Sentencing for attempted manslaughter: statutory mitigation must be reconsidered

BGH 3 StR 106/10Bgh / Criminal Chamber IIIApr 27, 2010Partially Granted

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Omnilex summary

The Federal Court of Justice partially upheld the defendant's revision against her conviction for attempted manslaughter in concurrence with dangerous bodily harm. It set aside only the sentencing portion of the Regional Court's judgment and remitted the case. The Court held that, after denying a less serious case under § 213 StGB, the trial court had to re-examine whether the statutory mitigation under § 23(2) StGB justified application of the reduced sentencing range. It also erred by aggravating the sentence because the victim had not given cause for the offense. The conviction itself remained intact.

Omnilex headnote

§§ 23 Abs. 2, 49 Abs. 1, 213 StGB; sentencing in attempted manslaughter: where the trial court rejects a minder schwerer Fall under § 213 StGB on the basis of all general sentencing circumstances, it must thereafter separately consider any statutory mitigating ground before determining whether the special mitigated range applies (consid. 2). A factor that does not exist in the first place, such as the victim’s failure to provide occasion for the offence, may not be used to the defendant’s detriment in concrete sentencing (consid. 3). If these errors may have affected the quantum of punishment, the sentence is to be quashed and remitted.

Full text

BGH — 3 StR 106/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-04-27

Aktenzeichen: 3 StR 106/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 22 StGB, § 23 Abs 2 StGB, § 46 StGB, § 49 Abs 1 StGB, § 212 StGB, § 213 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Oldenburg (Oldenburg), 22. Dezember 2009, Az: 5 Ks 14/09 - 375 Js 21720/09, Urteil

Spruchkörper: 3. Strafsenat

Titelzeile

Strafzumessung: Anforderungen an die Strafzumessung beim minder schweren Fall des versuchten Totschlags ohne Veranlassung durch das Opfer

Tenor

  1. Auf die Revision der Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Oldenburg vom 22. Dezember 2009 im Strafausspruch mit den zugehörigen Feststellungen aufgehoben.

Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

  1. Die weitergehende Revision wird verworfen.

Gründe

1 Das Landgericht hat die Angeklagte wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zur Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Hiergegen wendet sie sich mit ihrer auf die Rüge der Verletzung sachlichen Rechts gestützten Revision. Das Rechtsmittel hat zum Strafausspruch Erfolg; im Übrigen ist es unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

2 Das Landgericht hat im Rahmen seiner Strafzumessung die (fakultative) Strafrahmenmilderung gemäß § 23 Abs. 2 StGB bejaht und den nach § 49 Abs. 1 StGB gemilderten Strafrahmen des § 212 StGB zugrunde gelegt. Das Vorliegen eines Totschlags in (sonst) einem minder schweren Fall gemäß § 213 StGB hat es unter Abwägung der bestimmenden allgemeinen Strafzumessungsgründe für sich gesehen mit rechtsfehlerfreier Begründung verneint. Gleichwohl hält der Strafausspruch rechtlicher Überprüfung nicht stand. Das Landgericht hat ersichtlich nicht bedacht, dass nach Ablehnung des Vorliegens eines minder schweren Falles auf der Grundlage einer Abwägung aller allgemeinen Strafzumessungsumstände bei der weitergehenden Prüfung, ob der mildere Sonderstrafrahmen zur Anwendung kommt, zunächst eventuell gegebene gesetzlich vertypte Strafmilderungsgründe zusätzlich heranzuziehen sind (st. Rspr.; vgl. nur Fischer, StGB 57. Aufl. § 50 Rdn. 4). Erst wenn der Tatrichter danach weiterhin keinen minder schweren Fall für gerechtfertigt hält, darf er seiner konkreten Strafzumessung den (allein) wegen des gegebenen gesetzlich vertypten Milderungsgrundes gemilderten Regelstrafrahmen zugrunde legen.

3 Ferner hat das Landgericht im Rahmen seiner konkreten Strafzumessung zu Lasten der Angeklagten berücksichtigt, dass das Opfer der Angeklagten "objektiv betrachtet keinerlei Anlass für die Tat geboten hatte" und damit einen nicht gegebenen Strafmilderungsgrund strafschärfend herangezogen. Dies ist hier rechtsfehlerhaft (vgl. BGHSt 34, 345, 350). Der Senat kann nicht ausschließen, dass sich die dargestellten Rechtsfehler auf die Höhe der verhängten Strafe ausgewirkt haben.

4 Die Sache bedarf daher im Umfang der Aufhebung neuer Verhandlung und Entscheidung. Der neue Tatrichter wird dabei Gelegenheit haben, die näheren Umstände festzustellen, die in der Vergangenheit zu einem Aufenthalt der Angeklagten in einer jugendpsychiatrischen Einrichtung sowie ab Oktober 2007 zu ihrer - nach den bisherigen Feststellungen bis zuletzt andauernden - Behandlung in der Karl-Jaspers-Klinik geführt haben. Gleiches gilt für die Gründe der im September 2008 vom Amtsgericht Oldenburg angeordneten Betreuung, in deren Rahmen die Angeklagte am Morgen des Tattages in dieser Klinik, in der die Tat begangen wurde, untergebracht worden ist. Die insoweit getroffenen Feststellungen werden in die Prüfung der Frage einer erheblich verminderten Schuldfähigkeit der Angeklagten bei Begehung der Tat (§ 21 StGB) einzubeziehen sein. Dass die Angeklagte dabei ohne Schuld im Sinne des § 20 StGB gehandelt hat, kann der Senat unter den gegebenen Umständen ausschließen.

Beckervon LienenSost-Scheible
HubertRiBGH Dr. Schäfer befindet sich
im Urlaub und ist daher gehindert
zu unterschreiben.
Becker

Keywords

sentencingattemptmanslaughterless serious casestatutory mitigationvictim provocationrevisionquashingremand

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the sentence had to be set aside because the court failed to consider additional statutory mitigation after denying a less serious case under § 213 StGB.

Extracted holding

Yes. After rejecting a less serious case on the basis of all general sentencing factors, the court had to separately consider the statutory mitigating ground under § 23(2) StGB before fixing the concrete sentence.

Extracted reasoning

The trial court first rejected § 213 StGB, but then used the already established statutory mitigation only for the ordinary sentencing framework. That omitted the required second step: the special mitigating ground must also be weighed when deciding whether the less severe special range applies.

Key legal question

Whether the court could aggravate the sentence by noting that the victim had given no reason for the act.

Extracted holding

No. The absence of provocation or occasion by the victim is not a sentencing aggravation and may not be used against the defendant.

Extracted reasoning

The court relied to the defendant's detriment on a factor that did not exist as a mitigating circumstance; this was legally erroneous and could have increased the sentence.

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