extended the expungement period for the 1994 conviction, the relevant period had not expired by the date of judgment. Expungement attained only after the trial is irrelevant on appeal.

Key legal question

Whether the revision should be upheld for error in sentencing.

Extracted holding

No. The review revealed no legal error adverse to the defendant.

Extracted reasoning

The appellate court found the sentence to be free of reversible error under the revision standard.

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