Insolvency proceeding cannot be ended without proving no opening grounds

BGH IX ZB 1/10Bgh / Civil Chamber 9Oct 7, 2010Dismissed

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Omnilex summary

The Federal Court dismissed the debtor's extraordinary complaint against the refusal to terminate the insolvency proceeding. It held that an application under § 212 InsO is admissible only if the debtor credibly shows that no opening grounds remain, including that he can satisfy the proven claims. The mere later loss of the petitioning creditor's claim is not enough. Because the debtor made no sufficient showing, the lower court correctly refused to entertain the application. The debtor was ordered to bear the costs.

Omnilex headnote

§ 212 InsO; termination of insolvency proceedings requires credible showing that, after termination, no opening grounds subsist. The debtor must establish not only the disappearance of the petitioning creditor's claim, but also that payment of the claims established in the proceedings is assured and that renewed insolvency is not to be expected in the foreseeable future. If such credibility is lacking, the termination request is inadmissible. In cassation, review is confined to legal errors and procedural violations; absent such defects, the extraordinary complaint fails (consid. 4-5).

Full text

BGH — IX ZB 1/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-10-07

Aktenzeichen: IX ZB 1/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 6 InsO, § 212 InsO, § 216 InsO

Vorinstanz: vorgehend LG Frankenthal, 7. Dezember 2009, Az: 1 T 238/09, Beschlussvorgehend AG Neustadt (Weinstraße), 12. Oktober 2009, Az: 1 IN 13/08

Spruchkörper: 9. Zivilsenat

Titelzeile

Einstellung des Insolvenzverfahrens: Glaubhaftmachung des Fehlens von Eröffnungsgründen; Wegfall der Forderung des antragstellenden Gläubigers

Tenor

Die sofortige Beschwerde gegen den Beschluss der 1. Zivilkammer des Landgerichts Frankenthal (Pfalz) vom 7. Dezember 2009 wird auf Kosten des Schuldners als unzulässig verworfen.

Wert des Beschwerdeverfahrens: 5.000 €.

Gründe

I.

1 Am 1. Juli 2008 eröffnete das Insolvenzgericht auf Antrag des weiteren Beteiligten zu 2 das Insolvenzverfahren über das Vermögen des Schuldners wegen Zahlungsunfähigkeit. Eine Beschwerde des Schuldners gegen den Eröffnungsbeschluss blieb erfolglos, weil er sie verspätet eingelegt hatte. Im Verfahren erfolgten Anmeldungen von 36 Gläubigern mit Forderungen in Höhe von 7,4 Mio. €, von denen 6,3 Mio. € unbestritten blieben.

2 Am 16. März 2009 hat der Schuldner zugleich mit der verspäteten Beschwerde gegen den Eröffnungsbeschluss Einstellung des Verfahrens nach § 212 InsO beantragt. Diesen Einstellungsantrag hat das Insolvenzgericht mit Beschluss vom 12. Oktober 2009 mangels Glaubhaftmachung des Wegfalls des Eröffnungsgrundes als unzulässig zurückgewiesen. Eine hiergegen gerichtete sofortige Beschwerde ist erfolglos geblieben. Mit seiner Rechtsbeschwerde verfolgt der Schuldner den Einstellungsantrag weiter.

II.

3 Die nach §§ 6, 7, § 216 Abs. 2 InsO, § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO statthafte Rechtsbeschwerde ist unzulässig. Die Rechtssache hat keine grundsätzliche Bedeutung, und weder die Fortbildung des Rechts noch die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung erfordert eine Entscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts (§ 574 Abs. 2 ZPO). Verfahrensgrundrechte des Schuldners sind nicht verletzt. Rechtlich erheblichen Sachvortrag hat das Beschwerdegericht bei seiner Entscheidung nicht übergangen.

4 1. Gemäß § 212 InsO ist das Insolvenzverfahren auf Antrag eines Schuldners einzustellen, wenn gewährleistet ist, dass nach der Einstellung beim Schuldner weder Zahlungsunfähigkeit noch drohende Zahlungsunfähigkeit, noch - soweit die Überschuldung Grund für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist - Überschuldung vorliegt. Der Antrag ist nur zulässig, wenn das Fehlen der Eröffnungsgründe glaubhaft gemacht wird (BGH, Beschl. v. 6. Februar 2003 - IX ZB 287/02, ZInsO 2003, 216; v. 18. Juni 2009 - IX ZA 13/09, NZI 2009, 517; OLG Celle ZInsO 2000, 558, 559; LG Göttingen NZI 2008, 751, 752). Allein der Wegfall der Forderung des antragstellenden Gläubigers nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens reicht nicht aus, um die Voraussetzungen des § 212 InsO zu erfüllen (BGH, Beschl. v. 27. Juli 2006 - IX ZB 12/06, ZVI 2006, 564, 565; v. 27. Juli 2006 - IX ZB 204/04, ZIP 2006, 1957, 1960 Rn. 19). Vielmehr muss sichergestellt sein, dass es auf absehbare Zeit nach Einstellung des Verfahrens nicht zu einer erneuten drohenden Zahlungsunfähigkeit des Schuldners kommen kann (OLG Celle aaO).

5 Übereinstimmend mit diesen Grundsätzen hat das Beschwerdegericht die Voraussetzungen einer Glaubhaftmachung nach § 212 Satz 2 InsO nicht als erfüllt angesehen, weil - dies stellt auch die Rechtsbeschwerde nicht in Abrede - Ausführungen dazu fehlen, dass der Schuldner in der Lage ist, die im Verfahren festgestellten Forderungen vollständig zu befriedigen. Ungeklärte Fragen von grundsätzlicher Bedeutung stellen sich in diesem Zusammenhang nicht.

6 2. Da nicht davon ausgegangen werden kann, dass im Zeitpunkt der Entscheidung über den Einstellungsantrag durch das Beschwerdegericht kein Eröffnungsgrund (mehr) vorliegt, kann die Frage offen bleiben, ob § 212 InsO auch dann anzuwenden ist, wenn schon im Zeitpunkt der Insolvenzeröffnung kein Eröffnungsgrund vorgelegen hat.

7 3. Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 577 Abs. 6 Satz 3 ZPO abgesehen.

Ganter Raebel Kayser

Lohmann Pape

Keywords

insolvency terminationopening groundscredibilitydebtor applicationinadmissibilityrenewed insolvencycosts

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the debtor's request to terminate the insolvency proceeding under § 212 InsO was admissible without credible proof that the opening grounds had ceased to exist.

Extracted holding

The request was inadmissible because the debtor had not credibly shown the absence of opening grounds, in particular his ability to fully satisfy the established claims.

Extracted reasoning

Under § 212 InsO, termination requires assurance that neither present nor imminent insolvency, and where relevant overindebtedness, exists after termination. The mere disappearance of the petitioning creditor's claim is insufficient; it must be shown that renewed insolvency is not expected in the foreseeable future.

Key legal question

Whether the debtor's extraordinary complaint could succeed against the appellate court's refusal to terminate the insolvency proceeding.

Extracted holding

No. The complaint raised no issues of fundamental importance, and no procedural right was violated.

Extracted reasoning

The appellate court had applied the correct legal standard and had not overlooked any materially relevant submissions.

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