VKH for legal complaint against deportation detention refused

BGH V ZB 2/10Bgh / Civil Chamber VJan 28, 2010Dismissed

Extracted by Omnilex

Omnilex summary

The Federal Court of Justice rejected the detained person’s request for legal aid for a planned legal complaint against the land court’s decision confirming deportation detention. It held that the appellate court did not need to hear him again because he had already been heard at first instance, the matter was simple, and no new facts were presented. It also found that the court did not have to grant access to the administrative immigration file and did not need to review the legality of the deportation order in the detention proceedings because the removal obligation rested on a final deportation order.

Omnilex headnote

§ 68 Abs. 3 S. 2 FamFG; Anhörung im Beschwerdeverfahren gegen eine Abschiebungshaftanordnung: Von einer erneuten persönlichen Anhörung kann abgesehen werden, wenn der Betroffene bereits in erster Instanz angehört worden ist, der Sachverhalt einfach gelagert ist und das Rechtsmittelgericht nach Aktenlage entscheiden kann; dies gilt auch unter Berücksichtigung von Art. 6 Abs. 1 EMRK. Die Einsicht in die dem Verwaltungsverfahren zugrunde liegenden Akten ist nicht vom Beschwerdegericht, sondern von der zuständigen Verwaltungsbehörde zu gewähren. Ist die Ausreisepflicht durch eine bestandskräftige Abschiebungsverfügung begründet, haben die Haftgerichte deren Rechtmäßigkeit im Verfahren über die Sicherungshaft nicht erneut zu prüfen.

Full text

BGH — V ZB 2/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-01-28

Aktenzeichen: V ZB 2/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 68 Abs 3 S 2 FamFG

Vorinstanz: vorgehend LG Koblenz, 30. November 2009, Az: 2 T 763/09, Beschlussvorgehend AG Westerburg, 1. Oktober 2009, Az: 7 XIV 11/09 B

Spruchkörper: 5. Zivilsenat

Titelzeile

Ausländerrecht: Anhörung des Betroffenen im Beschwerdeverfahren gegen die Abschiebehaftanordnung

Tenor

Der Antrag des Betroffenen, ihm für eine Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 2. Zivilkammer des Landgerichts Koblenz vom 30. November 2009 Verfahrenskostenhilfe zu bewilligen, wird zurückgewiesen.

Gründe

I.

1 Der Betroffene ist algerischer Staatsangehöriger. Nach seiner Einreise nach Deutschland am 31. März 2008 beantragte er die Anerkennung als Asylberechtigter. Der Antrag wurde von dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit Bescheid vom 24. April 2009 abgelehnt. Der Betroffene war seit dem 15. Mai 2009 vollziehbar zur Ausreise aus dem Bundesgebiet verpflichtet. Hiergegen gerichtete Rechtsmittel sind erfolglos geblieben.

2 Nachdem der Betroffene am 29. September 2009 und am 30. September 2009 jeweils nicht in seiner Wohnung angetroffen wurde, hat das Amtsgericht nach Anhörung des Betroffenen die Sicherungshaft bis längstens 5. Oktober 2009 und die sofortige Wirksamkeit der Entscheidung angeordnet. Die dagegen erhobene Beschwerde hat das Landgericht zurückgewiesen.

3 Hiergegen will sich der Betroffene mit der Rechtsbeschwerde wenden. Für die Durchführung des Verfahrens beantragt er die Bewilligung von Verfahrenskostenhilfe.

4 Am 5. Oktober 2009 ist der Betroffene nach Algerien abgeschoben worden.

II.

5 Das Beschwerdegericht meint, die Entscheidung des Amtsgerichts sei rechtmäßig. Es habe der Haftgrund des § 62 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 AufenthG bestanden, Abschiebungshindernisse lägen nicht vor. Eine Anhörung des Betroffenen im Beschwerdeverfahren sei nicht erforderlich.

III.

6 Die beabsichtigte Rechtsverfolgung hat keine Aussicht auf Erfolg.

7 1. Das Beschwerdegericht war nicht zu einer Anhörung des Betroffenen verpflichtet (§ 68 Abs. 3 Satz 2 FamFG). Sie ist zwar auch im Rechtsmittelverfahren grundsätzlich erforderlich. Davon kann aber - auch unter Berücksichtigung von Art. 6 Abs. 1 EMRK - abgesehen werden, wenn der Betroffene in erster Instanz persönlich angehört worden ist, der Sachverhalt einfach gelagert ist und das Rechtsmittelgericht nach Aktenlage entscheiden kann (EGMR NJW 1992, 1813, 1814 Tz. 31 ff. - Helmers gegen Schweden; Senat, Beschl. v. 11. Mai 1995, V ZB 13/95, NJW 1995, 2226 - insoweit in BGHZ 129, 383 nicht abgedruckt; KG InfAuslR 2009, 356, 357; Hoppe ZAR 2009, 209, 213). Diese Voraussetzungen lagen hier vor. Der Betroffene war am 1. Oktober 2009 durch das Amtsgericht angehört worden. Der Sachverhalt war einfach gelagert. Die Beteiligten hatten keine neuen Tatsachen vorgetragen. Der bekannte Sachverhalt war lediglich erneut zu würdigen.

8 2. Das Beschwerdegericht musste dem Betroffenen keine Akteneinsicht gewähren. Denn er wollte keine Einsicht in die diesem Verfahren zugrunde liegenden Akten, sondern allein in die dem Verwaltungsverfahren vor der Ausländerbehörde zugrunde liegenden Akten nehmen. Für die Gewährung von Einsicht in Verwaltungsakten sind jedoch die jeweiligen Verwaltungsbehörden zuständig.

9 3. Weder das Amtsgericht noch das Landgericht mussten die Rechtmäßigkeit der durch die Verwaltungsbehörde angeordneten Abschiebung prüfen, weil sich die Ausreisepflicht des Betroffenen aus einer bestandskräftigen Abschiebungsverfügung ergab (vgl. Senat, Beschl. v. 16. Dezember 2009, V ZB 148/09 Rz. 7 - zur Veröffentlichung bestimmt).

Krüger Lemke Schmidt-Räntsch

Stresemann Czub

Keywords

immigration detentionlegal aidright to be heardappeal proceedingsfile inspectiondeportation orderprocedural fairness

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the appellate court had to hear the detainee again under § 68(3) sentence 2 FamFG

Extracted holding

No. A renewed hearing in the appeal stage was not required because the first-instance hearing had taken place, the matter was straightforward, and the court could decide on the file; no new facts were submitted.

Extracted reasoning

The court held that although a hearing is generally required on appeal, it may be omitted where the facts are simple and the appellate court can decide from the file, also considering Art. 6(1) ECHR.

Key legal question

Whether the appellate court had to grant access to the administrative immigration file

Extracted holding

No. The requested inspection concerned the administrative authority's file, and responsibility for granting access to such files lies with the competent administrative authority, not the court.

Extracted reasoning

The court distinguished the file of the judicial detention proceedings from the administrative file underlying the removal decision.

Key legal question

Whether the lower courts had to review the legality of the deportation order

Extracted holding

No. The detainee's duty to leave resulted from a final, binding deportation order, so the courts in the detention proceedings did not need to examine its legality again.

Extracted reasoning

Because the removal obligation was based on an enforceable and final deportation order, its legality was not open in the detention review.

Key legal question

Whether legal aid for the intended legal complaint should be granted

Extracted holding

No. The intended legal complaint had no prospect of success.

Extracted reasoning

Because the asserted procedural and substantive objections failed, the prerequisite of sufficient prospects of success for legal aid was absent.

Continue your research in ChatGPT or Claude

Connect Omnilex to search the legal corpus from your AI assistant.