Insolvency administrator fee increase for excessive duration rejected

BGH IX ZB 123/09Bgh / Civil Chamber 9May 6, 2010Dismissed

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Omnilex summary

The Federal Court of Justice rejected the insolvency administrator’s legal complaint against the Regional Court of Flensburg as inadmissible. It held that the complaint did not sufficiently identify any admissibility ground under § 574 ZPO. On the merits, the Court reiterated that a surcharge under § 3(1) InsVV requires concrete and substantiated presentation of the activities justifying the surcharge. A long duration of proceedings alone does not warrant a surcharge; it matters only if the administrator was burdened more heavily than usual. The administrator had not sufficiently substantiated the relevant activities.

Omnilex headnote

§ 3 Abs. 1 InsVV; surcharge for prolonged insolvency proceedings; burden of substantiation; excessive duration alone is insufficient. A surcharge to the insolvency administrator’s remuneration is not justified merely because the proceedings lasted unusually long. It is required that the prolonged duration resulted in a workload exceeding that normally associated with insolvency proceedings; a holistic assessment of all circumstances is necessary. The applicant must concretely and substantively allege the activities justifying the surcharge, not merely the time expended. Standard tables from the literature do not bind the court, and comparisons with other cases are impermissible (consid. 2-4, 7).

Full text

BGH — IX ZB 123/09, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-05-06

Aktenzeichen: IX ZB 123/09

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 3 Abs 1 InsVV

Vorinstanz: vorgehend LG Flensburg, 7. Mai 2009, Az: 5 T 8/09, Beschlussvorgehend AG Flensburg, 15. Dezember 2008, Az: 56 IN 336/02

Spruchkörper: 9. Zivilsenat

Titelzeile

Insolvenzverwaltervergütung: Zuschlag wegen überlanger Verfahrensdauer

Tenor

Die Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 5. Zivilkammer des Landgerichts Flensburg vom 7. Mai 2009 wird auf Kosten des Insolvenzverwalters als unzulässig verworfen.

Der Gegenstandswert des Rechtsbeschwerdeverfahrens wird auf 38.140,39 € festgesetzt.

Gründe

1 Die Rechtsbeschwerde ist statthaft (§ 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO i.V.m. §§ 6, 7, 64 Abs. 3 Satz 1 InsO) sowie form- und fristgerecht eingelegt. Sie ist jedoch unzulässig, weil sie keinen Zulässigkeitsgrund aufzeigt. Weder hat die Sache grundsätzliche Bedeutung, noch erfordert die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts (§ 574 Abs. 2 ZPO).

2 1. Die Rechtsgrundsätzlichkeit oder Rechtsfortbildungsbedürftigkeit hinsichtlich der Anforderungen an die Darstellung der Voraussetzungen eines Zuschlagstatbestandes nach § 3 Abs. 1 InsVV ist schon nicht hinreichend dargelegt (vgl. BGHZ 154, 288, 291, 292). Sie ist auch nicht gegeben. Dass der Verwalter, der einen Zuschlag begehrt, dessen Voraussetzungen darzulegen hat, ist eine Selbstverständlichkeit (vgl. BGH, Beschl. v. 11. Mai 2006 - IX ZB 249/06, ZIP 2006, 1204, 1206 Rn. 25).

3 Im Schrifttum entwickelte Faustregeltabellen binden den Tatrichter nicht. Die Bemessung der Zu- und Abschläge ist vielmehr Aufgabe des Tatrichters nach den Umständen des jeweiligen Einzelfalles (BGH, Beschl. v. 1. März 2007 - IX ZB 277/05, Rn. 7; v. 22. März 2007 - IX ZB 201/05, ZInsO 2007, 370 Rn. 3; v. 13. November 2008 - IX ZB 141/07, ZInsO 2009, 55, 56 Rn. 10). Eine vergleichende Betrachtung mit Beschlüssen desselben Amtsgerichts in einer anderen Sache verbietet sich (vgl. BGH, Beschl. v. 13. November 2008 aaO).

4 Die exakte Dauer seiner Tätigkeit muss der Verwalter nicht darlegen; der im konkreten Fall erforderliche Aufwand ist nach allgemeinen Kriterien zu bemessen (BGH, Beschl. v. 25. Juni 2009 - IX ZB 118/08, ZInsO 2009, 1511, 1512 Rn. 3 m.w.N.). Konkret und substantiiert darzulegen ist die erforderlich gewordene Tätigkeit des Verwalters, nicht die Zeit, die er hierfür aufgewandt hat. An der substantiierten Darlegung dieser Tätigkeit fehlte es im vorliegenden Fall, obwohl der Verwalter im Beschwerdeverfahren ausdrücklich hierzu aufgefordert worden war. Dass das Beschwerdegericht womöglich auch eine nähere Darlegung des zeitlichen Aufwandes für erforderlich gehalten hat, ist jedenfalls nicht entscheidungserheblich.

5 2. Eine Verletzung der Verfahrensgrundrechte des Verwalters liegt nicht vor.

6 3. Hinsichtlich der Frage, ob eine überlange Verfahrensdauer einen Zuschlag rechtfertigt, wird ein Zulässigkeitsgrund nicht aufgezeigt. Eine vereinzelte Kritik an einem Senatsbeschluss macht die dort entschiedene Frage nicht erneut rechtsgrundsätzlich. Der Senat hat die von der Rechtsbeschwerde behauptete Aussage in der von ihr angeführten Entscheidung im Übrigen nicht getroffen; die von der Rechtsbeschwerde für sich in Anspruch genommene Kritik in der Literatur leitet eine solche Aussage des Senats lediglich aus dem Zusammenhang ab. Sie stellt diese sodann auch nicht in Frage, sondern kritisiert eine Gegenmeinung.

7 Eine überlange Verfahrensdauer rechtfertigt als solche keinen Zuschlag. Sie kann einen Zuschlag rechtfertigen, wenn dadurch der Verwalter stärker als in Insolvenzverfahren allgemein üblich in Anspruch genommen worden ist. Überschneidet sich dieser Zuschlagstatbestand - wie häufig - mit anderen Zuschlagstatbeständen, ist eine Gesamtwürdigung erforderlich (BGH, Beschl. v. 11. Mai 2006 aaO S. 1207 Rn. 42; S. 1205 Rn. 12). Dies hat das Beschwerdegericht nicht verkannt.

8 4. Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 577 Abs. 6 Satz 3 ZPO abgesehen.

Ganter Gehrlein Vill

Fischer Grupp

Keywords

insolvency administrator remunerationfee surchargeprolonged proceedingssubstantiationinadmissibilityburden of proof

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the legal complaint was admissible

Extracted holding

The legal complaint was dismissed as inadmissible because no ground for admissibility was sufficiently shown.

Extracted reasoning

The matter raised neither fundamental significance nor a need for legal development or uniformity. The complaint also failed to substantiate the requirements for a surcharge under § 3(1) InsVV.

Key legal question

Whether an excessive duration of insolvency proceedings justifies a fee surcharge

Extracted holding

Excessive duration alone does not justify a surcharge; it can justify one only if it caused a heavier burden on the administrator than is generally usual in insolvency proceedings.

Extracted reasoning

Such a surcharge must be assessed in an overall evaluation of the circumstances. The lower court had not misunderstood this standard.

Key legal question

Whether the administrator had to substantiate the factual basis for the surcharge

Extracted holding

Yes. The administrator had to describe concretely and substantively the activities that made a surcharge necessary, not the exact time spent on them.

Extracted reasoning

The applicant bears the burden of showing the surcharge prerequisites. Standard tables from the literature do not bind the trial court, and comparison with other cases is impermissible. The necessary detailed showing was missing here.

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