No entry on private complainant's appeal after withdrawal of appeals

SB170163Supreme CourtMay 5, 2017Dismissed

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Omnilex summary

The Zurich Cantonal Court of Appeal's Criminal Chamber dealt with appeals against a first-instance murder judgment. The prosecution withdrew its appeal, and private complainant 2 also withdrew his appeal within the appeal-statement period. Private complainant 1 failed to file an appeal statement on time, so the court refused to enter into his appeal. The proceeding was therefore discontinued and the lower-court judgment became final. The court ordered the appellate costs, including the costs of the private complainants' appointed representation, to be borne by the court treasury and denied compensation to the defense.

Omnilex headnote

Art. 399 Abs. 3, Art. 428 Abs. 1 StPO; appeal withdrawal and failure to file an appeal statement in time. If an appellant does not submit the appeal statement within the statutory time limit, the appellate court must not enter into the appeal. A withdrawal of the appeal ends the proceedings for the withdrawing party; the withdrawing party is treated as unsuccessful for cost purposes. Where the withdrawal occurs within the appeal-statement period, appellate costs may exceptionally be borne by the court treasury. Under Art. 30 Abs. 3 OHG, victims and their relatives are not obliged to reimburse the costs of appointed counsel; this special rule prevails over Art. 135 Abs. 4 and Art. 138 Abs. 1 StPO.

Full text

Obergericht des Kantons Zürich II. Strafkammer

Geschäfts-Nr.: SB170163-O/U/cs-ad

Mitwirkend: der Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, die Oberrichterin lic. iur. Affolter und der Ersatzoberrichter lic. iur. Wenker sowie der Gerichtsschreiber lic. iur. Höfliger Beschluss vom 5. Mai 2017

i n Sachen

Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich, ertreten durch Staatsanwalt lic. iur. Eberle Anklägeri n und Berufungsklägerin

sowie

  1. A., 2. B., Privatkläger und Berufungskläger

1 verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X1._____ 2 vertreten durch Fürsprecher X2._____

gegen

C._____, Beschuldigter und Berufungsbeklagter

verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____

betreffend mehrfache versuchte vorsätzliche Tötung etc.

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 27. Oktober 2016 (DG160044)

Erwägungen I. 1. Mit Eingabe vom 4. November 2016, bei der Vorinstanz eingegangen am 7. November 2016, meldete die Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des Bezirks- gerichtes Winterthur vom 27. Oktober 2016 Berufung an (Urk. 89). Nach Erhalt des begründeten Entscheids am 31. März 2017 (Urk. 110 Blatt 6) zog die Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 6. April 2017, hier einge- gangen am 7. April 2017, ihre Berufung zurück (Urk. 115). Vom Rückzug der Berufung der Staatsanwaltschaft ist Vormerk zu nehmen. 2. Mit Eingabe seines Vertreters vom 7. November 2016, bei der Vorinstanz eingegangen am 8. November 2016, liess der Privatkläger 2 gegen das Urteil des Bezi rksgerichtes Winterthur vom 27. Oktober 2016 Berufung anmelden (Urk. 91). Nach Erhalt des begründeten Entscheids am 3. April 2017 (Urk. 110 Blatt 4) liess der Privatkläger 2 mit Eingabe seines Vertreters vom 21. April 2017 (Poststempel 24. April 2017), hier eingegangen am 25. April 2017, i nnert noch laufender Berufungserklärungsfrist seine Berufung zurückzi ehe n (Urk. 119). Vom Rückzug der Berufung des Pri vatklägers 2 i st Vormerk zu nehmen. 3. Mit Eingabe seines Vertreters vom 9. November 2016, bei der Vorinstanz eingegangen am 10. November 2016, liess der Privatkläger 1 gegen das Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 27. Oktober 2016 Berufung anmelden (Urk. 94). Nach Erhalt des begründeten Entscheids am 3. April 2017 (Urk. 110 Blatt 1) liess der Privatkläger 1 die bis zum 24. April 2017 laufende Frist zur Einreichung der Berufungserklärung unbenützt ablaufen.

Auf seine Berufung ist deshalb androhungsgemäss (vgl. Dispositivziffer 10 des vorinstanzlichen Urteils) ni cht ei nzutreten. II. 1. Das Verfahren ist demgemäss unter ausgangsgemässer Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen als erledigt abzuschreiben. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres Obsiegens und Unterliegens. Als unterliegend gilt auch die Partei, auf deren Rechtsmittel nicht eingetreten wird oder die das Rechtsmittel zurückzieht (Art. 428 Abs. 1 StPO). a) Für die unterliegende Staatsanwaltschaft trägt der verfahrensführende Kanton die Kosten (Schmid, StPO Praxiskommentar, 2. Aufl., Art. 428 N 3). b) Praxisgemäss sind die Kosten des Berufungsverfahrens auf die Geri chtskasse zu nehmen, wenn der Rückzug innerhalb der 20-tägigen Berufungserklärungsfrist gemäss Art. 399 Abs. 3 StPO erfolgt ist (ZR 110 Nr. 37). Dies ist der Fall beim Privatkläger 2. c) Die in Art. 30 Abs. 3 OHG vorgesehene Befreiung des Opfers und seiner Angehörigen von der Pflicht, die Kosten für ei nen unentgeltli che n Rechtsbei stand zu erstatten, gilt auch im Rahmen eines Straf- und/oder Zivilverfahrens gegen den Täter. Art. 30 Abs. 3 OHG geht als lex specialis Art. 135 Abs. 4 und Art. 138 Abs. 1 StPO vor. Es ist nicht zulässig, vom Opfer die Rückzahlung der Entschä- digung des unentgeltlichen Rechtsbeistandes an den Staat zu verlangen (BGE 141 IV 262). Nachdem die Vorinstanz den Beschuldigten in Bezug auf den Privatkläger 1 vom Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung freigesprochen hat, fehlt es insoweit an einer Straftat und damit an der Opfereigenschaft des Privatklägers 1 im Sinne von Art. 1 Abs. 1 OHG. Als Sohn des Privatklägers 2 (vgl. Urk. 114 S. 15) ist der Privatkläger 1 allerdings Angehöriger eines Opfers im Sinne von Art. 1 Abs. 2 OHG, für welchen die vorstehend zitierte neue Recht- sprechung ebenfalls gilt.

  1. Aufgrund des Gesagten und in Anbetracht des vorliegenden Verfah- rensausgangs sind somit die Kosten des Berufungsverfahrens, einschliesslich derjenigen der unentgeltlichen Vertretungen der Privatkläger 1 und 2, vollum- fänglich und vorbehaltslos auf die Gerichtskasse zu nehmen. 3. Mangels erkennbarer erheblicher Umtriebe ist dem erbeten verteidigten Beschuldigten keine Prozessentschädigung zuzuspreche n. Es wird beschlossen: 1. Auf die Berufung des Privatklägers 1 wird nicht eingetreten. 2. Das Verfahren wird als durch Rückzug der Berufungen erledigt abgeschrieben. Demzufolge ist das Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 27. Oktober 2016 rechtskräftig. 3. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird auf Fr. 600.– festgesetzt. 4. Die Kosten des Berufungsverfahrens, einschliesslich derjenigen der unentgeltlichen Rechtsvertretungen der Privatkläger 1 und 2, werden auf die Gerichtskasse genommen. 5. Schri ftli che Mi ttei lung an − den erbetenen Verteidiger im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten − die Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich, im Doppel − den Vertreter des Privatklägers 1 im Doppel für sich und zuhanden des Privatklägers 1 − den Vertreter des Privatklägers 2 im Doppel für si ch und zuhanden des Privatklägers 2 sowie nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist resp. Erledigung allfälliger Rechtsmittel an − die Vorinstanz.

  2. Rechtsmittel: Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtli che Beschwerde in Straf- sachen erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schri ftli ch ei nzurei chen. Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsgesetzes.

Obergericht des Kantons Zürich II. Strafkammer

Züri ch, 5. Mai 2017

Der Präsident:

Oberrichter lic. iur. Spiess

Der Gerichtsschreiber:

lic. iur. Höfliger

Keywords

criminal appealwithdrawalnon-entrycostsvictim assistanceappointed counselappeal deadlinefinality

Extracted by Omnilex

Key legal question

Whether the appeal of private complainant 1 was admissible after the appeal statement deadline expired

Extracted holding

The court declined to enter into the appeal because the appellant let the deadline for filing the appeal statement lapse.

Extracted reasoning

After notice of the reasoned judgment, private complainant 1 did not submit an appeal statement within the statutory time limit; the announced consequence was non-entry.

Key legal question

Whether the proceeding should be closed after withdrawal of the appeals

Extracted holding

The proceeding was discontinued and struck off the docket because the prosecution's appeal and private complainant 2's appeal were withdrawn.

Extracted reasoning

A withdrawn appeal ends the appellate proceedings for the withdrawing party; with no remaining effective appeal for the other parties, the case was closed and the first-instance judgment became final.

Key legal question

Allocation of appellate costs and compensation

Extracted holding

All appellate costs, including costs of appointed representation for the two private complainants, were charged to the court treasury; no compensation was awarded to the defense.

Extracted reasoning

The prosecution was unsuccessful; private complainant 2 withdrew within the appeal-statement period; under the Victim Assistance Act, victims and their relatives are not required to reimburse legal-aid counsel. No significant expenses of the defense were shown.

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