Revision inadmissible against omitted preventive detention

BGH 3 StR 375/10Bgh / Criminal Chamber IIIOct 7, 2010Dismissed

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Omnilex summary

The Federal Court dismissed the defendant’s revision as inadmissible. After the case had been remitted only on the issue of preventive detention, the new regional court declined to order the measure. The defendant nevertheless attempted to challenge the conviction and sentence as well as the omission of preventive detention. The court held that a defendant is not prejudiced by the non-imposition of preventive detention and therefore cannot attack a judgment solely on that ground. The conviction and prison sentence had already become final after the earlier BGH decision and were no longer open to review. The defendant was ordered to bear the costs of the remedy.

Omnilex headnote

Art. 66 StGB; Art. 337 StPO; inadmissibility of a revision directed solely against the omission of preventive detention. The accused is not adversely affected by the fact that a measure of security and rehabilitation is not ordered, because such a measure constitutes an additional burden only if imposed. A remedy that targets exclusively the non-imposition of preventive detention is therefore inadmissible for lack of complaint. If, after a prior appellate decision, conviction and sentence have already entered into finality, they cannot be reopened in renewed revision proceedings; only the matter remitted remains open.

Full text

BGH — 3 StR 375/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-10-07

Aktenzeichen: 3 StR 375/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 66 StGB, § 337 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Osnabrück, 15. Juni 2010, Az: 10 KLs 710 Js 50665/06 - 10/10, Urteil

Spruchkörper: 3. Strafsenat

Titelzeile

Revision des Angeklagten wegen Absehens des Tatrichters von der Anordnung von Sicherungsverwahrung

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Osnabrück vom 15. Juni 2010 wird verworfen.

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Gründe

1 Das Landgericht hatte den Angeklagten mit Urteil vom 22. September 2009 wegen schweren Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, Bandendiebstahls in zwei Fällen, Besitzes einer halbautomatischen Kurzwaffe in Tateinheit mit dem Besitz von Munition und wegen Verschaffens von falschen amtlichen Ausweisen in Tateinheit mit Verschaffen eines unechten aufenthaltsrechtlichen Papiers zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von acht Jahren und sechs Monaten verurteilt. Außerdem hatte es seine Unterbringung in der Sicherungsverwahrung angeordnet.

2 Auf die Revision des Angeklagten hat der Senat mit Beschluss vom 2. Februar 2010 - 3 StR 566/09 - den Schuldspruch dahin geändert, dass der Angeklagte statt des "schweren Raubes" des "besonders schweren Raubes" schuldig ist, den Maßregelausspruch mit den zugehörigen Feststellungen aufgehoben und im Umfang der Aufhebung die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen. Die weitergehende Revision des Angeklagten hat er verworfen.

3 Mit Urteil vom 15. Juni 2010 hat die neu mit der Sache befasste Strafkammer von der Unterbringung des Angeklagten in der Sicherungsverwahrung abgesehen. Hiergegen wendet sich der Angeklagte mit seiner auf die Rüge der Verletzung formellen und materiellen Rechts gestützten Revision, mit der er Einwendungen gegen den Schuldspruch und den Strafausspruch erhebt. Das Rechtsmittel ist unzulässig.

4 Hierzu hat der Generalbundesanwalt ausgeführt:

"Ein Angeklagter kann ein gegen ihn ergangenes Urteil nicht allein deswegen anfechten, weil gegen ihn (neben der Strafe) keine Maßregel der Besserung und Sicherung angeordnet worden ist. Denn die angeordnete Maßregel stellt grundsätzlich ein zusätzliches Übel neben der Freiheitsstrafe dar. Durch das Unterlassen der Maßregelanordnung ist ein Angeklagter daher nicht beschwert. Soweit ein Rechtsmittel die Nichtanordnung der Maßregel beanstandet, ist es mithin unzulässig (BGHSt 28, 327, 330 f.; 37, 5, 7; 38, 4, 7; BGHR StGB § 64 Ablehnung 11; Meyer-Goßner StPO 53. Auflage vor § 296 Rn. 10 m.w.N.).

An dieser Bewertung ändert sich auch dadurch nichts, dass vorliegend der Verteidiger des Angeklagten im Rahmen der Revisionsbegründung ausgeführt hat, das Rechtsmittel richte sich 'nicht gegen die Aufhebung' (RB vom 21. Juni 2010) bzw. 'nicht gegen Fragen' (RB vom 19. Juli 2010) der Sicherungsverwahrung. Eine wirksame Revisionsbeschränkung kann hierin nicht liegen, da es unmöglich ist, die gesamte angefochtene Entscheidung vom Angriff eines Rechtsmittels auszunehmen. Die Revision verkennt, dass das Landgericht mit dem angegriffenen Urteil in der Hauptsache allein noch über die Frage der Maßregelanordnung befunden hat. Denn im Übrigen - hinsichtlich des Schuldspruchs und der verhängten Gesamtfreiheitsstrafe - ist die Verurteilung des Angeklagten vom 22. September 2009 aufgrund der Entscheidung des Senats vom 2. Februar 2010 bereits in Rechtskraft erwachsen und kann daher insoweit nicht mehr angefochten werden. Folglich kann der Angeklagte im neuerlichen Revisionsverfahren auch nicht mehr mit seinen Einwendungen gegen den Schuldspruch sowie die Höhe der verhängten Strafe gehört werden."

5 Dem schließt sich der Senat an.

Becker Pfister von Lienen

Schäfer Mayer

Keywords

revision admissibilitypreventive detentionfinalitystanding to complaincostscriminal cassation

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the revision was admissible insofar as it challenged the omission of preventive detention.

Extracted holding

A defendant is not adversely affected merely because no preventive detention was ordered; a challenge directed only against the non-imposition of the measure is inadmissible.

Extracted reasoning

Preventive detention is an additional burden alongside imprisonment. The defendant therefore lacks standing to complain about its omission. A purported limitation of the revision excluding the measure does not create admissibility, and the remaining conviction and sentence had already become final after the prior appellate decision.

Key legal question

Whether the defendant could still attack the conviction and total sentence in the renewed revision proceedings.

Extracted holding

No; those parts of the original judgment had already become final and could no longer be contested.

Extracted reasoning

The earlier BGH decision had already left the conviction and total imprisonment sentence intact, so the renewed proceedings concerned only the preventive-detention issue.

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