Oberlandesgericht Hamm, 2024-06-21, 7 U 154/23

7 U 154/23Supreme CourtJun 21, 2024

Regest

1. Insbesondere zuletzt das Urteil des EuGH vom 20.06.2024 – C-590/22 (BeckRS 2023, 35786) bestärkt den Senat in seiner Rechtsauffassung (OLG Hamm, Urteil vom 15.08.2023 – 7 U 19/23, GRUR-RS 2023, 22505 = juris Rn. 151-160; OLG Hamm, Beschluss vom 21.12.2023 – 7 U 137/23, GRUR-RS 2023, 37310 = juris Rn. 6; dem folgend OLG München, Urteil vom 24.04.2024 – 34 U 2306/23e, GRUR-RS 2024, 8563 = juris Rn. 32, Rn. 35 m. w. N.; OLG Oldenburg, Urteil vom 21.05.2024 – 13 U 100/23, BeckRS 2024, 12013 = juris Rn. 43; OLG Saarbrücken, Urteil vom 03.05.2024 – 5 U 72/23, GRUR-RS 2024, 10977 = juris Rn. 24; OLG Celle, Urteil vom 04.04.2024 – 5 U 31/23, GRUR-RS 2024, 6435 = juris Rn. 67; OLG Köln, Urteil vom 07.12.2023 – I-15 U 33/23, GRUR-RS 2023, 36757 = juris Rn. 39; OLG Dresden, Urteil vom 05.12.2023 – 4 U 1094/23, GRUR-RS 2023, 36858 = juris Rn. 45; OLG Stuttgart, Urteil vom 22.11.2023 – 4 U 20/23, GRUR-RS 2023, 32883 = juris Rn. 294), dass im Rahmen eines Anspruchs aus Art. 82 DSGVO ein mit einer unrechtmäßigen Datenverarbeitung als negative Folge einhergehender Kontrollverlust als solcher die Annahme eines immateriellen Schadens nicht trägt. 2. Der Senat hält zudem weiter daran fest, dass es einer konkret individuellen Darlegung der über den Kontrollverlust hinausgehenden, kausal auf das Scraping zurückzuführenden persönlichen Beeinträchtigungen bedarf (vgl. Senat, Urteil vom 15.08.2023 – 7 U 19/23, GRUR-RS 2023, 22505 = juris Rn. 164 f.), die im Zweifel im Rahmen einer persönlichen Anhörung nach § 141 ZPO im Hinblick auf die Beweislast des Klägers zur Überzeugung des Gerichts nach § 286 ZPO – hier gar widerlegt – festzustellen sind (BGH, Beschluss vom 25.10.2022 – VI ZR 382/21, BeckRS 2022, 35153 Rn. 13, 15; BGH, Urteil vom 26.02.2009 – I ZR 155/07, BeckRS 2009, 9695 Rn. 8). 3. Im Einzelfall kann es – wie hier – bereits an einem Kontrollverlust fehlen, wenn die gescrapte Handynummer vor dem Scrapingvorfall schon unmittelbar oder mittelbar an einen unbestimmten Kreis weitergegeben worden ist (im Anschluss an OLG Köln, Urteil vom 07.12.2023 – I-15 U 33/23, GRUR-RS 2023, 36757 = juris Rn. 37).

Full text

Oberlandesgericht Hamm — 7 U 154/23 — Urteil

Entscheidungsdatum: 2024-06-21

Aktenzeichen: 7 U 154/23

ECLI: ECLI:DE:OLGHAM:2024:0621.7U154.23.00

Dokumenttyp: Urteil

Spruchkörper: 7. Zivilsenat

Normen: Art. 5 DSGVO; Art. 6 DSGVO; Art. 7 DSGVO; Art. 15 DSGVO; Art. 25 DSGVO; Art. 32 DSGVO; Art. 82 DSGVO; Art. 99 Abs. 2 DSGVO; § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO; § 256 Abs. 1 ZPO; § 259 ZPO; § 890 Abs. 2 ZPO

Leitsätze

    1. Insbesondere zuletzt das Urteil des EuGH vom 20.06.2024 – C-590/22 (BeckRS 2023, 35786) bestärkt den Senat in seiner Rechtsauffassung (OLG Hamm, Urteil vom 15.08.2023 – 7 U 19/23, GRUR-RS 2023, 22505 = juris Rn. 151-160; OLG Hamm, Beschluss vom 21.12.2023 – 7 U 137/23, GRUR-RS 2023, 37310 = juris Rn. 6; dem folgend OLG München, Urteil vom 24.04.2024 – 34 U 2306/23e, GRUR-RS 2024, 8563 = juris Rn. 32, Rn. 35 m. w. N.; OLG Oldenburg, Urteil vom 21.05.2024 – 13 U 100/23, BeckRS 2024, 12013 = juris Rn. 43; OLG Saarbrücken, Urteil vom 03.05.2024 – 5 U 72/23, GRUR-RS 2024, 10977 = juris Rn. 24; OLG Celle, Urteil vom 04.04.2024 – 5 U 31/23, GRUR-RS 2024, 6435 = juris Rn. 67; OLG Köln, Urteil vom 07.12.2023 – I-15 U 33/23, GRUR-RS 2023, 36757 = juris Rn. 39; OLG Dresden, Urteil vom 05.12.2023 – 4 U 1094/23, GRUR-RS 2023, 36858 = juris Rn. 45; OLG Stuttgart, Urteil vom 22.11.2023 – 4 U 20/23, GRUR-RS 2023, 32883 = juris Rn. 294), dass im Rahmen eines Anspruchs aus Art. 82 DSGVO ein mit einer unrechtmäßigen Datenverarbeitung als negative Folge einhergehender Kontrollverlust als solcher die Annahme eines immateriellen Schadens nicht trägt.
    1. Der Senat hält zudem weiter daran fest, dass es einer konkret individuellen Darlegung der über den Kontrollverlust hinausgehenden, kausal auf das Scraping zurückzuführenden persönlichen Beeinträchtigungen bedarf (vgl. Senat, Urteil vom 15.08.2023 – 7 U 19/23, GRUR-RS 2023, 22505 = juris Rn. 164 f.), die im Zweifel im Rahmen einer persönlichen Anhörung nach § 141 ZPO im Hinblick auf die Beweislast des Klägers zur Überzeugung des Gerichts nach § 286 ZPO – hier gar widerlegt – festzustellen sind (BGH, Beschluss vom 25.10.2022 – VI ZR 382/21, BeckRS 2022, 35153 Rn. 13, 15; BGH, Urteil vom 26.02.2009 – I ZR 155/07, BeckRS 2009, 9695 Rn. 8).
    1. Im Einzelfall kann es – wie hier – bereits an einem Kontrollverlust fehlen, wenn die gescrapte Handynummer vor dem Scrapingvorfall schon unmittelbar oder mittelbar an einen unbestimmten Kreis weitergegeben worden ist (im Anschluss an OLG Köln, Urteil vom 07.12.2023 – I-15 U 33/23, GRUR-RS 2023, 36757 = juris Rn. 37).

Tenor

Die Berufung der Klägerin gegen das am 7.11.2023 verkündete Urteil der Einzelrichterin der 2. Zivilkammer des Landgerichts Detmold (2 O 33/23) wird zurückgewiesen.

Die Kosten der Berufung trägt die Klägerin.

Dieses und das angefochtene Urteil sind ohne Sicherheitsleistung vorläufig vollstreckbar.

Die Klägerin darf die Zwangsvollstreckung durch Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des aufgrund der Urteile jeweils vollstreckbaren Betrages abwenden, wenn nicht die Beklagte vor der Zwangsvollstreckung Sicherheit in Höhe von 110 % des jeweils zu vollstreckenden Betrages leistet.

Die Revision wird im Hinblick auf den Antrag zu 1) zugelassen.

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