Retrospective legal aid and multiple-client fee increase

52 II 4568/06Court of First InstanceSep 12, 2006Civil lawPartially granted

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Omnilex summary

Participants no. 1 challenged the Bochum Local Court clerk's assessment of legal-aid fees. The court granted M. retrospective legal aid, finding that signing and dating the official form before advice was not required for a retrospective application and that M. was affected by the matter as a member of the spouses' needs community. Because the applicants had acted for both spouses in the same matter, the court allowed a 30% increase to the fixed business fee. It amended the assessment to award a further EUR 29.23, inclusive of related document charges and VAT, on top of EUR 97.44 already assessed. Extrajudicial expenses were not reimbursed, and no appeal was admitted.

Omnilex headnote

§ 56 RVG; § 2 Abs. 2 BerHG; VV Nr. 1008 RVG: In a retrospective application for legal aid, the applicant need not have signed and dated the official form before the lawyer provided advice. The statutory conditions for legal aid must otherwise be satisfied, including that assistance was provided to the person seeking to enforce rights. Where a lawyer acts for multiple clients in the same matter, VV Nr. 1008 increases an eligible fixed business fee by 30% for an additional client. The increase applies to the fixed fee independently of the value or identity of the subject matter. The rule is typifying: whether representation actually caused additional work is not assessed in the individual case.

Full text

Amtsgericht Bochum — 52 II 4568/06 — Beschluss

Entscheidungsdatum: 2006-09-12

Aktenzeichen: 52 II 4568/06

ECLI: ECLI:DE:AGBO:2006:0912.52II4568.06.00

Dokumenttyp: Beschluss

Spruchkörper: 52. Abteilung des Amtsgerichts

Normen: § 56 RVG, § 2 Abs. 2 BerHG

Tenor

hat das Amtsgericht Bochum durch den Richter am 12. September 2006

b e s c h l o s s e n:

Auf die Erinnerung vom 19.07.2005 der Beteiligten zu 1.) gegen die Kostenfestset-zung des Rechtspflegers des Amtsgerichts Bochum vom 20.06.2005 wird der Frau M. für die mit Antrag vom 18.05.2006 geltend gemachte Angelegenheit Beratungshil-fe bewilligt und die angefochtene Kostenfestsetzung unter Aufrechterhaltung im übri-gen dahingehend abgeändert, dass über den festgesetzten Betrag in Höhe von 97,44 Euro hinaus weitere 29,23 Euro aus der Landeskasse an die Beteiligten zu 1.) zu zahlen sind.

Außergerichtliche Auslagen werden nicht erstattet.

Die Beschwerde wird nicht zugelassen.

Gründe:

Die Erinnerung gem. § 56 RVG ist zulässig und begründet.

Auch der Rechtsuchenden M. war auf ihren nachträglichen Antrag vom 18.05.2006 Beratungshilfe zu bewilligen, weil sämtliche Bewilligungsvoraussetzungen nach dem BerHG vorliegen. Bei einer nachträglichen Beantragung der Beratungshilfe muss der Rechtsuchende das amtliche Formular nicht vor der durch den Rechtsanwalt erteil-ten Beratung unterschreiben und datieren. Die Beteiligten zu 1.) haben auch der Rechtsuchenden Hilfe für die Wahrnehmung von Rechten gewährt. Die Beteiligten zu 1.) hatten auftragsgemäß zu prüfen, ob die weitere Beziehung von Arbeitslosen-geld II oder die frühzeitige Beantragung einer Rente vorteilhafter sei. Wegen der Be-fristung des Arbeitslosengeldes wurde daraufhin Widerspruch eingelegt. Die Recht-suchende war als Ehefrau und Teil der Bedarfsgemeinschaft von der zur Beratung stehenden Frage und dem Widerspruch ebenfalls mitbetroffen.

Die Beteiligten zu 1.) können eine Gebührenerhöhung gem. § 7 RVG i.V.m. VV Nr. 1008 und somit die Erstattung weiterer 21,- Euro verlangen.

Die Beteiligten zu 1.) sind gem. § 7 Abs. 1 RVG in derselben Angelegenheit für die Eheleute Lange als mehrere Auftraggeber tätig geworden (so auch Gerold/Schmidt, RVG, 17. Auflage, VV 1008, Rn. 71). Nach VV Nr. 1008 erhöht sich bei mehreren Auftraggeber in derselben Angelegenheit die Verfahrens- oder Geschäftsgebühr für jede weitere Person um 0,3. Bei Festgebühren erhöht sich die Verfahrens- und Ge-schäftsgebühr um 30 %, und bei Betragsrahmengebühren erhöht sich der Mindest- und Höchstbetrag um ebenfalls 30 %. Die den Rechtsuchenden bereits erstattete Geschäftsgebühr nach VV Nr. 2603 in Höhe von 70,- Euro zählt zu den erhöhungs-fähigen Gebühren i.S.d. VV Nr. 1008. Weil diese Geschäftsgebühr eine Festgebühr i.S.d. VV Nr. 1008 darstellt, ist sie um 30 % - einmalig - um weitere 21,- Euro zu er-höhen (so auch Gerold/Schmidt, RVG, 17. Auflage, VV 1008, Rn. 230, 231). Auf die noch für die Anwendung von § 6 Abs. 1 Satz 2 BRAGO (jetzt: VV Nr. 1008 Anm. Abs. 1) entscheidende Frage, ob gleiche oder verschiedene Gegenstände vorliegen, kommt es nicht mehr an, weil die Geschäftsgebühr nach VV Nr. 2603 als Festgebühr unabhängig vom Gegenstandswert ist.

Aufgrund der typisierenden Regelung des VV Nr. 1008 kommt es auf eine Einzelfall-prüfung, ob tatsächlich Mehrarbeit entstanden ist, nicht an.

Den Beteiligten zu 1.) stehen somit weitere 21,- Euro nebst anteiliger Dokumenten-pauschale und Mehrwertsteuer, also weitere 29,23 Euro zu.

Die Beschwerde war mangels grundsätzlicher Bedeutung der zur Entscheidung ste-henden Frage nicht zuzulassen.

Keywords

legal aidretrospective applicationattorney feesmultiple clientsfixed feefee reimbursement

Retrospective legal aid was available; all statutory eligibility requirements were met, and advance execution of the form was unnecessary.

M. was affected as a member of the spouses' needs community by the advice and objection concerning continued unemployment benefit or applying early for a pension.

The fixed business fee was increased once by 30%, producing an additional fee of EUR 21.

The fixed fee is eligible for the multiple-client increase under fee schedule no. 1008; an individualized inquiry into additional work or whether the spouses' interests concerned identical subject matter was unnecessary.

An additional total of EUR 29.23 was payable, comprising the increased fee, the proportional document flat rate, and VAT.

The EUR 21 fee increase, together with related document charges and VAT, resulted in the additional amount ordered.

The appeal was not admitted because the question lacked fundamental significance.

The issue to be decided was not of fundamental importance.

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