Civil procedure: adopting facts from a judicial hint

BGH I ZR 61/09Bgh / Civil Chamber IJul 1, 2010Dismissed

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Omnilex summary

The Federal Court of Justice dismissed the defendant’s complaint against denial of leave to appeal. It held that the appellate court had not relied ex officio on a judge-known fact from another case. Rather, the plaintiff had expressly endorsed the court’s procedural hint and thereby adopted the factual statement into its own submissions, satisfying the adversarial principle under § 291 ZPO. The asserted question therefore did not arise, and the case lacked the requirements for leave to appeal under § 543(2) sentence 1 ZPO. The defendant was ordered to bear the costs of the complaint proceedings.

Omnilex headnote

§ 291 ZPO; Beibringungsgrundsatz und richterlicher Hinweis; ein vom Gericht als „gerichtsbekannt“ bezeichneter Umstand darf der Entscheidung zugrunde gelegt werden, wenn die Partei ihn nach Hinweis des Gerichts erkennbar zum Gegenstand ihres eigenen Vorbringens macht. Ein ausdrückliches Einverständnis mit dem gerichtlichen Hinweis genügt, sofern dadurch die Tatsachenbehauptung in den Parteivortrag aufgenommen wird; dann liegt keine unzulässige Amtsaufklärung vor. § 543 Abs. 2 Satz 1 ZPO; fehlt es an einer durchgreifenden Verfahrensrüge und sind Grundsatzbedeutung, Rechtsfortbildung oder Sicherung einheitlicher Rechtsprechung nicht ersichtlich, ist die Nichtzulassungsbeschwerde zurückzuweisen.

Full text

BGH — I ZR 61/09, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-07-01

Aktenzeichen: I ZR 61/09

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 291 ZPO, § 543 Abs 2 S 1 ZPO

Vorinstanz: vorgehend OLG Düsseldorf, 1. April 2009, Az: I-18 U 105/05, Urteilvorgehend LG Düsseldorf, 9. Juni 2005, Az: 31 O 131/03, Urteil

Spruchkörper: 1. Zivilsenat

Titelzeile

Beibringungsgrundsatz im Zivilprozess: Zueigenmachen der in einem gerichtlichen Hinweis angeführten Tatsachen - Gerichtsbekannt

Tenor

Die Beschwerde der Beklagten gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des 18. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 1. April 2009 wird zurückgewiesen, weil die Rechtssache keine grundsätzliche Bedeutung hat, die auf die Verletzung von Verfahrensgrundrechten gestützten Rügen nicht durchgreifen und die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Revisionsgerichts auch im Übrigen nicht erfordern (§ 543 Abs. 2 Satz 1 ZPO).

Das Berufungsgericht hat nicht von Amts wegen eine den Richtern aus einem anderen Verfahren bekannte Tatsache zur Grundlage des angegriffenen Urteils gemacht. Der Vorsitzende des Berufungssenats hat die Parteien mit Verfügung vom 29. Oktober 2008 darauf hingewiesen, dass es mittlerweile "gerichtsbekannt" sei, dass die Beklagte bei einem Hinweis auf die Gefahr eines ungewöhnlich hohen Schadens weder die Beförderung ablehne noch besondere Sicherheitsvorkehrungen treffe, wenn die Grenze zum Verbotsgut nicht erreicht werde, was bei allen noch in Rede stehenden Schadensfällen zutreffe. Die Klägerin hat hierzu mit Schriftsatz vom 3. November 2008 Stellung genommen und mitgeteilt, dass dem gerichtlichen Hinweis aus ihrer Sicht nur zugestimmt werden könne. Damit hat sie hinreichend deutlich zum Ausdruck gebracht, dass sie sich dem Standpunkt des Gerichts anschließt und sich die vom Berufungssenat angeführte Tatsache im Rahmen ihres Vortrags zu eigen macht. Dem Beibringungsgrundsatz ist damit genügt (vgl. Musielak/Huber, ZPO, 7. Aufl., § 291 Rdn. 4; Laumen in Prütting/Gehrlein, ZPO, 2. Aufl., § 291 Rdn. 6 a.E.). Die von der Nichtzulassungsbeschwerde für grundsätzlich erachtete Rechtsfrage stellt sich danach im Streitfall nicht.

Von einer näheren Begründung wird gemäß § 544 Abs. 4 Satz 2, 2. Halbs. ZPO abgesehen.

Die Beklagte trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens (§ 97 Abs. 1 ZPO).

Streitwert: 95.416,02 €

Bornkamm Pokrant Büscher

Schaffert Koch

Keywords

civil procedureadversarial principlejudicial hintfactsleave to appealfundamental significanceprocedural rightscosts

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the complaint against denial of leave to appeal should be granted on the ground of a violation of the adversarial principle and procedural rights.

Extracted holding

No. The appeal court did not base its judgment on a fact noticed ex officio; the plaintiff sufficiently adopted the fact stated in the judicial hint, so the adversarial principle was satisfied.

Extracted reasoning

The chairman's procedural order merely drew the parties' attention to a fact considered court-known. The plaintiff expressly agreed that the hint could only be endorsed, thereby clearly incorporating the fact into its own submissions. The legal question raised by the complaint therefore did not arise in the case.

Key legal question

Whether the case had fundamental significance or otherwise required review by the court of appeal.

Extracted holding

No. The requirements for leave to appeal under § 543(2) sentence 1 ZPO were not met; neither fundamental significance, nor the need to develop the law or secure uniform case law existed.

Extracted reasoning

The asserted procedural complaint did not succeed, and the matter did not justify review by the appellate court.

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